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Andrea Chénier an der Wiener Staatsoper
14. Januar 2019
15:31
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Wie Sie richtig gemerkt haben, ist meine Meinung über den Reclam-Verlag nicht gigantisch hoch (aber auch nicht gering). Natürlich, es ist toll, dass hochwertige Literatur zu für die meisten Leute leistbaren Preisen angeboten wird. Das ist super! Meine Kritikpunkte sind, dass Autoren nur ganz wenig Platz für Fußnoten/Anmerkungen bekommen (vieles Wichtige kann somit nicht erklärt werden) und dass die Übersetzungen aus der lateinischen Sprache bisweilen fundamentale Übersetzungsfehler enthalten. Insgesamt ist die Qualität schwankend, manche Reclam-Hefte sind ausgezeichnet, manche eben nicht. Trotzdem stehen für mich die Vorteile dieses Verlags im Vordergrund! Jedenfalls erwarte ich, dass die Beschäftigung eines Regisseurs mit dem zu inszenierenden Stück weit über das Lesen des Reclam-Nachwortes hinausgeht. Nicht selten erwähnen Sänger, dass die Zusammenarbeit mit Regisseuren, die nur aus dem Reclam-Heft inszenieren, mühsam ist (wie will man als Regisseur die Musik adäquat inszenieren, wenn man die Partitur nicht kennt?). Darauf haben sich meine etwas abschätzigen Formulierungen bezogen, nicht auf den Verlag an sich. Das war vielleicht ein Missverständnis.

14. Januar 2019
14:34
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zerbino
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Forumsbeiträge: 59
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1. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
Danke für die Information! Ich nehme an, es handelt sich um diesen Roman: https://cs.wikipedia.org/wiki/Její_pastorkyňa_(román) Ich fürchte, es gibt davon keine deutsche Übersetzung (ich kann zwar ein bisschen Tschechisch, aber noch lange nicht gut genug, um einen Roman zu verstehen). Generell lese ich aber lieber Originaltexte als Reclam-Nachworte.

Aber egal was in diesem Roman steht, er wurde viel später als die Oper verfasst. Aber selbst WENN er früher verfasst worden wäre, wäre ich der Meinung, dass die Oper ein eigenständiges Werk ist, das von sich aus verständlich sein muss und keine Erklärungen benötigt, die aber als Zusatzinformationen interessant sein können. Um wieder die Brücke zum Ausgangsthema zu schlagen: Der historische Andrea Chénier ist nicht ident mit dem Opern-Andrea-Chénier. Es kann natürlich nicht schaden, über die historischen Hintergründe Bescheid zu wissen, aber ich denke, dass die jeweilige Oper keine Erklärungen benötigen sollte, um die Zuhörer zu erreichen und verständlich zu sein.  

Gewiss, gewiss! Aber wozu der Fußtritt gegen den Reclam-Verlag, der eine lange Tradition und viele Meriten hat, u.a. die, enorm preiswert zu sein! Es gibt kaum noch brauchbare Opernführer in Deutschland. Alle sind wegrationalisiert aus irgendwelchen Marketing-Gesichtspunkten. Da sollte man über das Wenige, was es gibt, doch froh sein.

13. Januar 2019
22:19
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
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29. September 2018
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Danke für die Information! Ich nehme an, es handelt sich um diesen Roman: https://cs.wikipedia.org/wiki/Její_pastorkyňa_(román) Ich fürchte, es gibt davon keine deutsche Übersetzung (ich kann zwar ein bisschen Tschechisch, aber noch lange nicht gut genug, um einen Roman zu verstehen). Generell lese ich aber lieber Originaltexte als Reclam-Nachworte.

Aber egal was in diesem Roman steht, er wurde viel später als die Oper verfasst. Aber selbst WENN er früher verfasst worden wäre, wäre ich der Meinung, dass die Oper ein eigenständiges Werk ist, das von sich aus verständlich sein muss und keine Erklärungen benötigt, die aber als Zusatzinformationen interessant sein können. Um wieder die Brücke zum Ausgangsthema zu schlagen: Der historische Andrea Chénier ist nicht ident mit dem Opern-Andrea-Chénier. Es kann natürlich nicht schaden, über die historischen Hintergründe Bescheid zu wissen, aber ich denke, dass die jeweilige Oper keine Erklärungen benötigen sollte, um die Zuhörer zu erreichen und verständlich zu sein.

13. Januar 2019
18:13
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zerbino
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Forumsbeiträge: 59
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1. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
Ich bewundere Ihr Wissen (vielleicht sollte auch ich mehr Reclamhefte lesen), aber offenbar habe ich mich nicht klar ausgedrückt: Nochmals: Es geht mir im Aida-Beispiel nicht um eine genaue zeitliche Einordnung (denn wie gesagt, die historische Geschichte gibt ja nur den Rahmen vor), sondern darum, dass die Aida oft pseudoägyptisch inszeniert wird anstatt historisch korrekt (so wurde es mir zumindest von einem Ägyptologen versichert). Ich lege auf eine historisch korrekte Inszenierung ohnehin keinen Wert, aber nur zur Illustration.

Was die Jenůfa betrifft, habe ich vor ein paar Wochen hier geschrieben:

Konkret: Worum geht es in Jenůfa? Meiner Meinung nach um die Tragödie einer jungen Frau, um die Tragödie einer älteren, scheinbar harten, gläubigen, einsamen, frustrierten Frau, um den Mord an einem neugeborenen Kind und um die Geschichte zweier unterschiedlicher Halbbrüder. DAS macht das Stück aus, es ist meiner Meinung nach egal, ob Jenůfa in Mähren spielt oder in Tirol oder in Afrika, das Ergebnis muss mich insgesamt überzeugen und zum Nachdenken anregen, aber es darf mich nicht langweilen und den Eindruck erwecken, dass der Regisseur damit nichts anzufangen weiß.

Insofern hätte ich nichts gegen eine (kluge und gut gemachte!!!) Versetzung an einen anderen Ort und in eine andere Zeit. Aber jetzt bin ich erstaunt: Ich habe gedacht, die Personenkonstellation der Jenůfa ist ziemlich klar (ungleiche Halbbrüder, von denen einer verhätschelt wird und sich dementsprechend verhält, dazu eine etwas naive junge Frau und eine einsame, von einem harten Leben gezeichnete, alternde Frau). Welche Geheimnisse wurden erst einmal in dem von Ihnen erwähnten Heft publiziert? Bitte um Info!   

Es gibt eine von der Autorin des Theaterstücks Preissová 40 Jahre nach der Uraufführung geschriebenen Roman, der die detaillierte Vorgeschichte berichtet,z.B. die genaue Biographie der Küsterin, ihre Verheiratung und den eigentlichen Grund für den Konflikt zwischen den Brüdern. All das können sie genauer in dem Nachwort des Reclam-Heftchens lesen, das die von Max Brod hergestellte operngerechte Übersetung enthält, über die sich u.a. Franz Kafka und Janacek  selbst sehr positiv geäußert haben. Janacek war des Deutschen durchaus mächtig, liebte als Panslawist die Deutschen jedoch nicht besonders. Das Nachwort enthält zudem einiges  über die Musik, die heute meist gespielte Neufassung von Kovarovic und die wichtigsten CD- und DVD-Aufnahmen. Aus dem Heftchen zitierte vor einiger Zeit die Thalbach anläßlich der kölnischen Aufführung.

12. Januar 2019
18:45
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
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29. September 2018
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Ich bewundere Ihr Wissen (vielleicht sollte auch ich mehr Reclamhefte lesen), aber offenbar habe ich mich nicht klar ausgedrückt: Nochmals: Es geht mir im Aida-Beispiel nicht um eine genaue zeitliche Einordnung (denn wie gesagt, die historische Geschichte gibt ja nur den Rahmen vor), sondern darum, dass die Aida oft pseudoägyptisch inszeniert wird anstatt historisch korrekt (so wurde es mir zumindest von einem Ägyptologen versichert). Ich lege auf eine historisch korrekte Inszenierung ohnehin keinen Wert, aber nur zur Illustration.

Was die Jenůfa betrifft, habe ich vor ein paar Wochen hier geschrieben:

Konkret: Worum geht es in Jenůfa? Meiner Meinung nach um die Tragödie einer jungen Frau, um die Tragödie einer älteren, scheinbar harten, gläubigen, einsamen, frustrierten Frau, um den Mord an einem neugeborenen Kind und um die Geschichte zweier unterschiedlicher Halbbrüder. DAS macht das Stück aus, es ist meiner Meinung nach egal, ob Jenůfa in Mähren spielt oder in Tirol oder in Afrika, das Ergebnis muss mich insgesamt überzeugen und zum Nachdenken anregen, aber es darf mich nicht langweilen und den Eindruck erwecken, dass der Regisseur damit nichts anzufangen weiß.

Insofern hätte ich nichts gegen eine (kluge und gut gemachte!!!) Versetzung an einen anderen Ort und in eine andere Zeit. Aber jetzt bin ich erstaunt: Ich habe gedacht, die Personenkonstellation der Jenůfa ist ziemlich klar (ungleiche Halbbrüder, von denen einer verhätschelt wird und sich dementsprechend verhält, dazu eine etwas naive junge Frau und eine einsame, von einem harten Leben gezeichnete, alternde Frau). Welche Geheimnisse wurden erst einmal in dem von Ihnen erwähnten Heft publiziert? Bitte um Info! 

12. Januar 2019
18:15
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zerbino
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Forumsbeiträge: 59
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1. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
@41 Danke für den Bericht! Vielleicht hätte ich ja gestern doch nochmals gehen sollen, schon allein um die Vorstellung ungestört zu erleben..? Ich habe den Eindruck, dass sie bei Ihren Bewertungen von Sängern oft die Biographie und das Alter eines Sängers einbeziehen. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, aber so erkläre ich mir, wieso wir bezüglich Domingo, Kunde etc. nicht übereinstimmen. Mir ist es egal, wie alt/jung ein Sänger ist, die Leistung muss passen. Sie scheinen mir den knapp 65jährigen Kunde milder zu beurteilen als einen beliebigen 45jährigen Tenor in derselben Rolle. Aber das macht ja nichts, jeder hat einen individuellen Zugang!

@42 Da bin ich zwiegespalten. Auch wenn zahlreiche Opern auf historische Ereignisse rekurrieren, sind sie ja keine Darstellung der Geschichte. Die historischen Ereignisse sind in Oper ja immer Nebensache und geben den Geschichten lediglich einen historischen Rahmen. Andrea Chénier könnte im wesentlichen in jeder anderen Zeit spielen (man denke an die Ustascha oder an die RAF), die Geschichte kann zwar, muss aber nicht notwendigerweise zur Zeit der französischen Revolution angesiedelt sein. Deshalb habe ich nichts dagegen, wenn der Regisseur die Handlung in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort verlegt. Ich gebe Ihnen zwar recht, dass ein Regisseur mit den Hintergründen der von ihm inszenierten Oper soweit firm sein muss, dass er Alvaro für einen Inka hält (und was zu lernen und den Horizont zu erweitern schaden sowieso nie!), aber fragen Sie mal einen Ägyptologen, was er von den meisten Inszenierungen des Triumphmarsches in Aida hält...  

Sie werden lachen, aber gerade die Aida läßt sich historisch genau bestimmen. Sie geht auf eine Erzählung des Ägyptologen Mariette zurück und ist in der Zeit von Ramses III. angesiedelt, worauf auch die ursprünglich von dem Librettisten geplanten Decors hinweisen. Der Konflikt basiert auf der Auseinandersetzung des Pharaos mit den südlichen Völkern in Schwarzafrika. - Der Verlag Sonzogno hatte für die Redaktion von Opernlibretti sog. tele ausgegeben, also opernfähige Geschichten. Darunter die Tosca und eben auch den Andrea Chénier in seiner romanhaften Form. All das kann man wunderbar in den zweisprachigen Reclam-Heftchen nachlesen, die zumindest in Wien gut verbreitet sind. Die Jenufa hat leider beim Verlag z.Zt. eine Ausgabesperre, die keiner recht versteht, weil da zum ersten und einzigen Mal genau erklärt wird, wie der Personenstand ist und was die Personen miteinander zutun haben. Die Jenufa wollen Sie sicher nicht in andere Zeiten und Bezüge versetzen. 

12. Januar 2019
15:19
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
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29. September 2018
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@41 Danke für den Bericht! Vielleicht hätte ich ja gestern doch nochmals gehen sollen, schon allein um die Vorstellung ungestört zu erleben..? Ich habe den Eindruck, dass sie bei Ihren Bewertungen von Sängern oft die Biographie und das Alter eines Sängers einbeziehen. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, aber so erkläre ich mir, wieso wir bezüglich Domingo, Kunde etc. nicht übereinstimmen. Mir ist es egal, wie alt/jung ein Sänger ist, die Leistung muss passen. Sie scheinen mir den knapp 65jährigen Kunde milder zu beurteilen als einen beliebigen 45jährigen Tenor in derselben Rolle. Aber das macht ja nichts, jeder hat einen individuellen Zugang!

@42 Da bin ich zwiegespalten. Auch wenn zahlreiche Opern auf historische Ereignisse rekurrieren, sind sie ja keine Darstellung der Geschichte. Die historischen Ereignisse sind in Oper ja immer Nebensache und geben den Geschichten lediglich einen historischen Rahmen. Andrea Chénier könnte im wesentlichen in jeder anderen Zeit spielen (man denke an die Ustascha oder an die RAF), die Geschichte kann zwar, muss aber nicht notwendigerweise zur Zeit der französischen Revolution angesiedelt sein. Deshalb habe ich nichts dagegen, wenn der Regisseur die Handlung in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort verlegt. Ich gebe Ihnen zwar recht, dass ein Regisseur mit den Hintergründen der von ihm inszenierten Oper soweit firm sein muss, dass er Alvaro für einen Inka hält (und was zu lernen und den Horizont zu erweitern schaden sowieso nie!), aber fragen Sie mal einen Ägyptologen, was er von den meisten Inszenierungen des Triumphmarsches in Aida hält...

12. Januar 2019
13:12
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zerbino
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Forumsbeiträge: 59
Mitglied seit:
1. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt

Danke für die Information! Offenbar teilt er das Schicksal anderer "Einspringer vom Dienst" (zum Beispiel mit Ikia-Purdy, der dann regelmäßig den Grant derer kassiert hat, die ob der Absage sauer waren. Aber da kann ja der Einspringer nix dafür! Oder was war am Ikaia-Purdy so schlecht?).

zerbino sagt
Zu der psychologischen Durchdringung der Personenkonstellation muss man bedenken, das der reale Chénier mit dem dem Opern-Libretto zugrundliegenden Feuileton-Roman wenig zu tun hatte. Die Liebe ist ebenso erfunden wie die Gestalt des Gérard mit seiner den Idealen der frz. Revolution widersprechenden menschlichen Wandlung. Außerdem gibt es in dem Libretto einige ganz konkrete historische Fehler, die die Geschichte etwas ad absurdum führen, aber offenbar noch kaum erkannt worden sind, zumindestens nicht in der ausführlichen Dokumentation der Bayrischen StO   

Ja, soweit ich das beurteilen kann, stimmt das. Aber ich verstehe nicht, wieso man die (soweit möglich rekonstruierbaren) historischen Ereignisse angesichts der Personenkonstellation in der Oper bedenken muss. Das eine hat doch mit dem anderen nur wenig zu tun. Die Oper ist ja - obwohl am Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelt - nicht die Geschichte.

HansLick2 sagt
@ 36 gurnemanz - chenier - shicoff - aufnahme. hat der den auch gesungen? wenn ja, mein rat direkt anschreiben oder das management in münchen!  

Laut meiner kurzen Recherche hat er. Danke für den Tipp!  

Die historischen Quellen einer Oper erachte ich doch als sehr wichtig. Sie führen auch über die banalen allgemeinmenschlichen  Beziehungsgeflechte in der Oper zu einem Bildungserlebnis für den Hörer und bitte auch für den Regisseur, der sonst alles mit unseren heutigen Selbstverständlichkeiten vermengt und oberflächliche Emotionen erzeugt. Gerade wird die Forza del destino wieder viel gespielt. In einer Rezension dazu las ich, man habe einige Azteken mit auf die Bühne gestellt, denn Alvaro sei ja ein Halbblut. Nein, Alvaro ist allenfalls ein Mestize aus spanischer Sicht; er ist ein stolzer Inca, der mit den Idealen seines untergegangenen Volkes verquickt ist. Daran schließt sich ein Nachdenken über die Inca-Bewegung, die gerade heute wieder virulent ist etc., jedenfalls ein Nachdenken über unseren Horizont von alltäglichen Selbstverständlichkeiten hinaus und ein Blick in die bei uns weithin unbekannte spanische Literatur, der die Quelle der Oper entstammt.

12. Januar 2019
11:46
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Chenier
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28. Februar 2018
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Vorweg, der Chenier am 11. war ein gelungener Abend.

Eine Römische I verdient das Publikum. Hinter mir eine Russenfamilie mit 2 Kindern, fast daneben eine schnatternde Gruppe junger Chinesinnen, ich ahnte Böses, aber es war während der Vorstellung so ruhig wie schon lange nicht mehr, fast wie beim Parsifal, kaum Huster oder Räusperer, kein Geraschel etc. Ein Genuss, kein Ärger, Respekt!

Einen Einser mit kleinen Einschränkungen verdienen Chaslin und die Philharmoniker, die die instrumentalen Feinheiten der Partitur ganz wunderbar herausgearbeitet haben, manchmal vielleicht ein wenig zu laut, Tschinello lässt grüßen, und natürlich die Chöre.

Ebenfalls eine glatte 1 Salsi, der etwas Zeit benötigte, um in die Partie zu finden, aber dann vor allem "seinen" Akt ganz vorzüglich gesungen hat und bei "Nemico della Patria" schon fast an große Vorbilder wie Cappuccilli erinnert hat.

Einen Zweier für Kunde, der gelegentlich etwas unsauber gesungen und Töne verschluckt hat, aber insgesamt höchste Anerkennung verdient. Er hat sich nichts geschenkt, ist bis zum Schluss an Grenzen gegangen und wie ein fast 65-Jähriger so attackieren und Höhen zustande bringen kann, ist beeindruckend, chapeau.

Nicht ganz so überzeugend Serjan, eine 3 würde ich meinen, die mit viel Technik und Metall, aber wenig Gefühl und zu viel Kraft an die Partie herangeht und sie fast wie eine Lady Macbeth singt, "Mama morta" war zum Teil ein wenig gebrüllt.

Von den kleineren Partien waren Bankl und Boaz Daniel ausgezeichnet, Speedo-Green hat es wieder einmal geschafft, mit der mikrobischen Rolle des Schmidt einen schlechten Eindruck zu hinterlassen.

Fazit: Keine Gala, aber ein sehr interessanter und guter Repertoireabend und der Verriss der ersten Vorstellung ist für mich in keiner Weise nachvollziehbar, es sei denn, die Tagesform war völlig anders.

11. Januar 2019
20:06
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Chenier sagt
Damals waren natürlich alle enttäuscht, dass der Murgu für den Domingo eingesprungen ist, aber der Rumäne hat sich dann als ordentlicher Sänger herausgestellt und bekam auch die entsprechende Akzeptanz. Eine Zeit lang ist er durch den Opernzirkus getingelt, aber dann bald von der Bühne verschwunden, ohne einen wirklichen Durchbruch zu schaffen. Schade eigentlich, wirklich gutes Material.

Heute ist er, glaube ich, nach wie vor Operndirektor in Temesvar.  

Danke für die Information! Offenbar teilt er das Schicksal anderer "Einspringer vom Dienst" (zum Beispiel mit Ikia-Purdy, der dann regelmäßig den Grant derer kassiert hat, die ob der Absage sauer waren. Aber da kann ja der Einspringer nix dafür! Oder was war am Ikaia-Purdy so schlecht?).

zerbino sagt
Zu der psychologischen Durchdringung der Personenkonstellation muss man bedenken, das der reale Chénier mit dem dem Opern-Libretto zugrundliegenden Feuileton-Roman wenig zu tun hatte. Die Liebe ist ebenso erfunden wie die Gestalt des Gérard mit seiner den Idealen der frz. Revolution widersprechenden menschlichen Wandlung. Außerdem gibt es in dem Libretto einige ganz konkrete historische Fehler, die die Geschichte etwas ad absurdum führen, aber offenbar noch kaum erkannt worden sind, zumindestens nicht in der ausführlichen Dokumentation der Bayrischen StO   

Ja, soweit ich das beurteilen kann, stimmt das. Aber ich verstehe nicht, wieso man die (soweit möglich rekonstruierbaren) historischen Ereignisse angesichts der Personenkonstellation in der Oper bedenken muss. Das eine hat doch mit dem anderen nur wenig zu tun. Die Oper ist ja - obwohl am Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelt - nicht die Geschichte.

HansLick2 sagt
@ 36 gurnemanz - chenier - shicoff - aufnahme. hat der den auch gesungen? wenn ja, mein rat direkt anschreiben oder das management in münchen!  

Laut meiner kurzen Recherche hat er. Danke für den Tipp!

11. Januar 2019
15:48
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HansLick2
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Forumsbeiträge: 224
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14. März 2018
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@ 36 gurnemanz - chenier - shicoff - aufnahme. hat der den auch gesungen? wenn ja, mein rat direkt anschreiben oder das management in münchen!

11. Januar 2019
13:43
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zerbino
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1. März 2018
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Gurnemanz sagt
Danke für die zahlreichen Namen! Ich muss gestehen, dass mir Corneliu Murgu nicht einmal dem Namen nach bekannt war. Ich habe mir Ausschnitte seines Andrea Chénier auf Youtube angehört: Ich finde, er singt imposant und soweit ich es höre, auch richtig, aber für mich klingt es zu hart und brutal (dagegen ist Mario del Monaco direkt kulinarisch), als dass ich es mich auf einer Aufnahme begeistern könnte. Aber ich hätte ihn wohl life hören müssen. Ich kann mir vorstellen, dass es live eine viel bessere Wirkung gehabt hat.
Kaufmann 2018 in Wien habe ich ausgelassen, aber das wenige, was ich jetzt auf Youtube gehört habe, sagt mir überhaupt nicht zu (geknödelt, gepresst, abgedunkelt).
Domingo klingt auf den Aufnahmen da wirklich super! Schade, dass er jetzt sein Denkmal ruiniert. Botha gefällt mir aber auch im eben durchgeführten Aufnahmen-Vergleich noch immer sehr gut!
Frage an die Experten: Gibt es von Shicoffs Andrea Chénier eine Aufnahme? Die würde mich nämlich interessieren.

Andrea Chénier ist natürlich ein Stück, das nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Wichtiger als die konkreten historischen Zeitumstände scheint mir aber das, was zwischen den Personen vorgeht. Andrea Chénier eckt ja wohl deshalb an, weil er nicht angepasst ist und sich nicht eindeutig zu einer politischen Seite bekennt (man macht sich ja nicht beliebt, wenn man immer sagt: "Also die Freiheit hab ich mir anders vorgestellt"). Dass Gérard und er an derselben Frau Interesse haben, ist halt Pech. Aber da spielt sich ja noch mehr zwischen den Hauptfiguren ab (auch manche Nebenfiguren wie Bersi oder Madelon finde ich interessant).
Insofern würde mich auch eine Inszenierung interessieren, die genau herausarbeitet, was in und zwischen den Figuren vorgeht. Aber dennoch bin ich mit unserer alten Schenk-Produktion zufrieden, weil sie meiner Meinung nach das Stück nicht stört und in passendem Rahmen ablaufen lässt. Ist doch schon etwas! Außerdem würde sich im Repertoire eine exzellente Personenführung wohl leider bald abschleifen. Also wäre es nicht das Schlechteste, den Schenk-Chénier zu behalten...  

Murgu war hier in Bonn die Alternsativbesetzung zu Carreras, und man merkte jedes Mal, wie er von Carreras unmittelbar in der Interpretation profitiert hatte. Ich war damals an der Inszenierung etwas beteiligt und konnte das unmittelbar beurteilen.

Zu der psychologischen Durchdringung der Personenkonstellation muss man bedenken, das der reale Chénier mit dem dem Opern-Libretto zugrundliegenden Feuileton-Roman wenig zu tun hatte. Die Liebe ist ebenso erfunden wie die Gestalt des Gérard mit seiner den Idealen der frz. Revolution widersprechenden menschlichen Wandlung. Außerdem gibt es in dem Libretto einige ganz konkrete historische Fehler, die die Geschichte etwas ad absurdum führen, aber offenbar noch kaum erkannt worden sind, zumindestens nicht in der ausführlichen Dokumentation der Bayrischen StO 

11. Januar 2019
9:22
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Chenier
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28. Februar 2018
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Damals waren natürlich alle enttäuscht, dass der Murgu für den Domingo eingesprungen ist, aber der Rumäne hat sich dann als ordentlicher Sänger herausgestellt und bekam auch die entsprechende Akzeptanz. Eine Zeit lang ist er durch den Opernzirkus getingelt, aber dann bald von der Bühne verschwunden, ohne einen wirklichen Durchbruch zu schaffen. Schade eigentlich, wirklich gutes Material.

Heute ist er, glaube ich, nach wie vor Operndirektor in Temesvar.

11. Januar 2019
1:12
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke für die zahlreichen Namen! Ich muss gestehen, dass mir Corneliu Murgu nicht einmal dem Namen nach bekannt war. Ich habe mir Ausschnitte seines Andrea Chénier auf Youtube angehört: Ich finde, er singt imposant und soweit ich es höre, auch richtig, aber für mich klingt es zu hart und brutal (dagegen ist Mario del Monaco direkt kulinarisch), als dass ich es mich auf einer Aufnahme begeistern könnte. Aber ich hätte ihn wohl life hören müssen. Ich kann mir vorstellen, dass es live eine viel bessere Wirkung gehabt hat.
Kaufmann 2018 in Wien habe ich ausgelassen, aber das wenige, was ich jetzt auf Youtube gehört habe, sagt mir überhaupt nicht zu (geknödelt, gepresst, abgedunkelt).
Domingo klingt auf den Aufnahmen da wirklich super! Schade, dass er jetzt sein Denkmal ruiniert. Botha gefällt mir aber auch im eben durchgeführten Aufnahmen-Vergleich noch immer sehr gut!
Frage an die Experten: Gibt es von Shicoffs Andrea Chénier eine Aufnahme? Die würde mich nämlich interessieren.

Andrea Chénier ist natürlich ein Stück, das nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Wichtiger als die konkreten historischen Zeitumstände scheint mir aber das, was zwischen den Personen vorgeht. Andrea Chénier eckt ja wohl deshalb an, weil er nicht angepasst ist und sich nicht eindeutig zu einer politischen Seite bekennt (man macht sich ja nicht beliebt, wenn man immer sagt: "Also die Freiheit hab ich mir anders vorgestellt"). Dass Gérard und er an derselben Frau Interesse haben, ist halt Pech. Aber da spielt sich ja noch mehr zwischen den Hauptfiguren ab (auch manche Nebenfiguren wie Bersi oder Madelon finde ich interessant).
Insofern würde mich auch eine Inszenierung interessieren, die genau herausarbeitet, was in und zwischen den Figuren vorgeht. Aber dennoch bin ich mit unserer alten Schenk-Produktion zufrieden, weil sie meiner Meinung nach das Stück nicht stört und in passendem Rahmen ablaufen lässt. Ist doch schon etwas! Außerdem würde sich im Repertoire eine exzellente Personenführung wohl leider bald abschleifen. Also wäre es nicht das Schlechteste, den Schenk-Chénier zu behalten...

10. Januar 2019
20:19
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UwePaul
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Das der Chenier Ihre Lieblingsoper ist :-))))))))))

10. Januar 2019
20:10
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Chenier
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28. Februar 2018
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Welche Idee, UwePaul, stehe auf der Leitung.

10. Januar 2019
18:59
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UwePaul
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier, auf die Idee wäre ich nieeee gekommen :-))

zu Kaufmann stimme ich Ihnen zu, war aber wirklich sehr gewöhnungsbedürftig, wie er da sang. Kann natürlich nicht beurteilen, wie es in anderen Aufführungen war

10. Januar 2019
18:30
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Chenier
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Nicht nur in Wien, zerbino, die Fülle ergibt sich auch aus alternativen Schauplätzen: Met, Scala, Zürich, Fenice, Pressburg, Verona, wenn ich nichts vergessen habe.

10. Januar 2019
18:18
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prof.ON-DO
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19. November 2018
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Nur um das klarzustellen- das war Ironie !

SELBSTVERSTÄNDLICH ist das eine hochaktuelle Oper und Gurnemanz sei gepriesen ob seiner Anregung!!!!!!!!!

10. Januar 2019
18:08
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zerbino
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1. März 2018
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prof.ON-DO sagt
Hallo, Gurnemanz !

Im Chenier geht es um extremen sozialen Umbruch und das Scheitern des Individuums GENAU DARAN !- kann mir nicht vorstellen, dass das Heute noch relevant sein könnte, ODER ?  

Gerade das erlebt man sogar heutzutage und in unserem Land, was ich immer noch schwer glauben kann. Da bricht die DDR zusammen und viele Individuen scheitern daran, auch in meiner Familie; aber eine, die eine hunderprozentige Verfechterin war, findet umgehend einen  Posten in der Regierung des einstigen Klassenfeindes. Diese Oper harrt der Ausführung! 

Aber etwas anderes. Ich beneide Leute aus Wien, die eine solche Fülle von Chéniers gehört haben. Dabei war die Oper eine Zeitlang vom Spielplan verschwunden. In Berlin habe ich sie früher jedenfalls nicht hören können. Seit Helge Roswaenge wurde sie auch im Osten m.W. nie gespielt, trotz ihres revolutionären Potenzials. In der Nazizeit wurde sie m.W. nur an der StO Berlin einmal gespielt, und dann aus politischen Gründen abgesetzt, auch weil man meinte, Umberto Giordano sei Jude gewesen (er hat ja auch die Jüdin Spatz geheiratet, die Tochter eines berühmten Hotelbesitzers). - Zur Interpretation der Rollen muss man sagen, dass man sehr genau artikulieren muss; und da erscheint mir von den Moderneren Carreras und Zancanaro am besten.

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