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Festungsarena Kufstein: GRÄFIN MARIZA

18.08.2012 | Oper

Festungsarena Kufstein:
GRÄFIN MARIZA
16. August 2012

Sommer in Österreich ist gleichbedeutend mit einer Vielzahl mehr oder weniger qualitativ hochstehender Festspiele. Neben dem Mekka der Operette (Eigendefinition) im burgenländischen Mörbisch hat sich seit einigen Jahren in der Festungsarena von Kufstein ein veritabler Gegenpol entwickelt. Unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Berger, dem ehemaligen Direktor der Volksoper, hat sich seit 2007 der „Operettensommer Kufstein“ als ein über die Grenzen Tirols strahlender Fixstern am Operettenhimmel etabliert. Im sechsten Jahr steht heuer Emerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ in der Regie von Diethmar Straßer am Programm.

Eine Freiluftaufführung vor einem nicht unbedingt operettenaffinen Publikum bedeutet für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung. Die überdachte Festungsarena garantiert zwar Wettersicherheit, die bühnen- und beleuchtungstechnischen Möglichkeiten sind aber deutlich eingeschränkt. Diese Rahmenbedingungen versuchen Ina Reuter (Bühne) und Alexander Paget (Licht) bestmöglich zu nutzen, dem mit wenigen Versatzstücken (teilbares Sofa – ein schwedisches Möbelhaus grüßt) aufgelockerten Einheitsbühnenbild fehlt dennoch jeder pseudoungarischer Paprikacharme. Positiv formuliert würde man sagen, dass die Bühne funktional ist und Ballett, Chor und Solisten jeden möglichen Raum bietet. Und auch die Kostüme (Ursula Lidy) haben wenig ungarisches Flair, sondern zitieren vor allem bei den Damen den Modestil der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Dazu passt als Tanzeinlage vor und nach der Pause „Fräulein, bitte, woll´n Sie Shimmy tanzen“ aus „Die Herzogin von Chicago“.

Für die Regie zeichnet Diethmar Straßer verantwortlich, der in Kufstein schon mehrmals gearbeitet hat und seine SängerInnen vor allem in der Volksoper gefunden hat. Dem 30er Jahre Ambiente entspricht auch seine Inszenierung – weniger klassische Operette, mehr musikalische Revue. So kommt auch immer wieder das Gefühl auf, dass eigentlich das Ballett (Europaballett St.Pölten; Leitung Michael Fichtenbaum) im Zentrum steht. Die Publikumsreaktionen beweisen, dass Straßer damit den Geschmack des Auditoriums getroffen hat.

Leider nicht wirklich beurteilen kann ich auf Grund der schlecht ausgesteuerten (?) Tonanlage die musikalische Seite des Abends. Die Stimmen der Solisten klangen immer wieder gekünstelt, einzelne Instrumente des Orchesters dominierten zu sehr. Mehrzad Montazeri konnte als Tassilo das Publikum und seine Mariza für sich gewinnen, Julia Koci gab eine rollengerecht sprunghafte Titelheldin, das zweite Paar Lisa und Kolomán Czupán (einzig er als Operettenungar kostümiert) lag bei Renée Schüttengruber und Jeffrey Treganza in guten Händen und Kehlen, Andreas Daum war ein zu sehr sächselnder Fürst Populescu, Christiane Marie Riedl gab der als Pierrot verkleideten Manja das notwendige Profil. Zwei eigentliche Nebenrollen setzten Wolfgang Gratschmaier und Gerald Pichowetz ins Zentrum der Aufführung; als Fürstin Bozena und ihr Kammerdiener Penizek schossen sie ein wahres Feuerwerk an Pointen ab und rissen das Publikum immer wieder zu Lach- und Beifallssalven hin.

Chor und Orchester der Nationaloper Timisoara (wären heimische Ensembles zu teuer gewesen ?) sangen und spielten mit Begeisterung, Ernst Theis leitete routiniert den Abend.

Michael Koling  

 

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