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FELIX MENDELSSOHN: DIE 5 SYMPHONIEN UND 13 STREICHERSYMPHONIEN / Masur

08.08.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0190295974909 FELIX MENDELSSOHN: DIE 5 SYMPHONIEN UND 13 STREICHERSYMPHONIEN / WARNER 6 CDs; Gewandhausorchester Leipzig – Kurt Masur, Concerto KölnVÖ: 19.8. 

Warner Classics hat aus seinem Backkatalog die besten Interpretationen der 5 Symphonien und 13 Streichersymphonien ausgegraben und in einer preisgünstigen Box gebündelt. Eine gute Idee. Damit liegt – neben der Edition von BIS – das gesamte symphonische Werk Mendelssohns in einer weiteren empfehlenswerten Sammlung vor. Die Aufnahmen mit dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur sind ja bestens bekannt. Klassisch im besten Sinn, sorgt Masur für einen duftigen Klang, wohl austarierte innere Proportionen und jenes temporeiche feenhafte verschmitzte Element, das der frühen Sturm und Drang Symphonie Nr. 1 genauso zu eigen ist, wie den späteren programmatischeren Werken. Dass Mendelssohn in der Schottischen lokale Rhythmen eingebaut hat und auch in der italienischen mit einem Saltarello für Lokalkolorit sorgte, ändert nichts an des Komponisten alter Feindschaft Volksmusik gegenüber: „Nur keinen Nationalmusik! Zehntausend Teufel sollen doch alles Volkstum holen. Da bin ich hier in Welschland und ,o wie schön, ein Harfenist sitzt auf dem Flur jedes Wirtshauses von Ruf und spielt in einem fort sogenannte Volksmelodien; d.h. infames, gemeines, falsches Zeug, zu gleicher Zeit dudelt eben ein Leierkasten auch Melodien ab, zum Tollwerden ist es, Zahnschmerzen habe ich leider davon.“ Gar nicht auszudenken, wie Mendelssohn heute über die allgegenwärtige Werberieselmusik wettern würde.

Das Leipziger Gewandhausorchester ist absolut fabulous und wegen der hellen Klanggrundierung und der hohen Transparenz innerhalb der Instrumentengruppen besonders gut für die delikaten symphonischen Strukturen Mendelssohns geeignet. So viel Lob gibt es gar nicht, das die Streicher und das Holz dieses phänomenalen Klangkörpers verdienen würden. Die vokalen Leistungen der Solisten Barbara Bonney, Edith Wiens, Peter Schreier und des Rundfunkchors Leipzig im „Lobgesang“ sind untadelig. Das Werk wurde am 25. Juni in der Thomaskirche in Leipzig uraufgeführt aus Anlass des 400. Jahrestages der Erfindung des Buchdrucks durch Johann Gutenberg. Also bringt Leipzig auch ein wenig das Flair des Authentischen ein. Leider genügt die technische Qualität nicht mehr höchsten audiophilen Standards, der Klang ist bisweilen dumpf und basslastig.

Gekoppelt sind die reifen fünf Symphonien mit den 13 Streichersymphonien des jugendlichen Tausendsassas und Wunderkindes Felix. Für seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter komponierte der Zwölfjährige seine ersten sechs Streichersymphonien 1821. Barocker Kontrapunkt und Anklänge an Rokoko belegen, wie geschickt Mendelssohn alles über Bach (JS und CPE), Mozart und Haydn absorbierte und in eine eigene Form goss. Das OriginalklangensembleConcerto Köln bringt den rauheren Ton mit, der aber ganz vorzüglich zu den vehementeren, jugendlich überschwänglichen Kompositionen passt. Seien es Ferienreminiszenzen an die Schweizer Alpen oder visionär auf Tchaikovskys Streicherserenaden zielende Passagen, das Concerto Köln wandelt die Partituren in lebendigen Klang. Die versunkene Welt des gestern dringt so frisch und modern ans Ohr, als dürfte der Hörer einer Zeitreise folgen, die im Hier ihren glücklichen Ausgang nimmt. Auch technisch genügen die 1993-1996 entstandenen Aufnahmen hohen Ansprüchen. Großartig!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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