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FAST VERHEIRATET

10.07.2012 | FILM/TV

Ab 13. Juli 2012 in den österreichischen Kinos
FAST VERHEIRATET
The Five-Year Engagement / USA / 2012
Regie: Nicholas Stoller
Mit: Emily Blunt, Jason Segel, Rhys Ifans u.a.

Die Psychoanalyse wurde in Wien erfunden, aber wie es oft so ging mit unseren Erfindungen, haben wir nichts Rechtes daraus gemacht. Was hingegen wäre Amerika ohne Psychiater? Damit kein Missverständnis entsteht: In diesem Film kommt keiner in seiner Eigenschaft als „Shrink“ vor, der die Personen auf die Couch legen würde. Aber so gut wie alle Protagonisten gehen der amerikanischen Gewohnheit nach, sich selbst und andere grenzenlos zu analysieren. Sie fragen sich dauernd, warum sie etwas tun oder nicht tun, dass vor lauter Fragen keine Zeit mehr für das Leben zu bleiben scheint. Das schleppt sich hier – für die Figuren im Film und für den Zuschauer – ganz gewaltig mühsam dahin.

Also: Violet, ihres Zeichens von Beruf Psychologin (also doch), und Tom, der sich stets als „Chef“ bezeichnet, wie sich Köche in gehobener Position wohl nennen dürfen, leben im sonnigen San Francisco  (man sieht die einladende Golden Gate Brücke des öfteren) und wollen heiraten. Dass Menschen durch Jobs auseinanderdriften oder einander heftige Probleme bereiten, ist ein höchst realistischer Ausgangspunkt und setzt das Problem fest: Sie würde einen Job an der Universität von Michigan bekommen – ja, ganz kalter Mittlerer Westen der USA -, er hat eine Superstellung daheim. Was tun? Er geht mit ihr, und das ist ehrenvoll, die Emanzen werden zustimmend nicken, ja, warum soll die Frau immer zurückstecken? Dass es für ihn dort keinen „Chef“-Küchenjob gibt, sondern nur eine lächerliche Tätigkeit in einem jüdischen Delikatessenladen, ist nicht gut (obwohl er zumindest Jude ist). Sie integriert sich an der Uni und wird prompt von ihrem Chef angebaggert… (Ja, das amerikanische Uni-Leben wird auch veräppelt, besonders ein Team von Psychoanalytikern und ihre „Versuche“ an lebenden Menschen.)

Zur Hochzeit von Violet und Tom kommt es nicht, weil man sie doch besser verschiebt, bis… bis was? Die Dinge bessern sich nicht, werden eher schlimmer, noch dazu bei zwei so problematischen Geschöpfen wie unserem Pärchen. Freilich, schlichte Gemüter haben es leichter – wie ihre Schwester, die auf Anhieb mit seinem Freund schläft, schwanger wird, heiratet, „Familienglück“ spielt. Dabei sind die beiden allerdings von nervtötender Dummheit, und der Film spielt das bis zur Schmerzlichkeit (für das Publikum nämlich) aus.

Dumm und töricht sind unsere Helden glücklicherweise nicht, sonst hielte man die Geschichte schwerlich aus. Nur weil sie sozusagen Ausnahmemenschen in der amerikanischen Durchschnittssuppe darstellen, hat der Film seinen marginalen Wert. Und weil die wirklich originelle und so angenehm sympathische Britin Emily Blunt und der bullige Jason Segel (der gerne Drehbücher schreibt, aber schon bessere erdacht hat als dieses) keine dieser unerträglichen Hollywood-Kunstgeschöpfe sind, sondern ganz normale und noch dazu liebenswerte Komplexler, hält man durch.

Ja, es gibt noch eine Pointe: Wenn Tom ganz wütend Violets Professor-Verehrer verfolgt – es ist wieder einmal Rhys Ifans, der wirklich Karriere gemacht hat -, springt dieser regelrecht Mauern entlang, und man erkennt die Pointe: Genau so bewegt er (Rhys Ifans nämlich) sich, wenn er im „Amazing Spiderman“ als verwandelter Lizard agiert… Kapiert aber nur derjenige, der den anderen Film gerade gesehen hat.

Am Ende wird dann auf der Stelle geheiratet, und da erst gewinnt die von Nicholas Stoller so zäh inszenierte Komödie Witz: Denn es ist ja auch eine Satire auf das unglaubliche Theater, das man in den USA (und nicht nur dort) rund um Hochzeiten veranstaltet, wo jedes Detail ausführlich und kostspielig entschieden werden muss. Hier zeigt man ihnen ein paar Musiker, Welcher?, hier stehen Priester, Rabbi, buddhistischer Mönch, Standesbeamter, Welcher? nebeneinander, und in affenartiger Geschwindigkeit werden die beiden ein Paar. Die Period of Adjustment haben sie dann (wir erleben sie gut fünf mühevolle Jahre lang und mehr) ja glücklicherweise hinter sich…

Renate Wagner

 

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