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EX MACHINA

21.04.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Ex MACHINA~1

Ab 23. April 2015 in den österreichischen Kinos
EX MACHINA
GB  /  2015
Drehbuch und Regie: Alex Garland
Mit: Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander u.a.

Die geheimnisvollen Millionäre mit ihren ebenso geheimnisvollen, abgeschotteten Residenzen irgendwo am Ende der Welt… ein klassisches Element des Spannungskinos. Das Thema – Gott, wie uns das unter den Fingern brennt – mysteriös, geheimnisvoll, beunruhigend: Kann man aus Robotern Menschen machen? Immerhin, so intelligent und dabei prachtvoll irritierend wie in diesem Film hat man es selten aufbereitet gesehen.

Domhnall Gleeson, der Sohn des großen Brendan Gleeson, vom Vater voll mit dem geballten Talent ausgestattet, spielt Caleb, einen jener genialen jungen Programmierer, die in einer Riesenfirma tätig sind. „Blue Book“, der Weltgigant, gehört dem undurchsichtigen Nathan, den niemand je zu Gesicht bekommt. Aber von Zeit zu Zeit wird ein besonders begabtes Mitglied der Crew, das einen firmeninternen Wettbewerb gewonnen hat, auserwählt, ein Wochenende bei Nathan in dessen fernen, fernen Palast zu verbringen – von einem Hubschrauber im Nirgendwo prachtvoller Natur abgesetzt, von wo man sich (erste Prüfung) den Weg dorthin erwandern muss.

Ex Machina die Männer x

Nathan ist nun ganz anders, als man sich die heutigen Yuppie-Millionäre vorstellt: Oscar Isaac, nach und nach mehr in Hauptrollen zu sehen, ein hoch interessanter Typ, steht da im Unterhemd mit gewaltigem Bart da, als sei er der radikale Iman der nächstliegenden Moschee. Seltsam. Und er hat auch eine seltsame Aufgabe für Caleb: Er soll mit einer Testreihe, konkret, dem Turing-Fest (wir erinnern uns, Alan Turing, Enigma, kürzlich als Benedict Cumberbatch in  „The Imitation Game“ im Kino) feststellen, wie weit es gelungen ist, den von Nathan entworfenen weiblichen Robotern selbständiges Denken (und am Ende auch Fühlen) einzupflanzen.

Ex Machina xx

Ist Ava menschlich, oder, genauer gesagt: Ist sie im Geist schon ein Mensch (wenn auch noch ohne glaubhaften Körper)? Die Schwedin Alicia Vikander (in der letzten „Struensee“-Verfilmung mit Mads Mikkelsen spielte sie höchst überzeugend die Königin Caroline) leistet da einiges, ist sie doch lange Zeit nur ein Schemen-Gesicht über einem Stahlkörper. Aber wie sie mit Caleb spricht, kommuniziert, wie sie Widerstand gegen Nathan entwickelt, Selbstbestimmung verlangt, wie sie schließlich Caleb mit Gefühlen auf ihre Seite zu bringen sucht – das ist, schlicht gesagt, ganz manipulativ-weiblich…Und dabei besteht sie nur aus menschlich aussehenden Bestandteilen, die da wie im Warenhaus herumliegen und montiert werden können…

Es ist geradezu meisterlich, wie Regisseur Alex Garland hier sein eigenes Drehbuch (der Mann war ja ursprünglich Schriftsteller) nicht nur zu einem echten Psychothriller verdichtet, wobei die Dreiecksgeschichte am Ende noch in einigen Pointen geradezu explodiert, sondern wie er dabei nie vergisst, worüber hier eigentlich nachgedacht wird. Eine Sci-Fi-Welt, so stylisch wie philosophisch.

Übrigens – ein Film, der uns nie erreicht hat, „Vice“ mit Bruce Willis, denkt das Thema noch einmal weiter: Was werden die Echt-Menschen mit den Kunstmenschen, die von ihnen äußerlich nicht zu unterscheiden sind (außer eben „ein Automat“, den man richten, aber nicht wirklich „töten“ kann), dann alles anstellen…

Also: Das Thema läuft zwar Gefahr, bald ein wenig ausgelutscht zu sein, aber hier ist es noch einmal höchst sehenswert und wirklich prickelnd spannend behandelt.

Renate Wagner

 

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