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ESCOBAR: PARADISE LOST

07.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Escobar~1

Ab 10. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
ESCOBAR: PARADISE LOST
Spanien, Frankreich  /  2014 
Regie: Andrea Di Stefano
Mit: Benicio del Toro, Josh Hutcherson, Brady Corbet, Claudia Traisac u.a.

Es gibt Länder, in denen man – so schön sie sein mögen – besser nicht Urlaub macht. Nun ja, vielleicht sind die Kanadier noch naiver als die Amerikaner. Jedenfalls wollen Nick (Josh Hutcherson, den man trotz seiner Naivität mag) und sein Bruder Dylan (Brady Corbet) an einem Strand Kolumbiens surfen. Und die glutäugigen, schwarzhaarigen Schönheiten sind auch nicht zu verachten – nur jeder vernünftige Mensch weiß, was man riskiert, wenn man mit ihnen anbandelt. Nick weiß es nicht, als er sich in die schöne Maria (Claudia Traisac), die da in der lokalen Krankenstation arbeitet. verliebt. Und als er dann ihren Onkel kennen lernt – dann ist das kein anderer als Paolo Escobar…

Filme über Rauschgift gibt es in jeder Preisklasse. Wo  Escobar drauf steht, ist in diesem Fall Escobar in voller Dosis  drin – dieser Mann (1949-1993), glücklicherweise schon tot, sonst würde er wohl kaum zum Filmhelden, war nicht nur einer der brutalsten Rauschgifthändler, sondern auch ein Mörder, der Hunderte Menschen direkt auf dem Gewissen hatte (von den Millionen, die an seinem Kokain verreckten, gar nicht zu reden).

Escobar xx~1

Aber, wie das Leben so spielt, jeder Mann hat auch eine private Seite, und – wir wissen es ja auch aus den „Pate“-Filmen – diese hat oft mit geradezu kuscheligem Familienleben zu tun. Wenn Benicio del Toro als Escobar auftaucht, ist er der liebe Onkel, der große Feste ausrichtet, der als Wohltäter der Bevölkerung ein großer, verehrter Mann für die einfachen Leute ist, denen er sich ohne weiteres anpasst. Auf Anhieb keine beängstigende Gangsterfigur, der den Kanadier, den er „Nico“ nennt, auch ganz gern in die Familie aufnimmt. Schließlich kann er ihn ja nach und nach bei seinen Geschäften brauchen… und dieser Film von Andrea Di Stefano (ein recht gelungenes Regiedebut) zeigt, wie man nolens, volens in so etwas hineinrutschen oder, besser gesagt, nicht mehr herausfinden kann, zumal wenn man von einer geliebten Frau unter allerlei vagen Argumenten hineingedrängt wird …

Die Rahmenhandlung beginnt mit dem Ende: Da ist es so weit, dass Nick, als einer von Escobars „Leutnants“, nun morden soll, was er denn doch nicht zusammen bringt. Nun ist er mit einem Jungen auf der Flucht sowohl vor Escobars Leuten wie vor der Polizei, bis der Drogenboß am Ende ermordet wird (von den Amerikanern übrigens) – zur Erleichterung auch des Kinobesuchers. Wobei es nicht daran liegt, dass man dem in vielen Farben schillernden Benicio del Toro (zwischen Volksheld und Psychopath) nicht fasziniert zusähe – seine Studie des Paten von Kolumbien, nicht so elegant wie bei Puzo, Brando, De Niro und Pacino, aber sehr überzeugend, ist zweifellos das stärkste Argument für diesen Film.

Renate Wagner

 

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