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ERFURT: „ROMÈO ET JULIETTE“ von Charles Gounod

11.06.2017 | Oper

Erfurt: ROMÈO ET JULIETTE“ – 10.06.2017

 

Bildergebnis für julia neumann theater erfurt
Julia Neumann

Zwei gegensätzliche Shakespeare-Vertonungen um das Veroneser Liebespaar gab es im Theater Erfurt zu bewundern und zwar zunächst die französische Fassung „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod. In herrlichem Einklang schufen Federico Grazzini (Regie) und Hank Irwin Kittel (Ausstattung) eine modernisierte Produktion allererster Güte: auf leerer Bühne mit Zwischenvorhang reihten sich nahtlos Szenenbilder gleich einem Paternoster lautlos bewegt. Elegante Abendgarderoben verwöhnten zusätzlich das Auge zum authentischen Ablauf ohne jegliche Verfremdungen des dramatischen Handlungsablaufs.

Eine in allen Positionen überzeugende Besetzung und ein starker Maestro füllten zusätzliche die akustischen Freiräume aus, welche ihnen die Regie in hervorragender Weise gestattete.

Am Pult der orchestralen Vereinigung Philharmonisches Orchester Erfurt/Thüringen Philharmonie Gotha betonte Samuel Bächli den französischen Charme und Esprit der Partitur auf wunderbare Weise. Herrlich erklangen die symbolischen visionären Tanzelemente in rhythmischer hinreißender Transparenz, beflügelte sehr delikat mit Verve ausmusiziert nicht nur die vortrefflichen Solisten sondern überwältigte regelrecht auch die Zuhörer.

Nun hatte Erfurt ein rundum glänzendes Liebespaar zu bieten welches auf ganzer Linie überzeugte und siegte. Als Tenorbegabung par Excellence erwies sich der junge Koreaner Won Whi Choi als strahlender Roméo erinnerte er an einen berühmten Vorgänger vergangener Zeiten. Bestens grundiert seine zuweilen kehlige Mittellage erfüllt das kernige Material mühelos strömend alle Voraussetzungen des jugendlichen Liebhabers und punktete zusätzlich mit glänzenden Höhen und beeindruckenden Piani.

Julia Neumann sang und verkörperte mit Passion und intensiv die Juliette. Nach zögerlichem Beginn entfaltete sich ihr heller Sopran in den schönsten Farben. Lyrisch, mädchenhaft, seelenvoll, koloraturgewandt mit zuweilen leicht metallischen Untertönen erfüllte die junge Sängerin die anspruchsvolle Partie.

Burschikos, flegelhaft gestaltete Julia Stein den frechen Stéphano und ließ mit wunderschönem Mezzosopran aufhorchen. Mit vortrefflicher baritonaler Gewandheit schenkte Siyabulela Ntlale dem Mercutio besonders individuelle Aussage. Gewichtige gütige Basstöne verlieh Gregor Loebel dem Frére Laurent.

Vortrefflich sangen und agierten Katja Bildt (Gertrude), Máté Sólyom-Nagy (Paris), Richard Carlucci (Tybalt), Juri Batukov (Capulet), Jörg Rathmann (Benvolio) und Dmitry Ryabchikov (Grégorio) in den weniger tragenden Rollen und ergänzten mit frischen Stimmen das ungewöhnlich junge Ensemble.

In bester Tonalität entfaltete sich der Erfurter Theater-Chor vokal prächtig vorbereitet von Andreas Ketelhut und in ungewöhnlich erfrischender Präsentation choreographisch (Jessica Krüger) bewegt.

Insgesamt eine überraschend gelungene Gesamtkonzeption und vom Publikum anhaltend und herzlich gefeiert.

Gerhard Hoffmann

 

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