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ERFURT/ Ballettabend als Gastspiel des Landestheaters Eisenach: SCHWANENSEE

11.01.2016 | Ballett/Tanz

 ktf

Misako Kato, Andrea Simeone. Foto Hoelting

SCHWANENSEE Ballettabend von Andris Plucis mit der Musik von Peter I.Tschaikowsky im Theater Erfurt am 10.01.2016

Gastspiel des Landestheaters Eisenach

Warum nicht! Der Choreograph Andris Plucis entwickelt auf Schwanensee eine etwas andere Sicht, eine bisweilen humorige. Plucis vermischt Elemente des Tanztheaters und des klassischen Balletts in seiner Choreographie.

 Bereits 2011 hatte das Stück Premiere, jetzt ist es wiederaufgenommen. Andris Plucis hat manches weggelassen und einiges ganz neu kreiert, so spielt die Mutter, sonst eher zurückhaltend, einen sehr aktiven tänzerischen Part. Überhaupt spielt Humor bei der Liebessuche Siegfrieds eine große Rolle. Andris Plucis sieht den Hauptprotagonisten als einen, der sich Realität entziehen will und Wunsch und Wirklichkeitswelt vertauscht. Da wird schon mal geschüttelt und vieles mehr. Die Zerreisprobe zwischen Ideal und Realität wird geradezu verkörperlicht. Insgesamt verströmen die Tänzer des Landestheaters Eisenach viel Energie und Tanzwucht.

Die tänzerischen Akzente sind präzis auf die musikalischen Wechsel choreographiert und werden stilistisch pointiert umgesetzt. Sehr einfühlsam tanzen die 4 kleinen Schwäne: Juliette Odiet, Amanda Schnettler-Fernández und Maciej Szymczak sowie Yusuke Inoue. Ein großer Augenschmaus sind die Nationaltänze. Im Italienischen Tanz bellcantieren Lucia Giarratana und Luca Massidda. Mit Grandezza präsentieren Adrian Wanliss, Andrea Simeone, Nao Omi den Spanischen Tanz. Wuchtig und athletisch zeigen sich Maciej Szymczak, Yusuke Inoue und Amanda Schnettler-Fernández im Russischen Tanz. Feurig und lebensfroh bieten Mariuca Marzà, Juliette Odiet den Ungarischen Tanz dar.

 Die Augenlust wird unterstützt von Christian Rinkes Bühnenbild. Er spielt mit Lichtdesign und farbigen Prospekten, die mit den jeweiligen Farbstimmungen die Tanzszenen sehr gut unterstützen. Danielle Josts Kostüme verwischen bisweilen die Geschlechterrollen, schaffen aber auch eine glaubwürdige Unterstützung des gesamten choreographischen Ansatzes von Andris Plucis.

 Expressiv und dynamisch wirken die Hauptdarsteller: Siegfried – Andrea Simeone, schwarzer/weißer Schwan – Misako Kato und Rotbart – Shuten Inada. Alle drei zeigen eine hohe Intensität und erweisen sich tänzerisch und pantomimisch als Glücksfälle des Abends.

 Die musikalische Leitung hat an diesem Abend Daniel Klajner. Er versteht es mit den Tänzern zu kooperieren und so eine bestmögliche Gesamtwirkung zu erzielen. Die musikalischen Höhepunkte arbeitet er gut heraus. Besonders bei den National-Tänzen gelingen die Tempi. Ganz hervorragend sind die Geigensoli und auch die Harfe und die Oboe vermitteln starke Höhepunkte. So kommt auch der erste Geiger stellvertretend für ein exzellentes Orchester beim tosenden Applaus mit auf die Bühne. So wird das Gastspiel des Landestheaters Eisenach in Erfurt ein Erfolg.

 Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

 

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