Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Emma Adler: DIE BERÜHMTEN FRAUEN DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION

14.12.2014 | buch

BuchCover Adler, Frauen der franz Revolution j

Emma Adler:
DIE BERÜHMTEN FRAUEN DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Eva Geber
214 Seiten, Mandelbaum Verlag, 2014

Dieses Buch über „Die berühmten Frauen der französischen Revolution“, das der Mandelbaum Verlag nun neu herausgegeben hat, ist vor über hundert Jahren erschienen und für heutige Leser in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Man mag Überlegungen an die Person der Autorin knüpfen, an den Inhalt des Buches und schließlich auch an die Form, in der weibliche Geschichte in der ausgehenden Monarchie beschrieben wurde.

Erstens verweist es auf die Autorin, die vergessen wurde wie so viele, ungeachtet ihrer Leistungen: Emma Adler ist nur noch in Kreisen der Frauenforschung bekannt. Hingegen dass ihr Mann Victor Adler eine große Rolle in der österreichischen Sozialdemokratie und damit in der Geschichte des Landes spielte, steht ebenso in den Geschichtsbüchern wie der Mord, den ihr Sohn Friedrich Adler an dem Ministerpräsidenten Karl Graf Stürgkh beging und der – aber da spielte die Weltgeschichte hinein – mit nur zwei Jahren Gefängnis abgegolten wurde.

Auf die Lebensgeschichte von Emma Adler, geborene Braun (1858-1935) verweist die Herausgeberin Eva Geber in einem informativen Nachwort. Eine jüdische Großbürgerstochter aus Ungarn, die schon in frühester Jugend breite Bildungschancen hatte und fünf Sprachen beherrschte, heiratete nach der Übersiedlung nach Wien den Arzt Victor Adler, mit dem sie drei Kinder hatte. Anfangs nicht nur in Wiens politischer, sondern auch künstlerischer Szene fest verankert und finanziell bestens aufgestellt, war sie auch erfolgreich als Journalistin tätig. Nur dass der Gatte das Judentum verließ und sich und die Kinder evangelisch taufen ließ, störte ihren Seelenfrieden. Da Adler, der die „Arbeiter Zeitung“ gegründet hatte, sein ganzes Vermögen in die sozialdemokratische Bewegung steckte, geriet die Familie in beträchtliche Geldschwierigkeiten und Emma Adler in schwere gesundheitliche Krisen. Als Autorin legte sie 1906 mit ihrem Buch über die Frauen der französischen Revolution ihr wichtigstes Werk vor, das nicht zuletzt vom eignen Gatten scharf kritisiert wurde (!), da er es für „erzreaktionär“ hielt (was wir keinesfalls finden können).

adler_frauen_1906_0001_400px

Das Leben der Emma Adler, die 1918 Witwe wurde, verlief weiter nicht glücklich – nie konnte sie die Tat ihres Sohnes Friedrich verstehen, nie gewann ihr Sohn Karl selbständigen Boden unter den Füßen, und ihre Tochter endete im Wahnsinn. Dass sie jedenfalls als entschlossene Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frau mehr als nur „die Frau von…“ war, steht zweifelsfrei fest.

Und da ist das Buch, die weiblichen Porträts, wobei Emma Adler feststellt, dass die Französische Revolution die „Gleichheit“ der Frauen nur angesichts der Guillotine gebracht hat. Ihre Porträts umfassen eine idealistische Mörderin wie Charlotte Corday, eine einfache Frau wie die  Kleinbürgerin Madame Legros, die für das Leben eines Unschuldigen kämpfte, oder die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges, die mondäne Thérésia Cabarrus, genannt „Madame Tallien“, Kurtisane und Freundin von Napoleons Gattin Josephine, oder die legendäre Madame Roland, die aktiv in der Politik der Revolution mitwirkte und doch unter deren Räder geriet, um nur einige zu nennen.

Faktisches und erzählerisch Ausgeschmücktes finden sich in den einzelnen Artikeln gleicherweise:

„Mit jener Offenheit, die die schönste Seite ihres Charakters bildete, gestand sie ihrem Mann den Zwiespalt ihrer Seele“, lesen wir über Madame Roland.
„Ach? Was hatte sie verbrochen? Ihren Geliebten wollte sie retten“, heißt es über Lucile Desmoulins.
„Ein Blick der schönen Frau genügte, um diesen wilden Inquisitor völlig gefügig zu machen“ – so zähmte Madame Tallien ihren späteren Gatten.

Beispiele für Formulierungen dieser Art gibt es viele, und niemand nimmt der Autorin diesen weiblichen Blick, diese weibliche Formulierung angesichts weiblicher Schicksale übel. In weit anfechtbarer Form findet man dergleichen in der Regenbogenpresse von heute, wo das, was wir „Schwulst“ nennen, mit weniger Ehrlichkeit und mehr Kalkül eingesetzt wird. Und darüber ragt Emma Adler weit hinaus.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken