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ELISABETH SCHWARZKOPF / Weihnachtsalbum – Zum 100. Geburtstag

15.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

schwarzk ELISABETH SCHWARZKOPF / Weihnachtsalbum – Zum 100. Geburtstag der großen Sängerin – Warner Classics CD

Wir wollten eigentlich keine Weihnachts-CD besprechen. Aber am 9. Dezember jährte sich der 100. Geburtstag der in Jarocin in Polen geborenen Elisabeth Schwarzkopf, einer der bedeutendsten Sopranistinnen und Gesangspädagoginnen des 20. Jahrhunderts. Die Weihnachts-CD der Schwarzkopf flatterte in den Postkasten, ich hörte sie und war fasziniert.  Das im Jahr 1957 unter der Leitung von Charles Mackerras mit dem Philharmonia Orchester (als Solisten auf Gitarre und Orgel fungieren Julian Bream und Denis Vaughan) und den Ambrosia Singers aufgenommene Album unterscheidet sich von anderen nicht vom Kitschfaktor her, aber es gibt und gab einfach keine schönere und ja, auch natürlicher eingesetzte Stimme, um die volkstümlichen Weihnachtslieder in gefühligen Arrangements des Dirigenten mit solcher Intensität zu singen, ohne auf Text und Aussage zu vergessen. Dabei kann man die Schwarzkopf sogar im Duett mit sich selbst hören. In der Originalfassung des Gruber‘schen Lieds „Stille Nacht“ singt Schwarzkopf Mittel- und führende Sopranstimme selbst. Die der ursprünglichen Schallplatte von Cover und Inhalt her nachempfundene CD enthält als weitere Höhepunkte das in Amerika beliebte Lied „O come all ye faithful“, das „Sandmännchen“ arrangiert von Brahms und das wahrlich berauschende „Weihnachten“ von Humperdinck (wie die Oper aus der Feder von Adelheit Wette, der Schwester des Komponisten).

Die Stimme der Elisabeth Schwarzkopf (und auf nichts anderes soll sich hier die Aufmerksamkeit des Schreibenden richten) auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten war eine wahre Wunderorgel vokaler Kunst. Ihr edler lyrischer Sopran fließt in allen Lagen ruhig mit vorzüglichem Legato. Ein unerschöpflicher Vorrat an Klangfarben macht das Anhören spannend und abwechslungsreich.  Ich kann darin keinen wie immer gearteten Manierismus (was soll das überhaupt in Bezug auf Kunstgesang sein?), wie manche Kritiker das halt so phantasielos beschreiben.  Vielmehr kann sich der Musikfreund an der puren Schönheit menschlichen Gesang erfreuen und sich daran erinnern, dass gerade die über lange Zeit tradierten und zum Allgemeingut gewordenen Weihnachtslieder von Jubel und Hoffnung sprechen. Und der silberne, ja  Jubelton der Schwarzkopf ist es auch, der besonders berührt und das Dargebotene in einen absoluten Ausnahmerang erhebt. Man sollte mal z.B.: beim Sandmännchen unter Kindern eine Umfrage machen, welche Interpretation ihnen am besten gefällt. Ich habe da schon eine Idee, was dabei herauskommt.

Aber auch Erwachsenen kommen voll auch ihre Kosten bei Liedern wie „In einem kühlen Grunde“, dem Franck‘schen „Panis angelicus“ oder dem im anglosächsischen Raum beliebten „I saw three ships“. Natürlich dürfen auch „O du fröhliche“, „The first Nowell“ (mit spektakulären Höhen), „In dulci jubilo“, „Vom Himmel hoch“ oder „Maria auf dem Berge“ auf einer solchen Kompilation nicht fehlen.

Diese Weihnachts-CD ist und bleibt dank der herausragenden Kunst der Elisabeth Schwarzkopf ein absoluter Klassiker wie die Weinhnachts-CD von Mahalia Jackson. Warnung: Wer schöne Stimmen nicht liebt, sollte sich von beiden CDs fernhalten.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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