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Elfriede Ott: WORÜBER ICH LACHE

25.04.2013 | buch

Elfriede Ott: 
WORÜBER ICH LACHE
Erlebte und gesammelte Anekdoten
232 Seiten, Amalthea Verlag, 2013 

Elfriede Ott hatte in letzter Zeit einiges berufliche und private Unglück: Mit ihren Knieoperationen konnte sie dank ihrer Willenskraft zurecht kommen, aber dass man von Seiten des Hauses Liechtenstein „ihre“ Nestroy-Festspiele beendet, vernichtet, gekillt hat, wie immer man es ausdrücken will, das schmerzt sie mehr, als sie sagen kann. Und doch: Die Ott ist nicht unterzukriegen. Im WiFi kann man eine Ausstellung ihrer Bilder besichtigen, denn malen kann sie auch. Und der Amalthea Verlag brachte nun ihr Buch „Worüber ich lache“ heraus. Andere lachen zu machen, hat sie als Schauspielerin als Teil ihrer Lebensaufgabe begriffen. Es gelingt ihr auch hier.

Das Buch liegt ganz auf der Linie des Verlags, der gerne große österreichische Schauspieler in den Mittelpunkt stellt – und auch gerne Humoristisches bringt, wie Verlagsleiterin Brigitte Sinhuber-Harenberg bei der Präsentation in den Josefstädter Straüßelsälen sagte.  Mit Anekdoten-Büchern von Otto Schenk hat man vermutlich schon Tausende und Abertausende Bücher verkauft. Mit der Ott wird das vermutlich wieder gelingen…

In diesen „erlebten und gesammelten Anekdoten“, wie es im Untertitel heißt, erzählt Elfriede Ott, was ihr gerade einfällt – da kommt sogar die Hochzeit mit Ernst Waldbrunn an die Reihe (und die pudeljunge Ott mit Riesenhut – die Fotos des Buchs sind überhaupt sehr schön auf dem Hochglanzpapier und dramaturgisch glänzend ausgewählt). Waldbrunn fungiert in dieser Sammlung des Heiteren auch als Sketche-Lieferant. Und Gatte Nr. 2, Hans Weigel, war ja überhaupt als Satiriker einer der besten, die wir je hatten – da ist das Heitere oft mit Vitriol geschärft (etwa seine Parodie auf die Alma-Mahler-Memoiren), und die Ott hat natürlich recht: Manches aus seiner Feder ist sozusagen ewig – den „Pleite-Song“ singt man, auch wenn man dabei nicht an Weigel denkt, ja wohl landauf, landab…

Im übrigen ist Elfriede Ott in einem langem Theaterleben so viel passiert und zugestoßen, sie hat so viel erlebt, man hat ihr so viel erzählt, dass sie keine Mühe hat, über 200 Seiten zu füllen. Da marschieren ihre großen Freunde und Partner durch, ob Fritz Muliar oder Gerhard Bronner, da erfährt man  Skurriles über Prominente (die Dame, die anrief und bat: „Bitte, helfen Sie mir, Frau Ott, der Franzi hat sich schon wieder im Wohnzimmer aufgebahrt“, war die Mutter von André Heller), da wird, mit vielen kleinen Hoppalas, das große Hohelied des Theaters gesungen.

Zum Schluss gesagt: „Worüber ich lache“ ist nicht nur amüsant, sondern auch nützlich: Viele Witze kann man sich merken und mit Gewinn weitererzählen. Wer bei einer Intellektuellen-Party Weigel-Texte vorliest, kann nicht schief liegen. Und mancher Sketch, im trauten Kreise, in verteilten Rollen vorgetragen – der Abend ist gerettet. Worüber die Ott lacht, darüber kann man lachen.

Renate Wagner

P.S.   Meine Lieblingswitze aus dem Buch:

Die Tochter bittet den Vater um Geld, weil sie in die Oper gehen möchte.
„Was willst Du Dir ansehen?“
„Die Jüdin!“
„Dafür soll ich Geld ausgeben? Schau Dir Deine Mutter an!“

Der Lehrer verlangt von den Schülern, sie mögen Persönlichkeiten aufzählen, die die Welt verändert hätten.
Die Schüler nennen Jesus Christus, Albert Einstein, Karl Marx, Sigmund Freud – der Lehrer nickt zustimmend.
Dann ist der kleine Moritz an der Reihe und fragt: „Bitte, Herr Lehrer, darf es auch ein Goj sein?“

 

 

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