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EIN SCHOTTE MACHT NOCH KEINEN SOMMER

20.11.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Schotte m n k Sommer~1

Ab 21. November 2014 in den österreichischen Kinos
EIN SCHOTTE MACHT NOCH KEINEN SOMMER
What We Did on Our Holiday  /  GB  /   2014
Drehbuch und Regie: Andy Hamilton, Guy Jenkin
Mit: Billy Connolly, Rosamund Pike, David Tennant u.a.

Der Beginn signalisiert: Familienfilm! Aufbruch in die Ferien zu Opa nach Schottland, mit all den üblichen Turbulenzen. Aber bald ahnt man, dass es – wie bei den meisten Familien – auch hier bei „Vater, Mutter und drei Kinder“ nicht so ganz harmonisch zugeht. Vor allem, wenn man sich die Kinder ansieht, merkt man: Da ist schon einiges noch schwerer gestört als beim Durchschnitt… Solcherart fährt man mit den McLeods nach Schottland.

Mama (die immer populärer werdende Rosamund Pike, kürzlich erst das „Lost Girl“ im amerikanischen Blockbuster-Krimi) und Papa (David Tennant, Fernsehschauern früher als  „Dr. Who“ bekannt) streiten sich nur und sind schon am Rande der Scheidung. Den Kindern ist das nicht gut bekommen: Lottie, die Älteste (Emilia Jones), ist ganz besessen darauf, alles niederzuschreiben, was sie hört, damit man sie später nicht immer wieder anlügen kann. Mickey (Bobby Smalldridge) ist überhaupt in magische Welten geflüchtet und redet von nichts als Odin. Und Jess, die Jüngste (Harriet Turnbull), hat seltsame “Freunde” (Steine etwa) und wirkungsvollen Psychoterror, wenn sie etwas erreichen will: Sie gibt an, einfach zu atmen aufzuhören… Mit diesen dreien in einem Auto, das würde sogar die geduldigste Seele in tiefgreifende Meditationen stürzen, ob man sich Kindersegen antun soll…

Man fährt zu Opas 75. Geburtstag, dort ist Harmonie angesagt, niemand darf wissen, dass Mama und Papa vor der Trennung stehen. Außerdem ist dort dann die ganze Familie, und dass es da auch schon „ums Eck“ um das Erbe geht – mit entsprechenden Giftigkeiten und Gerangel – ist auch klar. Bruder Gavin ((Ben Miller) und dessen Gattin Margaret (Amelia Bullmore) sind auch nicht die sympathischsten.

Wen mag man also in diesem seltsamen Film des britischen Fernsehteams (Andy Hamilton, Guy Jenkin), die in ihrer Heimat keinen allzu guten Ruf haben? Natürlich Opa selbst, zumal er mit dem grotesken, so „schottischen“ Billy Connolly (weißhaarig, mit Pferdeschwanz) besetzt ist. Der kann das Familiengezanke nicht hören, schnappt die drei Kinder und geht mit ihnen an den Strand, nicht, ohne sie mit einigen freundlichen Lebensweisheiten (beispielsweise: Man solle alles nicht so ernst nehmen und milde mit seinen Mitmenschen sein) abzufüllen.

Man kann schwer zur kritischen Essenz vordringen, nämlich, warum der Film im schlechten Sinn „schräg“ ist, ohne das wichtigste Ereignis des Geschehens zu verraten. Opa stirbt am Strand. Und die Kinder, eingedenk seiner Worte, bereiten ihm ein Wikinger-Begräbnis, schicken ihn per Floß brennend aufs Meer hinaus… Damit würden sich schon ein paar kräftige, logistisch hoch potente Erwachsene schwer tun, es den drei Kindern aufzuladen und dabei noch zu unterstellen, man wolle glaubhaft realistisch sein – auf solch dumme Ideen kommen wohl nur Fernsehleute.

Und wenn dann am Ende – nachdem zuerst noch mehr Aufeinander-Gekreische angesagt war – alles extrem harmonisch ausgeht, die Weisheit, dass Eltern sich lieben sollen, damit es ihnen und ihren Kindern wohl ergehe, gleich per Fernsehen (ecco!) verbreitet wird: Da langt es dann. Ein Billy Connolly macht noch keinen Film.

Renate Wagner

 

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