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EGON WELLESZ: Sonnette – RENÉE FLEMING brilliert mit raffiniert sinnlichem „fin-de-siècle Ton“

10.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0028947883999 EGON WELLESZ: Sonnette von Elizabeth Barrett Browning op.52 für Sopran und Streichquartett, Berg: Lyrische Suite für Streichquartett – RENÉE FLEMING brilliert mit raffiniert sinnlichem „fin-de-siècle Ton“, begleitet vom EMERSON STRING QUARTET – DECCA CD 

«Ich hab dich gefangen und dich eingesponnen, Geliebte, in das Netz meiner Musik.“ 

Die im gloriosen Spätsommer ihrer Karriere stehende Renée Fleming singt zum ersten Mal in einer Aufnahme mit dem Emerson String Quartett. Als Einstieg spielt das Quartett eingangs Bergs Lyrische Suite, eine Folge von sieben Liebesgesängen. Erstmals übernahm Berg darin Schönbergs Verfahren der sog. Reihentechnik. Das Quartett soll Ausdruck einer tiefen, doch unerfüllten Liebe zu Franz Werfels Schwester Hanna Fuchs-Robettin sein…. Ich gestehe, dass mir die Bearbeitung der Lyrischen Suite für Streichorchester von Alban Berg und Theo Verbey besser gefällt. Dennoch sorgt das Emerson Quartett für die nötige strukturelle Klarheit und spätromantisches Espressivo. Im sechsten und letzten Satz, dem Largo desolato, setzt Berg alternativ die Sopranstimme ein und zitiert aus Wagners Tristan.

Die fünf Sonette von Egon Wellesz nach Texten von Elizabeth Barett-Browning, Dichterin der viktorianischen Ära, erklingen in dieser Aufnahme im Original für Streichquartett, aber in der von Rainer Maria Rilke ins Deutsche übersetzten Version. 2013 hatte Renée Fleming bereits das 5. Lied aus dem Zyklus bei einem Konzert in der Carnegie Hall gesungen. Am Schluss der CD gibt Frau Fleming noch Eric Zeisls „Komm süßer Tod“ als Zugabe:“.

Renée Flemings Stimme ist ideal für jede Art von Musik im sezessionistischen Wien, wie ihre zahlreichen unvergesslichen Auftritte in Rollen von Richard Strauss und Wolfgang Korngold, und generell mit Musik von Berg, Schoenberg, Zemlinsky und Mahler belegen. Was Fleming an Wortdeutlichkeit fehlt, macht sie durch ein obertonreiches gold-samtenes Timbre durchaus wett. Alles an poetischen Zuordnungen  dieser Luxusstimme ist bereits geschrieben worden. Falls es jedoch ein akustisches Pendant zu Klimts Gemälden geben sollte, wäre es wahrscheinlich wirklich Renée Flemings Sopran. Insoweit ist auch das Cover der CD nicht nur zeitbezogen gut gewählt. Die Aufnahme zeigt Fleming in absoluter Topform. Ihr dramatisch nicht unbegrenzt belastbarer Sopran verströmt sich bei Liedern prächtig frei. Fleming adelt die expressiven Sonette, die Wellesz 1938 vor seinem Gang ins Exil vollendet hatte, auch dank ihres untrüglichen dramaturgischen Instinkts.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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