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Edith Kneifl (Hg.): TATORT SCHÖNBRUNN

22.10.2014 | buch

BuchCover Tatort Schönbrunn

Edith Kneifl (Hg.): 
TATORT SCHÖNBRUNN
13 Kriminalgeschichten aus Wien
271 Seiten, Falter Verlag, 2014 

Schönbrunn, knapp 3 Millionen Touristen pro Jahr, ist von allen Verbrechens-Schauplätzen, die der Falter Verlag nun schon seit Jahr und Tag vorlegt, wohl der pittoreskeste. Den kurzen, bösen Geschichten wird eine nicht gerade sympathiegeladene Einführung der Kunsthistorikerin Inge Podbrecky vorausgeschickt, die Kaiser Franz I. noch den II. nennt, was er bekanntlich seit 1804 nicht mehr war, schon gar nicht, als er Napoleons Schwiegervater wurde. Für das „Schönbrunner Deutsch“ findet sie die Bezeichnung „Soziolekt“, was so ungefähr die ekligste Formulierung ist, die man sich vorstellen kann – aber so „in“!

Herausgeberin Edith Kneifl steht mit ihrer Geschichte „Die Altschönbrunner“ an der Spitze und lässt einen ältlichen Tierpräparator, der in einer der ehemaligen Dienstwohnungen in Schönbrunn mit Uralt-Mama wohnt, nicht nur nächtens in die Prunkräume schleichen und sich dort umtun – schlimmer ist, dass er offenbar ohne Folgen alle Feinde von sich und Mama umbringt, allerdings soll sich die Mama, nur so viel gesagt, in Acht nehmen…

In der Folge verbündet sich eine Direktorin von Schönbrunn mit einer Tigerin, was für ihre Feinde letal ist, im Palmenhaus gibt es eine Performance mit Leichen, Leute, die man im Zoo kennen lernt, können sich als so lästig erweisen, dass man sie glatt umbringen muss, ein Hermaphrodit legt täglich eine neue Leiche im Park ab, ein Aufseher im Wüstenhaus, ein „Kinderverzahrer“ bei der Römischen Ruine… Schauplätze und Verbrechen variieren.

Und wenn sich diverse Rittmeister in den Ställen von Schönbrunn herumtreiben, dann ist man in der Zeit weit zurückgefallen und Kaiserin Elisabeth ist gerade ermordet worden.

Schönbrunn, in kleinen Dosen zu lesen, denn meist ist es nicht nur skurril, sondern auch irgendwie grauslich, was Wiens gar nicht gemütlichen Krimi-Autoren einfällt.

Renate Wagner

 

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