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Edith Kneifl: ENDSTATION DONAU

10.10.2014 | buch

BuchCover Kneifl, Endstation Donau

Edith Kneifl:
ENDSTATION DONAU
Ein Wien-Krimi
264 Seiten, Haymon Verlag; 2014

Katharina Kafka ist wieder da, und die rothaarige Zigeunerin (wenn man so sagen darf) und ihr schwuler Freund Orlando sind jene Helden von Krimi-Königin Edith Kneifl, die man besonders liebt. Sie schwärmen gerne von ihrem ursprünglichen Biotop, Wiens Margareten-Bezirk, aus, zuletzt nach Amerika. Nun sind sie auf Donaufahrt vom rumänischen Delta hinauf bis Wien. Sie haben auf Vermittlung von Katharinas Geige spielendem Onkel Sandor auf der „MS Kaiserin Sisi“ (die schäbiger ist als ihr Name) als Barkeeper angeheuert. Aber eigentlich, so meint der Onkel, ginge es auf dem Schiff nicht mit rechten Dingen zu, und Katharinas detektivischer Spürsinn ist ja bekannt…

Sie sieht durch das Bullauge ihrer engen Kabine gleich zu Beginn der Donaufahrt eine Leiche, über die die Besatzung schweigt, obwohl es einer von ihnen ist, der da – na, nicht ins Gras biß, sondern tot ins Wasser plumpste. Es gibt Gangster, die keine Mitwisser schätzen…

Im übrigen scheint die Autorin selbst eine solche Donaufahrt gemacht zu haben, denn sie ist kenntnis- und auf reale Art wissensreich, wenn es um die Balkan-Region geht: Sehr geschickt, wie Edith Kneifl da sowohl historisches Wissen über die Gegenden, durch die man kommt, und reale Beobachtung der tragischen Situation da unten einfließen lässt.

An weiteren Leichen fehlt es nicht – schließlich muss die Kneifl ja ihrem heimischen Ruf als „First Lady of Crime“ entsprechen – , und am Ende erfahren wir auch, womit der unsympathische Teil der Schiffs-Mannschaft sein schmutziges Geld macht: Nicht so sehr Rauschgift, das spielt nur eine geringere Rolle, als vielmehr der Schmuggel mit einer superteuren Kostbarkeit, durch die auch die Natur ihren Schaden erleidet…

Parallel erzählt Edith Kneifl (literarisch immer hübsch an die Donauszenen angehängt und mit diesen abwechselnd) die Geschichte zweier Gauner, die in Wien für einen Mafioso tätig sein müssen und von denen einer sich am Ende als Katharinas „Ex“ herausstellt, wobei die lebenslustige Dame nicht weiß, ob sie auf ihn warten will (denn ein paar Jahre Gefängnis stehen für ihn schon an) oder ob da einer aus der Schiffsmannschaft, der nicht schuldig geworden ist, der mehr versprechende Liebhaber wäre… Man kennt sie ja, die Katharina, und man kennt auch Orlando, der sich allerdings für sein Abenteuer am Schiff einen der kriminellen Herren der Besatzung ausgesucht hat.

Diese „Donau“-Geschichte ist in ihrer Schilderung des „Kreuzfahrt“-Alltags (samt lockerer Baedeker-Info) einerseits, der Wiener Kriminalität andererseits besonders gelungen, abwechslungsreich und geradezu informativ. So kann es, das Gefühl hat man beim Lesen immer wieder, in der Wirklichkeit durchaus zugehen. Wie gut, wenn man nicht mitten drin steckt, sondern dies angenehm am Sofa per Krimispannung in sich hineinziehen kann…

Renate Wagner

 

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