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Edith Kneifl: DER TOD IST EIN WIENER

28.03.2018 | buch

Edith Kneifl:
DER TOD IST EIN WIENER
Die Drei vom Naschmarkt ermitteln
288 Seiten, Haymon Verlag, 2018

Bei jeder „neuen Kneifl“ fragen sich ihre treuen Leser, mit wem man es diesmal zu tun haben wird – schließlich gibt es von ihr schon einige bewährte „Serien-Helden“, denen man immer wieder gerne begegnet. Diesmal sind es wieder die „Drei vom Naschmarkt“, die man erst vor zwei Jahren in „Tot bist du mir lieber“ kennen gelernt hat: Ich-Erzählerin Magdalena Musil und ihre Freundinnen, ihre Nachbarin, die mit dem Major Werner Schanda von der Kriminalpolizei unglücklich verheiratete Sofia, und die Slowakin Elvira, die als Kosmetikerin mehr Geschick zeigt denn als Geschäftsfrau.

Magdalena, gelegentlich als Fotografin, aber auch als Privatdetektivin tätig, und die beiden anderen sind allerdings in diesem Buch nicht mehr am Naschmarkt zu finden. Die Handlung verlegt sich auf eine Villa am Wilhelminenberg (angeblich von Otto Wagner gebaut) – und auch mit dem Villeninhalt, Zeichnungen von Schiele, einem Gemälde von Kokoschka, ist Autorin Kneifl auf der Höhe der aktuell allseits diskutierten Epoche…

Die Villa ist mit kostbaren Büchern und kostbaren Bildern vollgestopft, war doch ihre Besitzerin, die 86jährige Adele Artner, einst Leiterin einer anerkannten Galerie. Die auch die Bilder einer gewissen russischen Malerin Larissa Lepinska vertrieb… Rund um Adele Artner findet man Pauline, die unfreundliche Haushälterin, Johann, den undurchsichtigen Chauffeur, und jede Menge Artner-Verwandte, einer oder eine unsympathischer als der/die andere. Man kann sich vorstellen, was sich da an Erbschleicherei tut, wenn es um sehr viel Geld, außerdem um Geheimnisse der Vergangenheit (aus der dann noch eine Erbin auftauchen kann), um Schuld und Verbrechen geht… und alle sind irgendwie verwickelt.

Über diese Vergangenheit, vor allem die Beziehung zwischen Adele und Larissa, erfährt man eine Menge in dazwischen geschobenen, kursiv gedruckten Kapiteln. Und in dieser Geschichte steckt auch das Anliegen der Autorin. Interessanterweise ist sie selbst als Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin tätig gewesen, hat aber für ihre Berufsgenossen wenig bis gar nichts übrig – die Verbrechen, die während des Krieges, aber auch noch danach „am Steinhof“ in der Nervenheilanstalt begangen wurden, sind ausführlich Gegenstand dieses Krimis.

Die aktuelle Leiche gibt es erst ziemlich am Ende, der Rest ist Aufarbeitung der Vergangenheit, auch für Magdalena, die ihre Jugendliebe wieder trifft (und immerhin ist er ja an seiner Scheidung dran). Die Freundinnen bewähren sich diesmal weniger, verursachen eigentlich nur Ärger, die Heldin muss alles allein machen (und kriegt auch schon mal einen Schlag über den Kopf ab).

Wie immer gibt es viel Wiener Topographie, von den Steinhofgründen bis zum Wilhelminenberg, und ein Hund, ein lieber, sabbernder Boxer, spielt auch eine ziemlich große Rolle.

Alles drin, nicht wahr?

Renate Wagner

 

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