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EDGE OF TOMORROW

27.05.2014 | FILM/TV

 FilmPlakat Edge of Tomorrow~1

Ab 29. Mai 2014 in den österreichischen Kinos
EDGE OF TOMORROW
USA  /  2014
Regie: Doug Liman
Mit: Tom Cruise, Emily Blunt u.a.

Anfangs sieht dieser Film geradezu zum Verwechseln vielen anderen gleich: Die Aliens haben die Welt überfallen, die Fernsehsender überschlagen sich mit schaurigen Sensationsberichten, all das ist so hektisch und schnell geschnitten, dass man gar keinen Überblick gewinnt.

Aber ein Gesicht kehrt auf den Bildschirmen immer wieder, offenbar irgendetwas Kompetentes über die Verteidigungsstrategien von sich gebend: Tom Cruise in Uniform als Lt. Col. Bill Cage – und man könnte sich, kaum ein Gähnen unterdrückend, gut vorstellen, dass er jetzt in den nächsten eineinhalb Stunden wie üblich die Welt rettet.

Tatsächlich tut er es, aber unüblich in der Führung der Story. Denn zuerst stellt sich heraus, dass der vollmundige Schönling (man würde ihn in seinen Dreißigern ansiedeln, nicht als Mann, der mittlerweile auch schon 52 ist), gar keine Lust hat, an die Front zu gehen und mitzukämpfen. Er ist ein Medienstratege, und dabei will er es bewenden lassen. Heldenhaft sein und sterben, mögen gefälligst die anderen. Tom als Feigling? Man lächelt – das läuft ja doch ein bisschen anders als sonst.

Erst muss er den Sadismus der hohen Militärs, die ihn gnadenlos ins Camp schicken, und dann denjenigen seiner Soldatenkameraden erleben – unschön, soll aber zum Lachen sein, ist es auch, und man fragt sich, ob man in einer Sci-Fi-Parodie gelandet ist. Vermutlich letztendlich doch, aber die eigentliche dramaturgische Pointe ist dann doch eine andere.

Denn Bill Cage muss in den Kampf – die Soldaten steigen übrigens in so gewaltige Eisen-Kampfanzüge, dass die Rüstungen des Mittelalters dagegen fast niedlich wirken. Aber was soll das gegen die „Mimics“ – so hießen die Aliens hier. Die sind riesig, sehen teils aus wie immer, teils noch seltsamer und zerfranster, es gibt eigentlich keine Worte dafür, was abenteuerlustige Designer sich für die Leinwand ausdenken können… Also Cage gegen Mimics am Londoner Flughafen von Heathrow, der Mensch ist chancenlos, der gute Mann stirbt.

Natürlich viel zu früh für den Film, das wäre Verschwendung eines Starnamens  – darum wacht Cruise / Bill Cage aus seinem Tod wie aus einem Alptraum auf. Ist wieder dort, wo er am Tag zuvor schon war. Und alles scheint auf dieselbe Weise abzulaufen. Nur: Er kann natürlich aus seinen Erfahrungen lernen und Dinge anders machen. Egal, in welche Bredouille er gerät – er wacht ja doch wieder auf. Und alles beginnt von Neuem.

Und dieser Trick funktioniert zwei-, dreimal, bevor er für den Kinobesucher – nach dem Motto: „Eh schon wissen“ – langweilig wird. Für die Drehbuchautoren hat er den Vorteil, dass Gesetze der Logik nicht walten müssen. Die Handlung springt geradezu wahnwitzig hin und her. Die Kampf- und Fantasy-Szenen sind dabei vom Feinsten (dafür sorgt Regisseur Doug Liman, und mit Hilfe von 3 D kann man sich nur in die Kinosessel ducken): Da wird wieder einmal die Hölle auf der Leinwand entfesselt, die offenbar so viele so gern sehen, sonst würden Filme wie dieser nicht Millionen und Abermillionen einspielen…

Weit interessanter als Tom Cruise, der immerhin die Wandlung vom blöden Schnösel zum Sympathieträger übernimmt, der den Weltrettungs-Job akzeptiert, ist seine Partnerin Emily Blunt: Bisher hat man die so angenehm-sympathische Britin (beste Rolle: die junge Queen Victoria im Fernsehen) immer recht weiblich erlebt. Hier zeigt sie als Soldatin mit dem politisch korrekten Namen Rita Vrataski (Heldinnen müssen heutzutage nicht WASP sein, im Gegenteil, ein Migrantenhintergrund ist sehr wünschenswert) einen durchtrainierten Körper und eine eiserne Entschlossenheit.

Trotzdem ist sie natürlich das Love Interest, und keine Sorge, auch wenn sie stirbt – am Ende fängt die Geschichte ja wieder von vorne an. Dann ist die Welt gerettet und es scheint, sie könne sich dem gereiften Bill Cage ganz normal zuwenden… Dass Emily Blunt für das, was der Film ihr abverlangt, um einiges zu gescheit wirkt, wird wenige stören.

Sci-Fi plus Verwirrung der Zeitebenen plus Humor – das ist mehr, als man von Tom Cruise-Filmen üblicherweise bekommt.

Renate Wagner

 

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