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DVD LUCIANO PAVAROTTI

05.03.2012 | dvd

 

DVD 
LUCIANO PAVAROTTI

Ein Film von Esther Schapira
Hr / EuroArts / Das Erste

Im  September werden es auch schon wieder fünf Jahre, dass Luciano Pavarotti (1935-2007) verstorben ist. Ist er vergessen? Wahrlich nicht. Er war der Tenor der Superlative, er ist der Sargnagel aller Künstler seines Stimmfaches, da die Fans deren Leistungen an dem Mann messen, der für eine Generation von Opernliebhabern „der Größte“ war. Nicht für alle, aber für viele.

In der Gedenksendung „Legenden“, die von der ARD den wirklich berühmten, sozusagen superlativischen Persönlichkeiten gewidmet werden, gibt es auch eine einstündige Sendung über Pavarotti, die nun als DVD erhältlich ist. Leute, die gerne die arte-Dokus sehen, werden vielleicht enttäuscht sein, denn Pavarotti selbst kommt gar nicht so viel vor, darf auch kaum singen. Aber man war gewissenhaft dabei, Leute vor die Kamera zu bringen, die ihn wirklich eng gekannt haben.

Bei einigen war das kein Problem: sein Assistent Edwin Tinoco öffnete bereitwillig die Schränke für Devotionalien und gab seine Erinnerungen preis. Ebenso alte Freunde wie Leone Magiera, erster Mirella-Freni-Gatte und künstlerischer Begleiter der Frühzeit. Oder Herbert Breslin, der eigentlich für die „Weltkarriere“ außerhalb der Oper zuständig war, weil er als Manager Pavarotti in die großen Arenen und Parks brachte (Lady Di durchnässt im Hyde-Park, um Pavarotti zu hören) und ein völlig neues Publikum begeisterte. Oder Bono, einer der Künstler, die in Pavarottis Cross-Over-Konzerten mit ihm auf der Bühne standen und der ihn spürbar bewundert hat.

Mit anderen Gesprächspartnern war es vielleicht nicht so leicht: José Carreras sagte dankbar Freundliches, Domingo kam nicht vor die Kamera (schließlich sei Pavarotti bei den Konzerten der „Drei Tenöre“ immer sicher gewesen, der Größte von ihnen zu sein, vernimmt man). Lang und breit steht Exgattin Adua für Gespräche zur Verfügung, allerdings unter ihrem Mädchennamen Adua Veroni geführt – und nur unter der Bedingung, wie man schlussendlich erfährt, dass Pavarotti-Gattin Nr. 2, Nicoletta Mantovani, für diese Sendung nicht befragt würde… Allerdings versteht man natürlich, dass eine Frau, die nach 40 Jahren Ehe verlassen wurde, die Rivalin nicht eben liebt. Über Pavarotti äußert sie sich im allgemeinen freundlich, manchmal leicht süffisant: Wenn man ihn gefragt hätte, was ihm das Wichtigste im Leben gewesen wäre, hätte er sicher gesagt: die Musik. Tatsächlich war es aber wohl das Essen…

Der Film fährt der Karriere des Jungen aus Modena nach, dessen Vater die angeblich noch schönere Stimme hatte: Hätte Luciano eine Stimme gehabt wie ich, was wäre aus ihm geworden…! Aber Luciano hatte, was dem Vater fehlte: die Nerven. Und zudem noch die Ausstrahlung. Die mitreißende Sieger-Attitüde. Und was er als Stimme mitbrachte, reichte immer noch, damals als die schönste der Welt erachtet zu werden… Als er Kalafs „Vincero!“ vor 400 Millionen Menschen auf der Welt sang, hatte er gesiegt wie keiner vor ihm. Karajan nannte ihn den besten Tenor aller Zeiten. Met-Manager Joseph Volpe, auch einer der Gesprächspartner in diesem Film, meinte: In a way it was a miracle, you could not believe what you hear.

Mirella Freni erzählt von Luciano, ihrem gleichaltrigen „Milchbruder“, in Filmaufnahmen erlebt man Pavarotti öfter am Herd als auf der Bühne, aber es soll wohl eher ein privates Porträt für die Fans der Konzerte sein als eine Analyse für jene, die er in der Oper begeisterte, denn diese machen ja nur einen verschwindenden Teil aus. Darum auch so viel privat, Frauengeschichten („He loved being with pretty girls“), Pferde, Fußball, Aberglauben, seine Malkünste, Ferien in Pesaro, alle Menschen um sich dirigerend und sie liebevoll in „halber Sklaverei“ haltend, und immer wieder Pasta kochend… Ja, und die kleinen Scherze des Alltags: Weil die Ärzte Pavarotti wegen seiner enormen Gewichtsprobleme nur ein Meringue pro Tag erlaubten, schuf man ihm in der Pasticceria Alberini in Modena eine Spezialanfertigung, die einen halben Kilo schwer war – aber nur ein Meringue!

Er war Weltstar, Millionär, und er blieb der Luciano aus Modena. Begraben hat man ihn wie einen Fürsten. Wer ihn in seiner großen Zeit erlebt und geliebt hat, bleibt ihm vermutlich ein Leben lang treu.

Renate Wagner

 

 

 

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