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DVD KLAUS FLORIAN VOGT – DER MEISTERSINGER

05.03.2012 | dvd



KLAUS FLORIAN VOGT – DER MEISTERSINGER
Ein Film von Astrid Bscher
Sony Musik

Es wäre schon interessant, mehr über Astrid Bscher, die Gestalterin des Films zu erfahren, aber weniger Information hat wohl noch keine DVD geliefert: Einfach nur die „Macher“ aufgelistet, aber keine Spur über den Hintergrund der Produktion. Was steckt immerhin hinter einem Projekt, eine erkleckliche Anzahl von Jahren (hier waren es, beginnend mit 2004, immerhin sieben) immer wieder die Entwicklung eines jungen Künstlers zu dokumentieren, von dem man ja absolut nicht weiß, ob etwas aus ihm wird?

Nun, aus Klaus Florian Vogt ist etwas geworden, so dass die ARD die 50minütige Sendung 2010 einmal gebracht hat, allerdings in einem Nebensender versteckt. Für die nunmehrige DVD-Ausgabe hat man noch schnell den Lohengrin von 2011 dazu geschnitten. Und man kann angesichts der Popularität, die dieser Künstler spätestens seit seinem Bayreuther Stolzing gewonnen hat, mit dieser DVD sorglos in den Verkauf gehen: Mögen auch Kritiker an diesem bemerkenswerten jungen deutschen Heldentenor herumzipfen, es gibt ein großes und treues Fan-Publikum.

Da ist sie, die bemerkenswerte Geschichte dieses um 1970 geborenen Mannes aus Holstein (das Internet gibt vorsichtigerweise kein Geburtsdatum an – früh übt sich, was ein Domingo werden will?). Er war einmal neun Jahre lang Hornist bei den Hamburger Philharmonikern (als solcher hat man gar nicht schlecht verdient) – mit 20 einer der jüngsten im Ensemble und mit einer sicheren Lebensstellung vor sich. Er hat sie verschmäht – und hat die Karriere als Sänger, wie es irgendwann in dem Film heißt, zehn Jahre zu spät begonnen. Risikoreich und anfangs lange nicht so gut bezahlt. Aber es war, wie er sagt, die Idee, 40 Jahre lang im Orchester zu sitzen, die ihn ein wenig erschreckt hat – un zudem hat die Gattin entdeckt, dass er Stimme hat… 2004 steht er dann in Hamburg als Parsifal auf der Bühne – und die ehemaligen Kollegen sitzen im Orchester. Vogt hat reüssiert, er liebt auch das Riskio – sonst hätte er nicht den Pilotenschein gemacht. (Später sollte er eigenhändig von der Geburt eines Sohnes zu einer Bayreuther Generalprobe fliegen…)

Die Anfänge: Als er Sylvia Kröger, eine damals bekannte Musical-Darstellerin, heiratet, ist er bescheiden der Mann an ihrer Seite. Heute ist die Gattin als Mutter seiner vier Söhne beschäftigt und, wie sie zart andeutet, als Eigenperson an den Rand gedrängt: alles dreht sich um Klaus Florian, der mittlerweile zum Star geworden ist. Der Film, der ihm punktuell auf den Fersen blieb, zeigt ihn aber noch in Zeiten, wo er nicht in Luxushotels abstieg, sondern in einem gemütlichen Wohnwagen hauste und sich dort selbst kochte…

Der Film bietet Gespräche mit Frau und Söhnen zuhause in Brunsbüttel (da ist er der Papa, sonst nichts), dem Arzt-Vater, der den Sohn immer noch herbeirufen kann, als Hornist bei häuslicher Kammermusik mitzuwirken, wenn Not am Mann ist. Und immer wieder auch Gespräche mit einem nach und nach spürbar reifer und durchaus auch älter werdenden Klaus Florian Vogt. Es gibt wenig Blabla und eine Menge Substanzielles zu  hören.

Die Crew war in Bilbao bei einer Probe zu „Ariadne auf Naxos“ dabei. Und immer wieder in Bayreuth. Man sieht, wie er mit Dirigenten probt – sorgfältig. Und dann wieder barfuss am Strand. „Ich suche die perfekte Vorstellung“, sagt er von seinem Beruf.

Der blonde Wagner-Tenor mit der schlanken Stimme, der sich weder überfordern noch einengen will (das sah man nicht zuletzt an seiner Bereitschaft, in Wien für Janacek eine relativ kleine Rolle zu singen), wirkt nicht nur sympathisch, sondern auch intelligent. Ambitioniert, aber fest geerdet. Optimales auf der Bühne anstreben und dann nach Hause zur Familie – so braucht die verrückte Welt der Oper einen Künstler nicht zugrunde richten.

Renate Wagner

 

 

 

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