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DVD IL TRITTICO (Modena 2007)

05.03.2012 | dvd

DVD
IL TRITTICO von Giacomo Puccini
Aufgezeichnet im Teatro Comunale di Modena, 8. Februar 2007
ARTHAUS

Im Gegensatz zu dem großen „Quartett“ Puccinis (Boheme / Tosca / Madama Butterfly / Turandot) steht sein „Trittico“ sehr selten auf den Spielplänen der Opernhäuser. Und wenn, dann oft unvollständig (mit drei Werken und zwei Pausen erreicht so ein Abend schließlich auch Wagner-Länge). Aber die oftmalige Hinweglassung des Mittelteils stört natürlich das Gefüge. Denn der Komponist wusste wohl, wie anspruchsvoll es für ihn war (und folglich auch für die Interpreten), jedes Mal einen neuen Ton anzuschlagen – für ein dramatisch-krudes Melodram („Il tabarro“), eine lyrisch-seelenvolle Frauentragödie („Suor Angelica“) und eine hemmungslos-vergnügliche Posse („Gianni Schicchi“). Hat man diese drei auf DVD in einer gelungenen Interpretation beisammen, ergeben sie einen anregenden Opernabend.

Und gelungen kann man diese Produktion des Teatro Comunale di Modena nennen, das inzwischen den Namen des berühmtesten Sohnes der Stadt, Luciano Pavarotti, trägt. Regisseurin Cristina Pezzoli liefert zwar nichts anderes als eine grundsolide psychologische Ausdeutung der drei Teile, wobei nur der dritte dann in jene Groteske überschwappen darf, die vorgesehen ist (samt wildem Kostüme-Karneval). Und all das geschieht in realistischen Bühnenbildern. Aber solcherart werden die Geschichten erzählt, und die Sänger können sich entfalten.

Dabei bietet der Abend etwas, das selten versucht wird – die drei weiblichen Hauptrollen werden von ein- und derselben Sängerin verkörpert. Das nähert sich (ohne die Koloraturen) der Herausforderung an, die drei Frauenrollen im „Hoffmann“ aus einer Kehle zu singen. Amarilli Nizza ist ausgezeichnet als unruhevolle Ehebrecherin Giorgetta im „Tabarro“, sie greift als Herz, wenn sie unter dem Nonnengewand der Suor Angelica die verzweifelte Mutter herausbrechen lässt, reüssiert erstaunlicherweise dann am wenigsten in der dankbarsten Rolle: Aber man hat sie als Lauretta in „Gianni Schicchi“ mit schwarzer Stirnfransen-Perücke auch ziemlich übel hergerichtet, und die stimmlich hier geforderte lyrische Leichtigkeit steht ihr weniger zu Gebote als die Dramatik. Dennoch: eine bemerkenswerte Leistung.

Zweimal steht der dramatische Bariton Alberto Mastromarino im Mittelpunkt, als lauernder Michele im ersten Werk, in ungefähr derselben Schminkmaske als frecher Gianni Schicchi zuletzt. Die tenoralen Liebhaber sind im ersten Werk mit Rubens Pelizzari, im dritten mit Andrea Giovannini (mit alberner roter Lockenfrisur) besetzt, das ist solide italienische Mittelklasse, ebenso wie Annamaria Chiuri, die in der „Suo Angelica“ als die Principessa nicht wie das böse Schicksal schlechthin, sondern einfach wie eine Dame der Gesellschaft mit schlechter Nachricht erscheint, und für die es in den beiden anderen Teilen auch kleine Rollen gibt.

Es ist nicht zuletzt die Personenfülle, die diese Werke für ein Theater so aufwendig macht, darum verdient Modena durchaus ein Kompliment für das Puccini-Trittico. Und da es kaum andere Angebote des Werks auf DVD gibt, werden zumindest Puccini-Freunde danach greifen, zumal Julian Reynolds für eine tadellose musikalische Realisierung sorgt und die Kameraleute von RAI durchaus phantasievoll zu Werk gegangen sind.

Renate Wagner

 

 

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