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DVD ARIADNE AUF NAXOS (Dresden 2001)

27.02.2012 | dvd

ARIADNE AUF NAXOS
Aufzeichnung einer Aufführung der Semper-Oper Dresden, 2001
ARTHAUS

Kinder, wie die Zeit vergeht. Im Jahr 2000 hat Regisseur Marco Arturo Marelli (dessen delikate Inszenierungen auch in Wien bekannt sind, zuletzt für „Capriccio“ von Strauss) an der Dresdner Semperoper die „Ariadne auf Naxos“ herausgebracht, im Jahr darauf wurde sie fürs Fernsehen aufgezeichnet. Nun erscheint sie, geleitet von Sir Colin Davis, auf DVD – kurz bevor die nächste „Ariadne“ auf DVD bevorsteht, die Thielemann’sche aus Baden-Baden. Beide haben übrigens etwas gemeinsam: Sophie Koch in der Rolle des Komponisten. 2001 war sie jugendlich und ernsthaft, 2012 lockenköpfig und stürmisch…

Die Inszenierung von Marco Arturo Marelli ist für die heutige Zeit typisch – die Reduktion auf ein weitgehend modernes Ambiente. Das Vorspiel begibt sich gewissermaßen in den Gesinde-Gefilden, man blickt sogar in die gekachelten Bereiche von Toiletten. Berührend, wie der große Theo Adam als Musiklehrer für die Kunst kämpft, für die Friedrich-Wilhelm Junge als Haushofmeister nur alle Verachtung empfindet.

Die Oper selbst spielt in einem Saal, wo eine Party stattfindet – die Vorstellung von Ariadne & Zerbinetta findet unter geringer Beachtung der trinkenden und plaudernden Herrschaften satt. So, wie dieses Happening gering geschätzt wird, hat Hofmannsthal wohl einst auch die Attitüde der Gesellschaft im Hause des reichsten Mannes von Wien gemeint… Das Regie-Konzept ist ein Dutzend Jahre alt, hält immer noch, ist auf der Hand liegend.

Wie die Zeit vergeht… Theo Adam, heute hoch in den Achtzigern, hat sich von der Bühne zurückgezogen – und die üblichen Protagonisten sind mit Ausnahme der erwähnten Sophie Koch, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befindet, in die zweite Reihe zurück getreten. Die sympathische, wenn auch nicht wirklich aufregende Iride Martinez aus Costa Rica, die damaligen Zerbinetta, ist zumindest ein paar Mal effektvoll an der Seite von Placido Domingo erschienen (Regieidee: Der verliebte Komponist begleitet sie bei ihrer Arie am Klavier…).

Susan Anthony, vor zehn Jahren noch eine hoffnungsvolle US-Diva auf europäischen Bühnen, ist nur noch selten zu hören – und kann sich, offen gestanden, mit dem stimmlichen und persönlichkeitsstarken Glanz einer Renée Fleming nicht vergleichen. Jon Villars (nicht mit dem einst so großen Jon Vickers zu verwechseln) war vor drei Jahren noch Gustav Kuhns Florestan in Erl, hier kommt er mit der schwierigen Rolle des Bacchus einigermaßen ehrenwert zurecht. Eine wirklich große, spektakuläre Besetzung ist es nicht.

Also werden wohl vor allem die Verehrer von Sir Colin Davis zu dieser Version greifen, um sich anzuhören, wie der Dresden so eng verbundene Dirigent Strauss interpretiert – wahrhaft irisierend in allen Schattierungen. Schließlich gilt der inzwischen schon alte Herr (im Herbst wird er 85) seinen englischen Landsleuten als eine der größten lebenden Legenden des Musiklebens, wunderbarerweise nach wie vor aktiv im Konzert- und gelegentlich sogar im Opernleben.

Renate Wagner

 

 

 

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