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DVD AIDA (Florenz 2011 live)

13.05.2012 | dvd

DVD
Giuseppe Verdi: AIDA
Maggio Musicale Fiorentino, 2011,
Live Mitschnitt   ARTHAUS

Es gibt Aufführungen, bei denen man sich fragt, warum sie auf DVD erscheinen, denn sie dokumentieren nichts weiter als Durchschnitt. Die Erklärung ist dann vermutlich einfach – wenn man schon die Kosten einer Fernsehübertragung investiert hat (in Italien ist das so gut wie immer RAI), kann man auch ein paar hundert Scheiben pressen und hoffen, dass die Fans einzelner Sänger und des Dirigenten ja doch zugreifen.

Man muss auch ehrlich sagen, dass die Chinesin Hui He schon seit langem eine sehr gute Interpretin der Aida ist – ihr Exotismus, wenngleich an sich asiatisch, passt sehr schön zur äthiopischen Sklavin, sie ist auch schlanker und damit um einiges attraktiver geworden, sie hat die Dramatik und die Piani und vor allem die Seele für Aidas Leiden. Auch hat sie die Rolle auch so oft gesungen, dass sie spürbar weiß was sie tut. Gegen ihre Innigkeit schneidet Luciana D’Intino als Amneris stimmlich und darstellerisch mit der harten Dramatik der kampfgewohnten italienischen Mezzodiva ins Geschehen.

Marco Berti hat jüngst an der Wiener Staatsoper live einen höchst nachdrücklichen Eindruck hinterlassen, als eine italienische Stimme der nicht alltäglichen Art. Der Radames zählt allerdings schon zu den sehr anspruchsvollen Partien, und am Tag der Aufzeichnung schien Berti nicht in Hochform. Abgesehen davon, dass Verdi die erste Arie rücksichtslos früh ansetzt und die Ausstattung ihn dafür in flapsiger Freizeitkleidung auf die Bühne schickt, was nicht sonderlich gut wirkt, klang er nicht wie jemand, der souverän alle Schwierigkeiten der Rolle umschifft. Er muss sich übrigens weiter lächerlich ausstaffieren lassen – der Pharao setzt ihm im Triumphakt eine europäische Königskrone auf…? Und auch im Lauf des Abends erreicht Berti gesanglich (mit dem gewissen Hochschleifen und Hochpressen der Töne) keine Bestform.

Ambrogio Maestri klingt als Amonasro recht rau und weitgehend forciert (die Rolle verlangt auch viel!), ist aber eine sehr würdige Erscheinung für den „barbarischen“ König (trotz eher alberner Haartracht).

Roberto Tagliavini als König und Giacomo Prestia als Ramfis ergänzten in der gewohnten Unauffälligkeit dieser Rollen, wenn nicht gerade besondere Persönlichkeiten auf der Bühne stehen oder die Regie sie hervorhebt.

Apropos Regie: Ferzan Ozpetek hat da nicht sehr viel geleistet, sein Ausstatter Dante Ferretti hingegen auch nichts, das aber schlecht. Was bitte, machen die Köpfe des Antiochus vom Nemrud Dag (das ist in der östlichsten Türkei!) hier? Sie nehmen neben ein paar pharaonischen Accessoirs eine wichtige Stellung im unwichtigen Bühnenbild ein! Da fragt man sich wirklich, was in den Köpfen von Ausstattern vorgeht, wie ungebildet sie sind oder für wie blöd sie ein Publikum halten? Überhaupt wirkt die ganze Ausstattung ein wenig wie eine Sparfassung. Der Eindruck drängt sich übrigens immer wieder auf  – darf man sagen, dass das Gehopse des Triumphmarsches schlechtweg lächerlich wirkt…

Bleiben wir beim Positiven, das natürlich auch zu finden ist: Die lebenslange Routine eines Zubin Mehta ist  Garantie, dass eine solche Aida musikalisch auf hohem Niveau läuft, keine Frage. Zumindest diesbezüglich hat sich der Maggio Musicale Fiorentino, der doch mehr sein will als ein Provinzfestival, nicht blamiert. Am Ende der DVD, bei der Verbeugungszeremonie, hat man Mehta ein Geburtstagsständchen gebracht. Er war ja wohl auch der unumstrittenste Held des Abends.

Renate Wagner

 

 

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