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DUISBURG; ENSEMBLEKONZERT

25. April: ENSEMBLEKONZERT IM THEATER DUISBURG

 In unregelmäßigen Abständen stellt die Rheinoper ihre Solisten in Konzertabenden vor. Es geht zumeist um die jungen oder neuen Mitglieder des Ensembles. Allein das genügt aber nicht; es müssen immer einige der arrivierten Kräfte hinzugeholt werden. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, daß das Ensemble der DOR fünfundfünf¬zig Sänger umfaßt. Damit erreicht das Zwei-Städte-Institut ein beachtliches Niveau, vergleichbar mit der Kölner Oper und der Staatsoper Stuttgart, gelegentlich sogar der Staatsoper Hamburg oder der Deutschen Oper Berlin. Das oberste Level, etwa der Staatsopern München oder Wien ist jedoch nicht erreichbar. Genralintendant Meyer und Operndirektor Harrison sind zwar stolz auf ihr Ensemble. Es ist aber auch der Negativaspekt anzumerken, dass es etwas langweilig ist, immer wieder dieselben Sänger zu hören und dass es darüber hinaus doch sehr erfreulich wäre, wenigstens hin und wieder die ersten Kräfte der Welt bei der DOR zu erleben.

 Gleichwohl war der Gesamteindruck des besprochenen Abends, nicht zuletzt dank der launigen Moderation von Operndirektor STEPHEN HARRISON und Dramaturg BERNHARD LOGES, erfreulich. Allen voran ist der chinesische Kapellmeister WEN-PIN CHIEN zu erwähnen, der mit den Duisburger Philharmoniker eine fachübergreifend präzise Interpretation mit dem Höhepunkt von Tschaikowskys Polonaise bot. Die Sopranistin SYLVIA HAMVASI stellte sich mit Elsas „Einsam in trüben Tagen“ und „Depuis le jour“ aus Charpentiers LOUISE vor. Dabei fiel eine recht unruhige Stimmführung bei im übrigen guter Technik auf. Bleibt zu hoffen, daß sich hier nicht ein handfestes Tremolo entwickelt.

 Die schwierigste Aufgabe hatte die Rumänin IULIA ELENA SURDU mit der Glöckchen-Arie der Lakmé gewählt. Sie löste die extremen Anforderungen auch in der dreigestrichenen Oktave bravourös, was aber vom Publikum nicht hinreichend gewürdigt wurde, weil das Stück eigentlich nur Insidern bekannt ist. Hätte sie Olympias Couplet gesungen, wäre das bei dem keineswegs nur aus Opernspezialisten bestehenden Publikum sicher besser angekommen. Gleichwohl ist bemerkenswert, mit welchem Temperament diese junge Sängerin auch auf dem Konzertpodium agiert.

DIMITRY LAVROV trat mehrfach in Erscheinung und zwar zunächst mit Wolframs Abendstern-Arie, sodann mit Lunas „Il balen“ und im Duett Posa/Carlo aus dem ersten Akt. Mit seiner Durchschlagskraft kann er sicherlich als Alberich und Pizarro oder auch als Heerrufer reüssieren. Ein Stilist im Sinne eines basso cantante ist er hingegen nicht und kann es mit seinem speziellen Timbre auch nicht werden. Die rumänisch-ungarische Sopranistin BRIGITTA KELE, von Intendant Meyer in der Oper von Klausenburg entdeckt, steuerte die Arie der Manon „In quelle trine morbide“ und Liùs Todesarie bei. Dabei fiel auf, daß die eigentlich sehr schöne Stimme tragfähig ist und lediglich der gelegentlich unsaubere Tonansatz stört. Das ist aber zu beheben.

 Ein Tenor fehlte. Deshalb mußte mit SERGEJ KHOMOV ein alter Bekannter einrücken, der als Partner im Duett Nadir/Zurga mit dem Slovaken RICHARD ŠVEDA und im bereits erwähnen Don Carlo-Duett mit Lavrov wenigstens ein bißchen Tenorglanz verströmte. Ferner war er mit der Lenski-Arie zu hören. Die Polin KATARZYNA KUNCIO sang Ebolis Schleierlied, was doch etwas zweifelhaft ist, wenn man keinen Damenchor zur Verfügung hat. Dieser kontrapunktiert gewissermaßen den Mezzo. Ersatzweise mußte Elena Surdu als Tebaldo einspringen. Mit großem Engagement präsentierte Kuncio sodann noch Charlottes „Werther, Werther! Ces lettres!“ Dabei fiel auf, daß sie dank ihrer Souveränität eine bemerkenswerte Bühnenpersönlichkeit entwickelt.

 Insgesamt war die Programmgestaltung nicht sehr glücklich. Es fehlten die typischen Da-capo-Nummern. Am wenigsten glücklich war die Wahl dreier Tschaikowsky-Stücke zum Ende des Konzerts. Auch wenn NATALIYA KOVALOVA mit ihrem lettischen Partner LAIMONAS PAUTIENIUS ein im wahrsten Sinne des Wortes mitreißendes Finale aus EUGEN ONEGIN auf die Bretter legte. Da standen zwei im positiven Sinne „Rampensäue“ auf der Bühne, die man sich wiederzusehen wünscht.

Klaus Ulrich Groth

 

 

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