Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRIVE

25.01.2012 | FILM/TV

Ab 27. Jänner 2012 in den österreichischen Kinos
DRIVE
USA  /  2011
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Albert Brooks u.a.

Wer oft ins Kino geht, wird der steten Wiederkehr derselben Motive leicht müde. Dass ein Mann kriminelle Taten begeht, nur um einen Verwandten der geliebten Frau herauszuhauen, der in Kalamitäten geraten ist, damit füllt derzeit Mark Wahlberg in „Contraband“ in den USA die Kassen. Darauf müssen wir noch ein paar Wochen warten (sollte nicht schwer fallen), während hier nun in „Drive“ eine ähnliche Geschichte zu sehen ist. Der Film wurde allerdings im Vorjahr beim Festival in Cannes gezeigt, weil er sich entschlossen hat, sein Thema „anspruchsvoll“ anzugehen, und prompt gab es den Regiepreis. Tatsächlich besteht der „Anspruch“ vor allem darin, dass der Hauptdarsteller so unbeweglich dreinsieht wie einst Alain Delon als „eiskalter Engel“. Viel mehr ist es nicht.

Dieser Hauptdarsteller ist allerdings Ryan Gosling, derzeit sicher einer von Hollywoods interessantesten jungen Männern (und aktuell vor allem in den „Ides of March“ an der Seite von George Clooney sehenswert). Man erfährt zwar nichts über den Hintergrund des Helden, der – wie mystisch! – keinen Namen bekommt, wohl aber, dass er ein Doppelleben führt – als Stuntfahrer für den Film und im Nebenverdienst als Fahrer von Fluchtautos bei Raubüberfällen.

Im übrigens ist er so verschlossen wie einsam, bis in das Nebenappartment eine junge Mutter mit Kind einzieht: Niemand, absolut niemand kann auf der Leinwand so mitleiderregend dreinsehen wie Carey Mulligan. Sie schmilzt das Herz des Helden – und als ihr Gangstergatte aus dem Gefängnis kommt und sofort ins Kreuzfeuer der Mafia gerät, der er einiges schuldet, muss der stille Held natürlich einspringen. Und das geht schief, Gott, geht das schief…

Dabei setzt der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn allerdings eher auf etwas verschrobene Psychologie denn auf die Spannung, die solche Stories ja doch verlangen, und so hält sich das prickelnde Action-Interesse in Grenzen. Unter den Schauspielern tauchen ein paar wirklich hässlich glaubhafte Typen auf, etwa Albert Brooks als erschütternd brutaler Gangster. Aber vor allem ist es natürlich Gosling, der den Film zusammen hält. Er ist so überzeugend, dass man ihm an  Ende sogar glaubt, dass er eine Tasche Geld zurücklässt, was ihm nicht einmal ein Achselzucken kostet: Es interessiert ihn einfach nicht… Im Stil der Westernhelden geht er einsam in eine ungewisse Zukunft, nur dass er hierzu kein Pferd, sondern ein Auto in Anspruch nimmt.

Schade, dass nicht einmal die Autohetzjagd-Szenen wirklich zünden… Aber als amerikanische Version eines zeitgemäßen „Film noir“ konnte man damit, wie erwähnt, sogar auf Festivals gehen und Preise ernten.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken