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DRESDEN/Semperoper: MYUNG-WHUN CHUNG EINMAL ANDERS

Dresden / Semperoper: MYUNG-WHUN CHUNG EINMAL ANDERS – 09.01.2013

 Die meisten Opern- und Konzertbesucher kennen Myung-Whun Chung als großartigen Dirigenten. Nach seinem grandiosen Dirigat im 5. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden (8.1.) zeigte sich nun der neue und bisher einzige Erste Gastdirigent des Orchesters von einer ganz anderen Seite – als Pianist und Mitgestalter, zusammen mit anderen Musikern.

 Er selbst bezeichnet sich gern als „Family type“ und liebt auch die Kammermusik. Als ausgebildeter Pianist trat er seit 1967 mit seinen beiden Schwestern Myung-wha Chung (Cello) und Kyung-wha Chung (Violine) als Trio auf. Jetzt trat er zusammen mit Matthias Wollong, dem 1. Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Peter Bruns, dem ehemaligen 1. Konzertmeister Violoncello, als Gast im 4. Kammerabend der Staatskapelle als brillant mitgestaltender Pianist im „Trio für Klavier, Violine und Violoncello H Dur“ op. 8 von Johannes Brahms auf. Man konnte fast meinen, dass es schade wäre, wenn sein Klavierspiel wegen des Dirigierens in den Hintergrund treten muss, wäre er nicht ein so begnadeter Dirigent.

 Zusammen mit seinen beiden ausgezeichneten Partnern, die schon oft mit ihren Solo-Passagen in Opern und Symphoniekonzerten und bei Kammermusik begeisterten, brachte er „Brahms vom Feinsten“ zu Gehör. Das Cello „sang“, die Violine führte und das Klavier sorgte nicht vordergründig, aber doch tonangebend für ein ausgesprochen gutes Zusammenspiel und selten schöne Harmonie zwischen allen drei außergewöhnlich guten Musikern, die wie „ein Herz und eine Seele“ musizierten.

 Im „Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello f Moll op. 34“ von Johannes Brahms“, zu denen sich Jörg Fassmann, ebenfalls Kapellmitglied und 1. Konzertmeister des ensemble frauenkirche sowie Andreas Kuhlmann als Gast gesellten, wurde dieser Eindruck noch verstärkt. Obwohl auch bei diesem Kammerabend der Winter durch krankheitsbedingte Ausfälle für Besetzungs- und Programmänderungen (Hans Werner Henze musste entfallen) gesorgt hatte, und zwei Herren als Gäste eingesprungen waren, spielten doch alle auf der gleichen „Wellenlänge“ und brachten die herbe Schönheit der Brahmsschen Musik so überzeugend zum Klingen, dass dieser Abend zum geistigen Erlebnis wurde.

 Hier war jeder Takt, jeder Ton wichtig im Gesamtgefüge dieses Quintetts. Jedes Instrument, jeder Musiker hatte seinen Platz und seine Bedeutung – und doch, man verzeihe mir, trotzdem einen Musiker hervorzuheben: Peter Bruns mit seinem Cello, bei dem jeder Ton eine besondere Ausstrahlung hatte.

 Nicht zuletzt ging auch bei diesem Kammermusikabend – wie bei seinen Dirigaten – sehr viel Inspiration von Myung-Whun Chun aus.

 Ingrid Gerk

 

 

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