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DRESDEN/Frauenkirche: PFINGSTSONNTAGS-BACHKONZERT

25.05.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/Frauenkirche: PFINGSTSONNTAGS-BACHKONZERT – 24.5.2015

 

Dass Musik der Barockzeit nicht unbedingt ihre größte Wirkung nur auf alten Instrumenten erreicht, bewies einmal mehr das ensemble frauenkirche mit seiner sehr ansprechenden Wiedergabe von J. S. Bachs „Ouvertüre h-Moll“ (BWV 1067) in einer festlichen Pfingstsonntags-Musik der Dresdner Frauenkirche, die ganz im Zeichen Bachs stand.

 Im ensemble Frauenkirche musizieren vorwiegend Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Dresdner Philharmonie. Sie sind mit allen Stilrichtungen vertraut, auch mit der Musik des 17./18. Jhs., und, obwohl sie auf neueren Instrumenten spielen, können sie diese Musik in historisch orientierter Aufführungspraxis mit besonderer Klangschönheit zum Leben erwecken. In dieser gekonnten Symbiose aus Klangsinn und Werkverständnis treffen sie den spezifischen Charakter dieser Musik – besser als manch ein Spezialensemble für Alte Musik.

 Das Kammerorchester trat in relativ kleiner Besetzung auf, doch welche Klangfülle und feine Klangdifferenzierung, die Bachs weltlichen Orchester-Kompositionen so viel Glanz verleihen kann. Dieser besonders feine Instrumentalklang dürfte mit historischen Instrumenten oder ihren Nachbauten kaum zu erreichen sein. Unter der Leitung von Matthias Grünert am Cembalo und mit stilvoll dominierender solistischer Flöte wurde das Werk in raschem, aber durchaus angemessenem Tempo sehr glanzvoll zu Gehör gebracht.

 Von den, von Bach für das Pfingstfest komponierten, Kantaten, dürfte die, mit Pauke(n) und Trompete(n) überstrahlte Kantate (BWV 172) „Erschallet, ihr Lieder, erklinget ihr Saiten“ die beliebteste und am häufigsten aufgeführte sein. Sie erklang zur Freude der Zuhörer auch an diesem Pfingstsonntag, ausgeführt vom Kammerchor der Frauenkirche, dem ensemble frauenkirche und einem, im Oratorienfach erfahrenden, Solistenquartett.

 Ausnahmsweise seien hier die Herren zuerst genannt, in der Reihenfolge ihres Auftritts. Andreas Scheiber sang „Recitativo et Arioso“ (Basso) und die Bass-„Aria“ mit, in allen Lagen ausgewogener, Stimme, Perfektion, ausgezeichneter Textverständlichkeit, Notentreue und Power. Er sang alle Details exakt aus, spannte weite musikalische Bögen und verfolgte alle musikalischen Linien mit äußerster Gewissenhaftigkeit – eine Gesangskultur, die in ihrer Komplexität wirklich allen Anforderungen gerecht wird und bei jüngeren Sängern leider immer seltener anzutreffen ist.

 Mit Stimmkraft und Power sang auch Martin Petzold die Tenor-Arie, ebenfalls um größtmögliche Perfektion, Präzision und Ausdruckskraft bemüht.

 Heidi Maria Taubert, Sopran und Rahel Haar, Alt vereinten ihre Stimmen zum Duett, die Sopranistin mit glanzvoller Stimme und Perfektion, die Altistin mit ehrlichem Bestreben.

 In den rein instrumentalen Passagen bevorzugte Grünert sehr rasche Tempi, denen das Orchester mühelos folgte bis zum kraftvoll triumphierenden Schluss.

 Der Kammerchor der Frauenkirche engagierte sich beim Eingans- und Schlusschor „Erschallet, ihr Lieder …“ und sang den Choral „Von Gott kommt mir ein Freudenschein…“ sehr bewegend und ausgeglichen.

 Zum Abschluss bewies Grünert noch seine Vielseitigkeit mit „Praeludium C‑Dur“ für Orgel solo (BWV 531) von J. S. Bach an der großen Frauenkirchenorgel.

 Ingrid Gerk

 

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