Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Weinbergkirche Pillnitz: LIEDER UND DUETTE MIT JANA BÜCHNER UND ANDREAS SCHEIBNER

07.09.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/Weinbergkirche Pillnitz: LIEDER UND DUETTE MIT JANA BÜCHNER UND ANDREAS SCHEIBNER – 6.9.2015

Konzerte an historischen Orten und in kulturhistorisch bedeutenden Bauten haben immer den Reiz des Besonderen. Raum und Musik gehen dann im günstigen Fall eine Symbiose ein, die beide Künste noch besser erschließen. Ein kleines, aber sehr feines Konzert, war in der Weinbergkirche in Dresden-Pillnitz zu erleben. Idyllisch in den ehemaligen Königlichen Weinbergen am Elbhang gelegen, ist die kleine Weinbergkirche ein Kleinod der Baukunst des Dresdner Barock. Sie wurde einst von J. D. Pöppelmann, dem Baumeister des Dresdner Zwingers, für den Dresdner Hof, der die Sommermonate in Schloss Pillnitz verbrachte, als „Gegenstück“ zur katholischen Hofkapelle im Schloss als evangelische Hofkirche errichtet. Bis zur Wende 1989 dem Verfall preisgegeben, wurde sie durch ein „mächtiges Häuflein“ selbstloser Enthusiasten gerettet und erstrahlt jetzt in neuer alter Schönheit – auch als ein beliebter Aufführungsort von Musik im kleinen, intimen Rahmen.

Zwei „gestandene, vielseitige und sehr beliebte Opernsänger, die sich auch gern dem Oratorium und Liedgesang widmen, Jana Büchner und Andreas Scheibner, gestalteten unter dem Motto „Auf Flügeln des Gesanges“ einen musikalischen Nachmittag, mit Liedern, Duetten und Opernarien, bunt, aber sinnreich gemischt, vielseitig, abwechslungsreich und interessant. Beide verfügen über eine angenehme, tragende und klangvolle Stimme und ausgezeichnete Artikulation und Textverständlichkeit (was leider gegenwärtig nicht mehr selbstverständlich ist).

Die Palette des Dargebotenen reichte von der 2. Hälfte des 18. Jh., vertreten durch Wolfgang Amadeus Mozart („Don Giovanni“) bis zur 1. Hälfte des 20. Jh. mit 2 Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ von Wilhelm Weismann (1900 ‑ 1980). Dazwischen lagen heitere und ernste Lieder und Duette von Felix Mendelssohn-Bartholdy, seiner Schwester Fanny Hensel, seinem Freund Robert Schumann, dessen Freund Johannes Brahms und ein wenig bekanntes Duett von Gioacchino Rossini „Der Fischfang“.

Außerdem war die Oper „ausschnittsweise“ vertreten durch Richard Wagner („Tannhäuser“) und Erich Wolfgang Korngold („Die tote Stadt“) und die Operette durch „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künnecke, der auch Opern schrieb. Last but not least gab es zur Auflockerung auch „ein bisschen Salonmusik“ von Christian Friedrich Emil Horneman (1840 ‑ 1906), einem dänischen Komponisten aus der Zeit, als die Musikbegeisterung „boomte“ und den Weg in die Salons fand. Er schrieb neben Divertimenti, Opernfantasien und Orchesterstücken auch eine Oper „Aladdin“, deren Ouvertüre in einem Gewandhauskonzert in Leipzig aufgeführt wurde. Vor den beiden „Salon“-Duetten aus seiner Feder, die, vorgetragen mit „heiterem Ernst“, das Programm locker aufmischten, kannte ihn jetzt und hier wahrscheinlich kaum jemand – eine kleine „Bereicherung“ des musikalischen „Horizontes“.

Es war ein „bunt gemischtes“ Programm, und doch hatte es Methode, durch die geistreich verbindenden Worte von Andreas Scheibner, neben seinen großartigen Gesangsleistungen auch ein charmanter Sprecher mit sowohl guter Gesangs- als auch Sprechstimme, der als „Conférencier ehrenhalber“ mit Witz, Charme und Intellekt locker plaudernd, sinnreiche „Querverbindungen“ zwischen den einzelnen „Nummern“ herstellte.

Jana Büchner und Andreas Scheibner, die dem Publikum nicht nur durch großartig gestaltete Opernrollen bekannt sind, bewiesen einmal mehr ihre große Vielseitigkeit. Sie nehmen alles gleich ernst, große Oper, Kammeroper, Oratorium und auch die kleine Form des Liedes und der Duette, die sie mit besonderer Zuwendung und Ernsthaftigkeit, aber auch mit viel Sinn für niveauvollen Humor, gestalteten.

Für den herzlichen Applaus bedankten sie sich mit einem scherzhaft als „elegisch“ angekündigten Duett, dem „Katzenduett“ („Duetto buffo di due gatti“) von Rossini, köstlich gesungen und auch ein bisschen gespielt, sie als possierliches, kokettes Kätzchen, er als schnurrender Kater mit kleinem „Faucher“ und anderen neckischen „Zugaben“ bei der Zugabe.

Am Flügel begleitete sehr einfühlsam mitgestaltend Raoul Grüneis, Generalmusikdirektor in Regensburg (2005 ‑ 2009), der Staatsoper Istanbul (seit 2010) und des Mittelsächsischen Theaters Freiberg (seit 2013).

Es war ein schöngeistig-kurzweiliger Musiknachmittag mit Niveau und Humor. Puristen mögen meinen, dass eine solch „bunte“ Mischung schlecht angeht, aber bis in die Mitte des 20. Jh. war es durchaus üblich, dass die berühmtesten Sängerinnen und Sänger „Lieder- und Arienabende“ gaben.

 Ingrid Gerk

 

 

Diese Seite drucken