Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Semperoper: TOSCA

15.04.2016 | Oper

Dresden / Semperoper: „TOSCA“ – 14. 4. 2016      

Frühlingslüfte wehen wieder durch das Land und machen auch vor den Sängern nicht Halt. So kam es, dass Andrej Dobber als indisponiert angekündigt wurde. Man konnte aber mit seinem Scarpia durchaus zufrieden sein. Er war trotzdem der herrschende, egoistische und gefürchtete Scarpia mit kräftiger, sehr klangvoller, bei Bedarf für seine Rolle aber auch expressiver und gewollt harter Stimme, die keinen Widerspruch duldet, ein Polizeipräsident mit Durchsetzungskraft, eine, wenn auch laut Rolle fragliche, Autorität.

Amanda Echalatz erfüllte die Rolle der Floria Tosca, eine ihrer Paraderollen, mit sehr sicherer Stimme in allen Lagen, Ausstrahlung und Anklängen an die italienische Klangwelt. Dmytro Popov war ein Sympathie gewinnender Mario Cavaradossi. Beide sehr zuverlässig, stimmgewaltig und ausdrucksvoll.

Die 41. Vorstellung nach der Premiere wirkte nicht etwa „abgegriffen“ – ganz im Gegenteil, die Sänger konnten alle, auch in den kleineren Rollen wie Matthias Henneberg als Mesner, Timothy Oliver als Spoletta, Bernhard Hansky vom Jungen Ensemble als Scarrione und Julian Arsenault als Schließer überzeugen.

Gute Inszenierungen wie die von Johannes Schaaf mit dem Bühnenbild von Christof Cremer und den farblich gut gewählten Kostümen von Petra Reinhardt, die das Grau der Bühne beleben und das Augenmerk auf die Sänger lenken, kann man immer wieder sehen. Stimmige Inszenierungen, die wirklich den Inhalt einer Oper auf die Bühne bringen, können sich lange halten, ohne die Gunst des Publikums zu verlieren.

Die Einführung einer zusätzlichen stummen Rolle für die Atavanti als reale Gestalt ist zwar aus dem Libretto heraus erdacht, erscheint aber hier überflüssig. Sie könnte sogar den Eindruck erwecken, dass die Eifersucht der Floria Tosca begründet sei.

Seit Claudia Sebastian-Bertsch den Kinderchor der Sächsischen Staatsoper übernommen hat, ist es ein Genuss, den Kleinen zuzuhören, wie sie mit einer Ernsthaftigkeit bei der Sache sind und in sehr guter Abstimmung Klangwirkungen wie die Erwachsenen erzielen, ohne die Unschuld der Kinderstimmen zu verlieren.

Der Sächsische Staatsopernchor Dresden ist bei Jörn Hinnerk Andresen ebenfalls in guten Händen und erfüllte auch hier seine Aufgaben gewissenhaft.

Am Pult stand Paolo Arrivabeni, der sehr viel Wert auf große Lautstärke legte, selbst gleich zu Beginn der Oper, wo doch „die Welt noch in Ordnung scheint“ und die Oper ihren Konflikt gerade daraus bezieht, dass der, aus der Engelsburg entflohene Angelotti, für den Martin-Jan Nijhof ein Gewinn ist, in diese scheinbar ruhige Alltags-Situation hereinbricht und das Unglück seinen Lauf nimmt.

Auch während der gesamten Aufführung gab es seitens Dirigent und Orchester sehr lautstarke Situationen mit harter Pauke, manchmal wie Kanonendonner, der doch nur einmal, wenn der Fluchtversuch entdeckt ist, zu hören sein sollte, aber es gab auch ein sehr schönes, zu Herzen gehendes Violin-Solo.

Der kleine Leopold Reiche vom Dresdner Kreuzchor befand sich als kleiner Hirt in der makabren Situation inmitten des Haufens der Schuhe und Stiefel der Hingerichteten sitzen zu müssen, aus dem erkennbar ist, wie viele es schon waren und was immer an das Gedicht „A Barg Schich“ von Moische Schulstein erinnert. Kein Wunder, dass die Stimme des kleinen Sängers zart im Raum oder entsprechend der Handlung im Morgengrauen verhallte. Ein Kind muss sich in einer solchen Situation doch verloren vorkommen.

Seitens der Sängerin, die sich als einzige Frau inmitten vieler Männer behaupten muss, und der Sänger war es eine durchaus sehens- und vor allem hörenswerte Aufführung.

 Ingrid Gerk

 

 

Diese Seite drucken