Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Semperoper: SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN MIT „THE MUTTER-BRONFMANN-HARRELL-TRIO“

22.04.2016 | Konzert/Liederabende

Dresden /Semperoper:  SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN MIT „THE MUTTER-BRONFMANN-HARRELL-TRIO“– 21. 4. 2016

Nach dem 9. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden setzte der Capell-Virtuos dieser Saison, YefimBronfmannnun seine Auseinandersetzung mit Ludwig van Beethovens Klavierkonzerten in dem Sonderkonzert „Der Capell-Virtuos & Freunde“ mit einem reinen Beethoven-Programm fort, bei dem das „Klavierkonzert Nr. 5 Es‑Dur“ (op. 73), das „Konzert fürKlavier, Violine, Violoncello und Orchester in C-Dur“ (op. 56), das sogenannte „Tripelkonzert“ und die Ouvertüre zu „Coriolan“ (op. 62) erklangen.

Manfred Honeckstand am Pult der Kapelle. Er hatte in der Saison 2011/2012 mit dem Orchester schon Werke von Alfred Schnittke, Wolfgang Amadeus Mozart und AntonínDvořákmusiziert. 

Das 5. Klavierkonzertließ er gewichtig, gewaltig, symphonieartig, mit echt Beethovenscher Kraft einleiten. Die Kapelle entwickelte einen brillanten, opulenten sehr beeindruckenden Klang, der Beethoven aus neuer, und doch bekannter Sicht erscheinen ließ, aber letztendlich wurde es ein „Konzert für Orchester und Klavier“(nicht wie eigentlich umgekehrt)Bronfman hatte es im 1. und 2. Satz nicht leicht, gegen das lautstarke Orchester „anzukämpfen“ und seinen feinsinnigen, die geistigen Tiefen des Werkes auslotenden, Intentionen Gehör zu verschaffen. Es war mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander von Solist und Orchester. Im 3. Satz gab es dann schon eher Gemeinsamkeiten. Für sich genommen war das Orchester durchaus sehr beeindruckend, man hätte gern eine Symphonie in dieser Interpretation unter Honecks Leitung gehört, aber für ein Solokonzert, ein Zusammenwirken von Solist und Orchester, von Tutti und Soli, schien sie in diesem Fall doch nicht angemessen.

Nur mit dem Orchester konnte Honeck die „Coriolan“-Ouvertüre“ muszieren, sozusagen als kurzes „Intermezzo“ zwischen zwei gewaltigen Solokonzerten. Hier war die Einheitlichkeit der Kapelle beeindruckend, wie sie „Schlag auf Schlag“ auf die Vorgaben des Dirigenten reagierte, wenn auch der sonst so sehr feine Klang der Kapelle, der„zwischendurch“, wenn auch selten,zu vernehmen war, dadurch gewisse Härten erfuhr, ein atemberaubendes, rein orchestrales, relativ kurzes  „Zwischenstück“, das sich,wenn auch mit sehr gutem Klang und Brillanz gespielt, zwischen den beiden großen und großartigen Solokonzerten dennoch etwas verlor.

Honeck hatte offenbar vorwiegend den Orchesterteil im Sinn und setzte dort auf starke Effekte. Das „Tripelkonzert“ ließ er mit extrem leisen, fast unmerklichen Tönen beginnen, setzte später aber den Orchesterpart mit entsprechender Lautstärke ungehemmt zwischen den sehr fein abgestimmten Solopassagen von Anne-Sophie Mutter Violine, Yefim Bronfman Klavier und Lynn Harrell Violoncello durch.

Das geniale Zusammenspiel der drei Solinstrumente, die jeweils das Thema solo präsentieren, voneinander aufnehmen, mit- und gegeneinander spielen und sich gegenseitige“ die Bälle zuspielen“, war bei den drei genialen Musikern in den allerbesten Händen. Unwillkürlich gab die Dame, keine Geringere als Anne-Sophie Mutter, den guten Ton an, nicht nur wegen ihrer jugendlich–anmutigen Erscheinung, sondern vor allem mit ihrem großen Können und der zu Herzen gehenden Innigkeit, die ihr Geigenspiel ausstrahlt. Allein die chromatischen Passagen (eine ihrer vielen Stärken) gelangen großartig. Ihre feine Tongebung und ihr inniges, ausdrucksstarkes Spiel führten das „Tripelkonzert“an zu einem einmaligen unverwechselbaren Klangerlebnis mit geistigem „Tiefgang“.

Die drei Solisten, jeder ein brillanter Musiker für sich und ein eingespieltes Team führten innige „Zwiesprachen“mit ihren Instrumenten. Es gab auch entsprechend “markige“ Passagen, wenn es der Partitur entsprach und trotz ernster, angespannter Gesichter der Solisten auch manch„musikalisches Lächeln“. Man hätte sich lediglich etwas mehr Einfühlungsvermögen seitens Orchester bzw. Dirigent gewünscht.

Ingrid Gerk

 

Diese Seite drucken