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DRESDEN / Semperoper: SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN AUS ANLASS DER URAUFFÜHRUNG DER „ALPENSINFONIE“

22.10.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden / Semperoper: SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN AUS ANLASS DER URAUFFÜHRUNG DER „ALPENSINFONIE“21.10.2015

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Neues Konzertzimmer Semperoper. Foto: Matthias Creutziger

Anlass für das Sonderkonzert war ein historisches Datum, um das sich die diesjährigen Richard-Strauss-Tage ranken. Vor 100 Jahren, am 28.10.1915 wurde „Eine Alpensinfonie“, gewidmet „dem Grafen Nicolaus Seebach und der Königlichen Kapelle zu Dresden“, – mit Richard Strauss persönlich am Dirigentenpult – von der damaligen Dresdner Hofkapelle in der alten Berliner Philharmonie uraufgeführt, da in der Dresdner Oper keine Konzertorgel in gewünschter Qualität vorhanden war. Jetzt genügte eine elektronische Orgel.

Strauss hat zwar die meisten seiner Kompositionen mit Widmungen versehen, aber nur zwei einem Orchester zugeeignet. Da Ernst von Schuch, dem Strauss den Erfolg seiner ersten drei Opern verdankte, 1914 überraschend verstorben war, galt die Widmung an dessen Stelle dem Generaldirektor der „Kgl. Musikalischen Kapelle und der Hoftheater“. Mit der „Alpensinfonie“, die bis heute eine exponierte Stellung im Repertoire der Staatskapelle einnimmt, setzte Strauss der schließlich über 60 Jahre währenden Freundschaft zu seinen „lieben Dräsdnern“ ein musikalisches Denkmal.

Jetzt erlebte die „Alpensinfonie“ unter der Leitung von Christan Thielemann eine denkwürdige Aufführung auf höchstem musikalischem und geistigem Niveau. Thielemann und die Sächsische Staatskapelle Dresden, bekannt für ihre außergewöhnlichen Richard-Strauss-Interpretationen, wuchsen noch über sich hinaus. Allein die „himmlischen“ Bläser und guten Streicher, die mit großem Können wie in stummer „Zwiesprache“ mit Thielemann ihr Bestes gaben, faszinierten in jeder Phase, auch mit sehr naturnah tonmalerischen, für Richard Strauss typischen, Schilderungen von Ereignissen und „Begebenheiten“ wie Wind und Regen usw.

Mit Mimik und leichten Gesten deutete Thielemann seine Vorstellungen von einer Passage oder einem Soloeinsatz an, und die Musiker regierten mit ihren Instrumenten genau in seinem Sinne bis zum lange nachklingenden Schluss der Sinfonie mit unbeschreiblich schönem Bläserglanz, der nicht nur „lupenrein“ und außergewöhnlich klangvoll war, bei dem auch viel Seele und musikalisches Empfinden und Werkverständnis mitschwang. Die gesamte Wiedergabe der Sinfonie war ein durchgeistigter musikalischer Hörgenuss und ein außergewöhnliches Erlebnis, von dem die Besucher einhellig schwärmten, es sei die beste und schönste Aufführung dieses Werkes gewesen, und in der Tat, es war alles in allem eine grandiose Aufführung, bei der keine Wünsche offenblieben.

Im ersten Teil des Konzertes gab es bereits einen außergewöhnlichen Höhepunkt. Der hochbetagte, 92jährige Menahem Pressler, der 8 Jahre nach der Uraufführung der „Alpensinfonie“ zur Welt kam und erst kürzlich in Berlin mit dem „ECHO Klassik“ ausgezeichnet wurde, gab sein Debüt in den Kapell-Konzerten. Er saß am Flügel und spielte den Solopart in W. A. Mozarts „Klavierkonzert B‑Dur (KV 595) – und wie er spielte! – mit klarem, klangvollem Anschlag, vergeistigt in einer Welt des ästhetisch Schönen, mit fast jugendlicher Frische und keineswegs „antiquiert“. Bei ihm war dieses Konzert nicht nur klangvolle Wiedergabe, sondern eine Zwiesprache mit dem Genie Mozart in einer vergeistigten Welt, eine Kunst, die unter den jüngeren Pianisten immer mehr verlorengeht. Thielemann sorgte für einen entsprechend zurückhaltenden, aber durchaus mitgestaltenden Orchesterpart, so dass sich der Solopart am Klavier mit dem musikalisch-geistvollen Spiel Presslers „tonangebend“ entfalten konnte – eine phänomenale Leistung und ein unvergessliches Erlebnis, für alle diejenigen, die das Glück hatten, dabei sein zu können.

Ein drittes „historisches“ Ereignis an diesem Abend war die „Einweihung“ eines neuen „Konzertzimmers“, das für Konzerte auf der Bühne aufgebaut wird und nicht nur für ein ansprechendes „Äußeres“ sorgt, sondern auch Einfluss auf die Akustik hat. Zwar gab es seit der Wiedereinweihung der Semperoper (1985) mehrere solcher „Konzertzimmer“ in Weiß mit und ohne Lampen und Türen in einem an Klassizismus angelehnten Stil, aber deren Akustik lässt zu wünschen übrig und ist für zeitgemäße HD-Fernsehaufzeichnungen ungeeignet. Mit diesem neuen, ganz in Farben und Stil des Zuschauerraumes der Semperoper gehaltenen, Konzertzimmer nach ursprünglichen Plänen von Gottfried Semper geht ein lang gehegter Wunsch der Kapelle in Erfüllung. Es ist nicht nur eine optische Bereicherung als architektonische Fortführung des Zuschauerraumes, ausgeführt von zwei Firmen aus Mailand, sondern auch eine sicht- und hörbare Verbesserung der Raumgröße für das Orchester und  der Akustik.

 Ingrid Gerk

 

 

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