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DRESDEN/ Semperoper: RUDOLF BUCHBINDER MIT DREI KLAVIERKONZERTEN VON LUDWIG VAN BEETHOVEN IM SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE

04.03.2019 | Konzert/Liederabende

Dresden / Semperoper: RUDOLF BUCHBINDER MIT DREI KLAVIERKONZERTEN VON LUDWIG VAN BEETHOVEN IM SONDERKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE – 3.3.2019

Rudolf Buchbinder beschäftigt sich bereits seit seiner frühen Jugend mit Ludwig van Beethovens Œuvre. Dessen Klavierkonzerte und Sonaten, sind seine „Spezialität“. Unvergessen ist sein Sonaten-Zyklus (mit CD-Einspielung) in der Semperoper. Die Klavierkonzerte hat er schon mit allen bedeutenden Orchestern aufgeführt, darunter auch schon mehrmals mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und sie dabei auch selbst geleitet. Er und die Kapelle haben schon oft zusammen musiziert und sind mittlerweile so aufeinander eingestimmt, ja miteinander „verwachsen“, dass sie sich „blind“ verstehen und es eigentlich keines Dirigenten mehr bedarf.

Buchbinders Dirigierbewegungen „mit links“ im wahrsten Sinne des Worte, d. h. (nur) mit der linken Hand, wenn er als Solist Pause hat, sind dann mehr ein gegenseitiges Einvernehmen, eine Bestätigung dessen, wie die Kapelle auch von sich aus spielt. Mehr ist da nicht nötig. Er steht dazu nicht auf (wie András Schiff). Das würde die innere Ausgeglichenheit und Harmonie zwischen Solist und Orchester nur stören. Er konzentriert sich vor allem auf sein solistisches Klavierspiel.

Man meint Beethoven und seine Klavierkonzerte zu kennen, und doch erlebt man sie bei Buchbinder immer wieder neu und ein wenig anders, obwohl er sich stets treu bleibt. Er experimentiert nicht, sondern vertieft sich stets aufs Neue in Beethovens kompositorische Gedankenwelt, so dass sich daraus folgerichtig, nicht zuletzt auch von der Tagesform abhängig, immer wieder eine etwas andere Sicht ergibt. Man erkennt Details neu, die man vorher weniger wahrgenommen hat. „Nach wie vor bringt die Auseinandersetzung mit dem Klavierwerk Beethovens auch mich noch zum Staunen“, bekennt er selbst.

An diesem Staunen konnten die Konzertbesucher erneut im Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle, einer Matinee, teilhaben, bei der er die zwischen 1788 und 1806 entstandenen Klavierkonzerte „Nr. 2 B‑Dur“ (op. 19), Nr. 4 G‑Dur (op. 58) und Nr. 3 c‑Moll (op. 37) – in dieser Reihenfolge – spielte und „leitete“. Die Nachfrage war groß und kein leerer Platz im Zuschauerraum der Semperoper zu entdecken.

Mit diesen drei Klavierkonzerten wurde auch die kompositorische Entwicklung dieses Genres auf dem Weg des schöpferisch reichen Lebens Beethovens plastisch nachgezeichnet. Während das Klavierkonzert „Nr. 2“ (wie auch „Nr. 1“) noch W. A. Mozart nahe steht, ohne Beethovens eigenen Stil zu verleugnen, „Nr. 3“ als Beethovens erstes Klavierkonzert mit sinfonischen Merkmalen gilt, das der Gattung aus dem Salon in den Konzertsaal verhelfen sollte, begünstigt durch Fortschritte im Klavierbau, schlägt „Nr. 4“ schon Brücken zur nachfolgenden Epoche der Romantik.

Beethoven zählte sein 2. Klavierkonzert nicht zu seinen besten Werken. Dennoch ist es auf Grund seiner unbestrittenen Qualitäten, auch heute noch in den Konzertsälen vertreten und ließ in der Interpretation von Buchbinder und der Kapelle nichts zu wünschen übrig. Buchbinder beeindruckte bei allen drei Klavierkonzerten mit seinem „flüssigen“ Spiel, seinem oft „perlenden“ Anschlag, lockeren Trillern und „hexenkünstlerischen“ Läufen, bei denen trotz Schnelligkeit jeder Ton klar wahrnehmbar blieb, und sehr schönem, klangvollem piano in den langsamen Sätzen. Anstelle der vielen später hinzugefügten Kadenzen von Eugen d’Albert, Wilhelm Backhaus, Johannes Brahms, Wilhelm Kempff u. a. entschied sich Buchbinder für die, für Erzherzog Rudolf hinzugefügte Original-Kadenz, die durch ihre relative Einfachheit sehr modern anmutete.

Im 4. Klavierkonzert trübten leider einige, bei der Kapelle völlig ungewohnte Misstöne des Horns (Akademist?) die Harmonie und im 3. Klavierkonzert die laute, harte Pauke, was jetzt zwar „in“ ist, aber nicht so recht zu der einvernehmlichen Harmonie zwischen Solist und Orchester passen wollte und den sonst so guten Gesamteindruck, der mit ausgewogenem Klang bestach und bei dem manche Passage geistvoll „ausgekostet“ wurde, etwas beeinträchtigte.

 Dennoch war es ein eindrucksvoller Konzertvormittag und das Publikum vollauf zufrieden, das mit seinem euphorischen Beifall auch seine Freude zum Ausdruck brachte, Beethoven in so konzentrierter Form zu erleben.

Ingrid Gerk

 

 

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