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DRESDEN/ Semperoper: LEGENDEN – HOMAGE AN RICHARD STRAUSS. Ballett im Rahmen der „Richard Strauss-Tage““

13.11.2014 | Ballett/Tanz

Dresden / Semperoper: RICHARD-STRAUSS-TAGE: „LEGENDEN – HOMAGE AN RICHARD STRAUSS“ – BALLETT  – 12.11.2014

 

Im Rahmen der Richard-Strauss-Tage steht neben z. T. hochkarätig besetzten Opernaufführungen auch mehrmals ein Ballettabend auf dem Programm, der 2 Ballettkompositionen von Richard Strauss, neu choreografiert, vereint, die „Tanzsuite“, in der Choreografie von Alexei Ratmansky, der erstmals in Dresden ein Ballett auf die Bühne gebracht hat, und „Josephs Legende“, choreografiert von Stijn Celis, der in Dresden bereits seine Version von S. Prokofjews „Romeo und Julia“ präsentiert hat (Uraufführung: 28.6.2014).

 Ratmansky realisierte Strauss‘ Musik nach Klavierstücken von Francois Couperin für kleines Orchester als eine Art neoklassizistisches Ballett auf der Grundlage von klassischem Spitzentanz in Verbindung mit fließenden, geschmeidigen Bewegungen der Romantik und Elementen des Ausdruckstanzes. Die einzelnen Tanzsätze: „Einzug und feierlicher Reigen (Pavane)“, „Courante“, „Carillon“, „Sarabande“, „Gavotte“, „Wirbeltanz“, „Allemande“, und „Marsch“ setzte er offenbar mit Vorliebe in gleichmäßige Tanzformationen mit gemäßigten Anforderungen, aber ständiger Dynamik um, unterbrochen durch einige anspruchsvollere Soli und Pas de deux.

 Alle Ensembleszenen beginnen immer wieder ähnlich in diesen einheitlichen Formationen in rechteckiger Anordnung, wenn auch sehr zügig, dynamisch und temporeich. Es ist immer alles in Bewegung, die Gruppen lösen einander ab und trotzdem konnte man sich des Eindrucks eines gewissen Gleichmaßes nicht entziehen, das durch die einheitlich hellen weißen Kostüme der Tänzerinnen und gleichen weißen Anzüge der Tänze (Kostüme: Yumiko Takeshima) unterstrichen wird. Als einziges Bühnenrequisit fungiert eine gleichmäßige Anordnung vieler kleiner runder Deckenleuchten „in Reih und Glied“, die ab und an durch unterschiedliche Beleuchtungseffekte (Licht: Patrik Bogardh) variieren. Mit wenigen Ausnahmen gab es vorwiegend Hebefiguren nur bis zur Hüfte und von den 8 Tanzsätzen 7 mit Ensemble, aber sehr diszipliniert und mit Anmut ausgeführt vom Semperoper Ballett.

 Das Semperoper Ballett kann aber auch mehr. Man denke nur an die klassischen Ballette mit ihren neuartigen, technisch äußerst schwierigen Kombinationen, die das Ballett meisterhaft bewältigt. Solisten wie Elena Vostrotina, Gina Scott, Julia Weiss, Raphael Coumes-Marquet, Denis Veginy und Julian Lacey schienen in dieser Choreografie technisch etwas unterfordert, verliehen ihr aber durch ihr Können und perfekte Ausführung mit entsprechend perfekter Körperhaltung dennoch Anmut und Eleganz. Was auch Ratmansky wichtig ist, alle Schritte waren direkt mit der Musik verbunden – auch eine besondere Spezialität dieser leistungsstarken Ballettcompany.

 Ganz anders präsentierte sich „Josephs Legende“ in nur einem, aber umfangreichen Akt, seinerzeit komponiert und choreografiert für die Ballets Russes auf der Grundlage der Geschichte von Potiphars Frau mit einem Libretto von Hofmannsthal und Kessler, hier in der Choreografie von Stijn Celis. Bei seiner Choreografie sind die Tanzenden stark gefordert. In einer perfekten Mischung aus Spitze und Ausdruckstanz, unterstützt durch Kostüme in gekonnter Farbigkeit (Kostüme: Catherine Voeffray) und einzelnen kahlen, aber funktionsgerechten Schiebewänden wird orientalisches Flair vermittelt. Ein großer, von oben herabhängender, sich in unterschiedlichem Tempo durch Lichteffekte scheinbar in alle Richtungen um die eigenen Achsen „drehender“ Oktaeder bewegt sich wie nach Zufallsprinzip und dürfte die „bewegten“ Ereignisse am Hof des Potiphar und die damit für Joseph sehr schroff wechselnde Situationen symbolisieren (Licht und Bühne: Jens Seithzman). Natürlich darf auch ausgiebige Gewalt nicht fehlen, die hier breit „ausgelebt“, aber von Jiri Bubenicek in meisterhafter Darstellung, einzigartiger Körperbeherrschung und Ausdrucksstärke kompensiert und zum atemberaubenden Moment wird.

 Eine Glanzleistung vollbrachte auch Svetlana Gileva als Potiphars Weib in sehr anspruchsvollen und ausdrucksstarken Tanzdarstellungen mit ihrer extremen Körperbeherrschung, Leistungs- und Ausdrucksfähigkeit. Elena Vostrotina beeindruckte als Engel, und Hannes-Detlef Vogel bestimmte oft mit wenigen, aber ausdrucksvollen Bewegungen das Bild als Scheich.

 Paul Connelly leitete die Sächsische Staatskapelle Dresden. Während die „Tanzsuite“ entsprechend graziös und durchsichtig „untermalt“ wurde, wurde das Bühnengeschehen in „Josephs Legende“ oft lautstark und dramatisch unterstrichen.

 Ingrid Gerk

 

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