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DRESDEN/ Semperoper: LA DIRINDINA von Giovanni Battista Martini – Premiere

07.03.2012 | KRITIKEN, Oper

Dresden/Semperoper: „LA DIRINDINA“ – 04.03.2012 Pr.

In der geplanten Reihe barocker Intermezzi hatte nun das 2. Stück, „La Dirindina“ von Giovanni Battista Martini Premiere, ergänzt durch Musik aus Werken von Nicolò Jommelli und Georg Friedrich Händel und – John Kander. Auf der Bühne steht der gleiche Bühnen-(Treppen)Aufbau wie beim 1. Intermezzo, J.A. Hasses „Il Tutore“ (Pr. 03.10.2010), aber es passt (Bühne: Arne Walther). Die Opernhäuser müssen jetzt sparen. Da ist es verständlich, dass manches Ausstattungselement wieder verwendet wird. Die barocken Intermeszzi ähneln sich ohnehin im Sujet. Eine Art Einbauschränke zum Verstecken des Liebhabers u. ä. wirken etwas kleinlich. Das kann auch ein später einbezogener Vorhang mit „barockem“ Gemälde nicht wirklich ändern.

Die Kostüme (Frauke Schernau) boten kaum Neues, außer dass Jacke und Weste des Musiklehrers Don Carissimo, der von der Diva bei seinen Annäherungsversuchen immer wieder zurückgestoßen wird, durch dessen zahlreiche „Stürze“ im Rücken „aufgerissen“ werden, was in Zeiten korrekter bürgerlicher Kleidung vielleicht noch komisch wirkte. Derbe Späße waren in der Barockzeit, besonders in den „Pausenfüllern“, den Intermezzi üblich. Heutzutage empfindet wahrscheinlich kaum noch jemand Schadenfreude als die schönste Freude. Das Publikum ist anspruchsvoller geworden.

Aaron Pegram meisterte als der alte, eifersüchtigte, und am Ende natürlich geprellte Musiklehrer seine inszenierungsbedingten Stürze und sonstige Capriolen sehr sportlich, stimmlich und darstellerisch hätte man sich jedoch etwas mehr gewünscht.

Christa Mayer ist in ihrer natürlichen, aufrichtigen Wesensart von Haus aus bestimmt keine eitle, selbstsüchtige Diva, abe mit auffallend warmem, rundem Ton und beonders schöner Tiefe. Bei der Darstellung versuchte sie, sich bestmöglich mit ihrer Rolle zu identifizieren.

Ihr zur Seite stand als Begleiter und jugendlicher Liebhaber mit Valer Barna-Sabadus ein perfekter, ausgesprochen klangschöner Countertenor mit sehr leichter, hoher Stimme auf der Bühne. Er konnte mühelos allen Anforderungn gerecht werden. Aus heutiger Sicht scheinen da die Rollen vertauscht, wenn die Diva mit dunkler Stimme brilliert und der jugendliche Liebhaber in höchten Tönen mit klangvoller „Frauenstimme“ singt, aber wie es eben in Barockoperrn zuweilen so zugeht – vieleicht auch ein Monent des Witzes.

Die unter der Leitung von Felice Venanzoni (bis auf eine gelegentliche Unstimmigkeit) sehr stilvol musizierende Capella Sagittariana Dresden sorgte für ein gutes musikalisches Fundament.

Eigentlich handelt es sich zwar um ein Drei-Personenstück, aber neben einigen Statisten wirken auch ausgesucht hübsche junge „Girls“ mit, die in verfremdenden Tanzeinlagen zu dem beliebten Couplet vom „Money, Money“ aus „Cabaret„, das immer aktuell ist, aber jetzt ganz besonders, ein Stück Moderne mit ein – für „Insider“ natürlich ein Spaß besonderer Art.

Mit seiner Inszenierung bringt Alexander Brendel ein einfaches, nettes 65minütiges Stück mit sehr traditioneller Komik und moderner „Aufhellung“ auf die Bühne, aber viel mehr auch nicht. Diese Farsetta per Musica ist eben (sehr) leichte Kost, wobei sich in den weiteren Aufführungen noch manches „zusmmenraufen“ und „fließender“ werden kann.

Ingrid Gerk

 

 

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