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DRESDEN/ Semperoper: DORINA E NIBBIO von Domenica Sarro/ CONTRASCENA von Lucia Rochchetti

11.02.2013 | KRITIKEN, Oper

Zwei Opernintermezzi in Dresden: „Dorina e Nibbio“ von Domenico Sarro und „Contrascena“ von Lucia Ronchetti (Vorstellung: 10. 2. 2013)


Für turbulente Szenen auf der Bühne sorgten Gala El Hadidi und Pavol Kubán, die mit ihrem temperamentvollem Spiel das Publikum begeisterten (Foto: Matthias Creutziger)

 Schon in der dritten Spielzeit hintereinander bringt die Semperoper in ihrer Reihe „Intermezzi“ eine Opernrarität aus der Barockzeit: „Dorina e Nibbio“ des neapolitanischen Komponisten Domenico Sarro (1676 – 1744), das 1724 in Neapel uraufgeführt wurde. Als „Zwischenspiel“ kam ein Auftragswerk der Semperoper Dresden zur Aufführung, das die italienische Komponistin Lucia Ronchetti (geb. 1963) schrieb: „Contrascena“, ein kurzes A-Cappella-Stück für Bariton und Vokalensemble, das als „Intermezzo im Intermezzo“ fungierte.

 Die Handlung des Werks von Sarro, dessen Libretto Pietro Metastasio verfasste, in Kurzfassung: Dorina erwartet in heller Aufregung den Besuch des ausländischen Impresarios Nibbio, der für sein Theater auf den Kanaren eine Sängerin sucht. Sein Auftreten und sein musikalisches Verständnis irritiert Dorina, doch die Aussicht auf ein überdurchschnittliches Honorar bleibt verlockend. Nach einer Kostprobe ihres sängerischen und schauspielerischen Talents ist Nibbio, der auch Arien zum Besten gibt, hingerissen von ihr und will auf jede ihrer Bedingungen eingehen. Spöttisch schraubt Dorina ihre Forderungen in aberwitzige Höhen, um den windigen Impresario letztlich hinauszuweisen. Doch nun lässt sich Nibbio nicht mehr abwimmeln, gesteht ihr seine Liebe und wird zudringlich. Aber Dorina weiß sich zu wehren und zertrümmert eine Sektflasche auf seinem Kopf.

 Wie in der vorigen Saison war die Bühne von Arne Walther wieder vor dem Vorhang der Semperoper als Minitheater aufgebaut, wobei das Orchester auf der linken Seite platziert war und die Darsteller auf der rechten Seite spielten. Die zu beiden Intermezzi gut passenden Kostüme entwarf Frauke Schernau. Für die Lichteffekte sorgte Fabio Antoci.

 Der Countertenor Axel Köhler, seit 2009 künstlerischer Leiter der Oper Halle (sie ist Koproduzentin dieser Produktion) und seit 2000 auch als Regisseur erfolgreich, inszenierte die beiden Intermezzi sehr komödiantisch, was den Darstellern der Dorina und des Nibbio offensichtlich zugutekam, konnten doch beide ihrem Spieltrieb auf lustvolle Weise freien Lauf lassen.

 Als Dorina bezauberte die ägyptische Mezzosopranistin Gala El Hadidi, die bereits mit 18 Jahren festes Ensemblemitglied der Oper Kairo wurde und seit der Spielzeit 2012 / 13 dem Ensemble der Semperoper angehört. Sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch füllte sie ihre Rolle auf humorvolle Weise perfekt aus. Als idealer Bühnenpartner erwies sich der slowakische Bariton Pavol Kubán als Nibbio. Er stellte einen eitlen, von sich eingenommenen Impresario dar, wobei er mit seiner wandlungsfähigen Stimme und seiner unglaublichen Körperbeherrschung sowie durch sein komödiantisches Spiel das Publikum begeisterte.

 Als Intermezzo des zweiteiligen Stücks von Domenico Sarro kam nach einem Gewittersturm des Orchesters „Contrascena“ von Lucia Ronchetti zur Aufführung: In dieser A-Cappella-Komposition für Bariton und Vokalensemble tritt Metastasio, der wohl bedeutendste Librettist der Opera seria, persönlich auf und stellt sich seinen wirren Gedankensplittern, die ihn umkreisen, sticheln und ihre spitzen Zungen in seine Wunden stecken. Diese Rolle gestaltete der deutsche Bass Roland Schubert bühnenwirksam und ironisch. Man hatte den Eindruck, dass er eben aus dem Jenseits zurück auf die Bretter der Semperoper gekommen war, um über seine Texte des Intermezzos zu philosophieren. Ihm zur Seite standen als Personifizierung seiner Gedanken die Sopranistin Diana Tomsche, die Mezzosopranistin Svea Verfürth, der Tenor Christopher Kaplan und der Bass Masashi Mori, die allesamt rollengerecht agierten.

 Zur Musik seien ein paar Zeilen aus einem im Programmheft abgedruckten Beitrag der Komponistin Lucia Ronchetti zitiert: „Der harmonische Aufbau von »Contrascena« erinnert an die »spekulative«, vielschichtigere Instrumentalmusik am Ende des 17. Jahrhunderts. So entsteht ein Kontrast zwischen der rhythmischen und leichteren Musiksprache Sarros in seinem Intermezzo und den »tieferen« Gedanken Metastasios. Der daraus resultierende Klang soll annähernd Metastasios wirkliche Musikerlebnisse zu dessen Lebzeiten imitieren.“

 Die musikalische Leitung der Vorstellung hatte Felice Venanzoni inne, der das zehnköpfige Orchester, das aus Mitgliedern des Händelfestspielorchesters Halle gebildet wurde, sehr einfühlsam dirigierte und bei einigen Scherzen der Darsteller humorvoll mitspielte.

 Das von der etwa einstündigen Aufführung begeisterte Publikum, das auch mit Szenenbeifall nicht geizte, applaudierte am Schluss allen Mitwirkenden minutenlang.

 Udo Pacolt, Wien – München

 

 

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