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DRESDEN/ Semperoper: DON CARLO mit Rene Pape

27.02.2016 | Oper

Dresden / Semperoper: „DON CARLO“ MIT RENÉ PAPE 26.2.2016

Nachdem drei Tage zuvor eine von drei Aufführungen der „Walküre“ vor allem wegen des wunderbaren instrumentalen Teils durch die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann für Aufsehen gesorgt hatte, schien sich das jetzt in fast ähnlicher Weise bei „Don Carlo“ zu wiederholen, so hinreißend schön musizierte die Kapelle – mit allen Feinheiten vom feinsten Pianissimo bis zum kraftvollen Fortissimo. Paolo Arrivabeni hielt sich am Dirigentenpult zurück und setzte nur in sich sehr dramatisch zuspitzenden Situationen der Handlung auf kraftvolle Lautstärke. So sollte Oper sein!

Schon zu Beginn wurde im Orchestergraben mit einem sensiblen, bewegend gespielten ersten Instrumental-Solo, in das andere Instrumente in gleicher Weise einstimmten, nachdrücklich auf die Handlung eingestimmt, quasi im Orchestergraben die Tragik der Handlung vorwegnehmend. Das Orchester bildete die beste Grundlage der Aufführung. Hier schien ein (sehr) gutes Beispiel Schule zu machen. Das Orchester „trug“ auch hier die Aufführung und regte die Protagonisten auf der Bühne an, ihr Bestes zu geben.

Die Inszenierung (Eike Gramss) kommt mit einem spartanischen Bühnenbild aus, mit sehr wenig bzw. fast nichts. Die Bühne schwarz, an der Seite eine „Lamellenwand“ als „Gassen“ und Hubpodien für die handelnden Personen, mit denen die Standesunterschiede und Stimmungslagen zum Ausdruck gebracht werden, wird durch die aufwändigen Kostüme und wirkungsvollen Beleuchtungseffekte (Jan Seeger) die Handlung geschickt unterstützt und illustriert (Bühne und Kostüme: Gottfried Pilz). Diese gekonnt abgestimmte Kombination unterstreicht vor allem die Musik und rückt sie in den Vordergrund, statt sie zu ersticken (wie andere Inszenierungen).

Auf der Bühne hinterließ René Pape als Filipo II. Philipp von Spanien den stärksten Eindruck. Er hat alle Voraussetzungen für diese Rolle und war ein König durch und durch. Sehr gut bei Stimme, beherrschte er die Balance vom kraftvollen Forte als Ausdruck des Machtanspruchs, der in seiner Unerbittlichkeit keinen Widerspruch duldet, bis zu den feinen, leisen Tönen für den traurigen Ausdruck einer menschlichen Seele, die auch in einem König noch nicht ganz aus „Staatsräson“ erloschen ist und in der bravourös gesungenen großen Arie, gipfelte, als er  „resigniert“ und mit intensivem Ausdruck sang: „Sie hat mich nie geliebt“.  

Etwas „verwässert“ wurde der großartige Eindruck lediglich durch die Regie, die die Eboli vor der Arie wie nach einer intimen Begegnung stumm und enttäuscht davonschleichen lässt, was zwar nicht der Handlung widerspricht, in dieser Situation und Unmittelbarkeit aber doch den Gesamteindruck etwas trübt. Man kann es akzeptieren, aber weniger wäre hier wahrscheinlich doch mehr gewesen.

Etwas zurückhaltend wirkte zunächst Barbara Haveman als Elisabetta di Valois,  wirklich jugendlich und unschuldig, eher schüchtern statt einer würdevollen Königin, aber sie bewältigte ihre Partie gesanglich gut, wenn auch weniger berührend, zu sehr war sie (noch) auf die  gesangstechnische Seite orientiert.

In starkem Kontrast dazu erschien die Stimme von Ekaterina Gubanova als Prinzessin Eboli am Anfang, wenn sie noch keine Intrigen spinnt, sehr kühl und auch hart, später, wenn sie ihre rachsüchtige Seele zeigt, weicher und ansprechender, aber sie berührte kaum, auch nicht in ihrer bitteren Reue.

Im Gegensatz zu René Papes Filipo, der laut Handlung dem vielleicht schon älteren, aber unerbittlichen Großinquisitor letztendlich unterlegen ist, hatte man bei Michael Eder als Großinquisitor stimmlich und auch darstellerisch eher einen gegensätzlichen Eindruck. Furcht und Schrecken gingen von ihm jedenfalls nicht aus.

Mit lauter Stimme, mit der er große Opernhäuser füllen kann, versuchte Massimo Giordano in italienischer Manier, aber mit wenig „Schmelz“ oder gar Glanz in der Stimme der Rolle des Don Carlo gerecht zu werden und ließ sich am Ende feiern, aber seine Stimme harmonierte trotz gegenseitiger Rücksichtnahme in dem berühmten Duett Don Carlo/Rodrigo ganz und gar nicht mit der warmen, geschmeidigen Stimme von Christoph Pohl, bei der alles mühelos „fließt“ und der in seiner „Todesszene“ sowohl stimmlich als auch darstellerisch stark berührte.

Ihrer Rolle entsprechend zurückhaltend und dezent sangen und agierten Angela Liebold als Page der Elisabetta, Gerald Hupach als königlicher Herold, Peter Lobert als Mönch und Timothy Oliver als Conte di Lerma. Als Stimme von oben fehlte Menna Cazel vom Jungen Ensemble noch etwas mehr stimmliches Durchsetzungsvermögen und Ausstrahlungskraft.

Es war eine Repertoire-Aufführung, die 39. nach der Premiere (12.10.2003), aber dank René Pape, Christoph Pohl und der Sächsischen Staatskapelle, die Verdis Musik so feinsinnig „herüberbrachte“, war es eine bewegende Aufführung, die in Erinnerung bleibt.

Ingrid Gerk

 

 

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