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DRESDEN/ Semperoper: 9. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN – EINMAL MIT „ALTER MUSIK“ UNTER TON KOOPMAN

27.04.2022 | Konzert/Liederabende

 Dresden / Semperoper: 9. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN – EINMAL MIT „ALTER MUSIK“ UNTER TON KOOPMAN – 26.4.2022

Es müssen nicht immer die Favoriten Wagner, Strauss und Bruckner sein, mit deren Werken die Sächsische Staatskapelle Dresden ihre besondere Qualität unter Beweis stellt. Die Musiker widmen sich auch gern einmal Musik aus Klassik und Barock.

Im 9. Symphoniekonzert stand Ton Koopman, der Spezialist für Barockmusik und Leitfigur in der Bewegung der historischen Aufführungspraxis, am Dirigentenpult und brachte mit einer, im 17./18. Jahrhundert üblichen, „kleinerer Besetzung ein sehr publikumswirksames Programm „aus alter Zeit“ zur Aufführung, mit dem die Kapelle sozusagen auch an ihren früheren Ruf weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus erinnerte.

Am Beginn stand die mitreißende, publikumswirksame „Orchestersuite Nr. 4 D‑Dur“ (BWV 1069) von Johann Sebastian Bach, die in zügigem Tempo, ohne zu übertreiben, sehr transparent und mit barocker Stufendynamik, aber auch etwas zu lauter Pauke wiedergegeben wurde. Der nach französischem Vorbild ausgedehnten „Ouvertüre“ folgten leicht und „luftig“, tänzerisch und spielerisch „Bourrée I und II, die beschaulichere „Gavotte“ in behutsamerem Tempo und mit besonders schönem Streicher-, aber sehr hartem Trompetenklang, der gemessen „dahinschreitende“ Satz mit „Menuett I und II“ und die wieder in rasantem Tempo die, die Suite abschließende, „Réjouissance“.

Wenn sich Koopman in Alte Musik vertieft, kennt sein Temperament kaum Grenzen. Er lebt in dieser musikalischen Welt und erfüllt sie mit Leben. Wiener Klassik ist für ihn schon „modern“, aber er widmete sich auch mit Engagement Joseph Haydns „Sinfonia concertante B-Dur“ (Hob. I:105), bei der vier Solisten aus den Reihen der Kapelle, die auch international mit renommierten Orchestern als Solisten zusammenarbeiten, mit ihrem Können hervortraten: der Erste Konzertmeister, Matthias Wollong, der Konzertmeister Violoncelli, Norbert Anger, die Solooboistin Céline Moinet und Solofagottist Thomas Eberhardt, auch hier wieder mit sehr schönem Streicherklang und etwas schrillen Trompeten im tutti.

„Per l’orchestra di Dresda“, steht auf dem Deckblatt der Partitur eines „Concerto g‑Moll“, das Antonio Vivaldi vor 300 Jahren, vermutlich in den 1720er-Jahren, für die damalige Dresdner Hofkapelle schrieb und damit seine Wertschätzung zum Ausdruck brachte. Er war selbst nie in der Residenzstadt an der Elbe, die Verbindung entstand über seinen Schüler Johann Georg Pisendel, der bis 1755 Konzertmeister der Hofkapelle war.

Den furiosen Abschluss bildete die fast „überschäumende“ „Feuerwerksmusik D-Dur“ (HWV 351) von Georg Friedrich Händel mit Pauke und Trompeten, wobei auch hier wieder der herbe Trompetenklang (der die Geräusche des Feuerwerks gleich mit zu übernehmen schien) nicht so recht zu dem festlichen Glanz der Streicher, den sauberen Hörnern und dem warmen, schönen Klang der Holzbläser passen wollte.

„Nebenbei“ wurde an diesem Abend der langjährige Solohornist der Staatskapelle, Erich Marquart, nach 33 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Es gab Zeiten, da ließ es sich der Intendant des Hauses nicht nehmen, ein Kapellmitglied auf der Bühne mit netten Worten – auch für das Publikum gut hör- und sichtbar – zu würdigen. Jetzt geschieht das ganz im Stillen, indem ein Vertreter der Kapelle still und leise zu dem betreffenden Kollegen geht und einen großen Blumenstrauß (manchmal auch mehrere) überreicht, und das Publikum wundert sich. Glücklicherweise erfährt man dann im Programmheft, worum es eigentlich ging.

Da reagierte Ton Koopman spontan, begab sich zum Solohornisten in die hinterste Reihe, drückte ihm die Hand, sagte ein paar nette Worte (die man nicht hören konnte) und ließ (etwas später) – gleichsam als Zugabe – für ihn einen Satz aus der „Feuerwerksmusik“ wiederholen – eine schöne Geste.

Ingrid Gerk

 

 

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