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DRESDEN/ Semperoper: 4. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN

12.01.2017 | Konzert/Liederabende

Dresden / Semperoper: 4. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN – 11.1. 2017

In den Kammerabenden der Sächsischen Staatskapelle Dresden treten meist mehrere Instrumentalsolisten und Ensembles aus den eigenen Reihen auf. Der 4. Kammerabend wurde diesmal vom Dresdner Streichquartett im „Alleingang“ gestaltet. Es zählt zu den exponierten Kammerensembles der Kapelle und knüpft sehr erfolgreich an die große Dresdner Kapelltradition des Quartettspiels an. Vor 25 Jahren wurde es von den Kapellmitgliedern Thomas Meining (1. Violine), Barbara Meining (2. Violine), Andreas Schreiber (Viola) und Martin Jungnickel (Violoncello) als „Meining-Quartett“ gegründet, benannt nach dem Primarius.

„Neben“ dem Dienst im Orchester finden sich die Musiker noch immer in gleicher Besetzung zusammen und musizieren in besonderer Qualität, weshalb sich dieses Quartett schon seit längerem „Dresdner Streichquartett“ nennen darf. Das kontinuierliche Zusammenspiel und ein „Zusammenwachsen“ in gleicher Musizierweise und mit gleicher Werkauffassung führen immer wieder zu einer Qualität, die ihresgleichen sucht. Diese hohe Qualität und der besondere Klang des Quartetts sind es auch, weshalb es in den nationalen und internationalen Musikzentren von Japan bis zu den USA als gern gesehener Gast begrüßt wird.

Am Beginn des 4. Kammerabends stand der 1. Satz, „L’Inroduzione“, aus „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“(Hob. III:50) von Joseph Haydn, einer Passionsmusik, ursprünglich für Orchester, die Haydn auch als Streichquartett bearbeitete und später als Oratorium, auf dem Programm und leitete einen sehr feinsinnigen, sehr sensibel musizierten Quartettabend ein. Schon die ersten Takte der mit gleichem Wollen und gleichem Sinn sanft und leise in den Raum getragenen Töne ließen den Atem stocken und stimmten auf die feinsinnige Musizierweise des Quartetts ein, die nach den letzten Takten zunächst für gebannte Stille sorgte.

Diese feinsinnige und doch so ausdrucksvolle Musizierweise und sensible Tongebung behielten die Musiker auch bei einem von Ludwig van Beethovens späten Streichquartetten, dem fünfsätzigen „Streichquartett a-Moll“ (op. 132) bei, einer Art fünfsätzigem „Divertimento“, bei dem ein zentraler, ruhiger Teil von Tanzsätzen flankiert wird.

 Sensibel begann das Cello die ersten Takte der langsamen Einleitung des 1. Satzes, dem die 2. Violine kontrastierend mit virtuosen auf- und absteigenden Läufen in ruhigen und schnellen Passagen folgte. Der „Kampf“ zwischen den Instrumenten wurde abgelöst durch ein wunderbar konformes Zusammenspiel, das in wechselnden Stimmungen und Wendungen auch den Dank eines Genesenden (Beethoven selbst) und „Schöpfen neuer Kraft“ einbezieht, ausklingend in feinstem Pianissimo (3. Satz).

 Ein in Staccato gehaltener Marsch verlieh dem Werk wieder heiteren Charakter (4. Satz). Die Musiker fingen die emotionale Spannung auf, ergänzten sich in wunderbarer Weise gegenseitig, korrespondierten miteinander bis zum fröhlichen Ende mit „schelmischer“ Irritation des Hörers durch ein scheinbares Ende, dem noch eine neue Passage mit dem tatsächlichen Ende folgt. Solche neckischen musikalischen Scherze waren damals üblich und beliebt.

 Es war feine Quartettkunst, die in nicht alltäglicher Weise die inneren Stimmungen und Emotionen beleuchtete. Mit exquisitem Streicherklang widmeten sich die Musiker dem für damalige Verhältnisse avantgardistischen, emotionalen, und doch so sensiblen Klang. Sie entfalteten einen ganz eigenen Zauber der Quartettwelt.

Als weiteres Streichquartett mit 5 Sätzen, die hier attacca ineinander übergehen, hatten die vier Musiker das „Streichquartett Nr. 9 Es‑Dur (op. 117) von Dmitri Schostakowitsch gewählt. Im Gegensatz zu seinen anderen Werken, die die politischen Zwänge und Repressalien, das Leiden an seiner Zeit, widerspiegeln, trägt es heiteren Charakter – Schostakowitsch hatte zum dritten Mal geheiratet und widmete das Quartett seiner Frau. Es sprüht zwar dennoch nicht vor Glück und Heiterkeit, ist meist streng und nachdenklich, aber auch nicht düster oder tragisch, eher freundlich und wehmütig zugleich. Das Dresdner Streichquartett leuchtete die Sätze bis ins kleinste Detail aus, nahm die innerer Spannung auf, arbeitete in feinsinniger Weise die Kontraste zwischen Trauer und auch Kälte, tänzerischem Drive, wehmütigem Humor und letztendlich doch eine positive Einstellung und Hoffnung zum Leben heraus.

Ingrid Gerk

 

 

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