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DRESDEN/ Semperoper: 10. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE UNTER THIELEMANN (Strauss)

30.05.2021 | Konzert/Liederabende

Christian Thielemann dirigiert die Sächsische Staatskapelle am 30.5.2021 in der Semperoper/DRESDEN

Livestream: 10. Symphoniekonzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann

Schillernd harmonischer Glanz

 Verschwenderische harmonische Vielseitigkeit kommt bei dieser Aufführung von Richard-Strauss-Werken unter der Leitung von Christian Thielemann glanzvoll zum Vorschein. Vor allem die Koloratursopranistin Erin Morley setzt bei den Liedern „An die Nacht“, „Ich wollt ein Sträußlein binden“ und „Säusle, liebe Myrthe!“ aus op. 68 zahlreiche filigrane Höhepunkte mit facettenreichen Kaskaden und Arabesken. Dass bei Strauss vor allem die melodische Entwicklung im Vordergrund steht, tritt prägnant zum Vorschein. Auch die formbildende Kraft der Thematik zeigt bei dieser Wiedergabe, welche immense Ausdruckskraft diese Lieder auszeichnet.  Erin Morley wird dabei gleichsam von einem durchsichtigen Orchesterbett emporgetragen, dessen klangliche Zaubereien immer wieder verblüffen. Dies zeigt sich auch bei „Muttertändelei“ op. 43/2 sowie „Als mir dein Lied erklang“ und „Amor“ aus op. 68. Die großen gesanglichen Melodiebögen besitzen eine ergreifende Intensität.
Von Thomas Hennig erklingt dann das Stück „Nacht“ für Sopran und Orchester, das durch Klavierskizzen von Richard Strauss inspiriert wurde. Auch hier  berühren die feinen dynamischen Abstufungen der Kompositionsweise, die leisen Anklänge an „Vier letzte Lieder“ sowie das dezent-leise Streicher-Tremolo. Erin Morley setzt dabei bewegend-verklärte Akzente.

Zum Abschluss folgt dann eine stürmische Wiedergabe der Tondichtung „Ein Heldenleben“ op. 40 von Richard Strauss, wo Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden die zahlreichen thematischen Verwandtschaften minuziös herausarbeitet. Gleich zu Beginn wird das kraftvolle „Held“-Thema packend wiedergegeben, dessen Sprünge über mehrere Oktaven mitreissend musiziert werden. Das Allegro endet in einem atemlosen Fortissimo. „Des Helden Widersacher“ steigern sch zu einem tumultuösen Scherzo, wobei die Kritiker und Neider klanglich wild durcheinanderpurzeln. Die Solovioline zeigt bei „Des Helden Gefährtin“ einen erstaunlichen Klangfarbenreichtum, dessen schillernder Klangzauber den Hörer immer wieder fesselt. Sie wirkt wie eine erfrischend unkomplizierte junge Dame. Ein Höhepunkt dieser Interpretation ist sicherlich der „Kampf mit den Widersachern“, den Christian Thielemann nicht nur im großen Durchführungsteil temperamentvoll auskostet. Die Selbstironie dieser Schlachtmusik erblüht in bajuwarischem Walzertakt. Wilhelminische Selbstglorifizierung stellt Thielemann dabei aber glücklicherweise nicht zur Schau. Die Musik wird immer wieder hinterfragt. Dadurch geht ihre Tiefe nicht verloren. Motive aus den früheren Werken von Richard Strauss blitzen zuletzt bei „Des Helden Friedenswerke“ nuancenreich auf. „Don Juan“, „Tod und Verklärung“, „Macbeth“, „Eulenspiegel“, „Don Quixote“ und „Zarathustra“ vereinigen sich zu einem bewegenden Klangkosmos.  Sicher und selbstbewusst meldet sich der Held hier immer wieder mit jugendlich-tatenfroher Energie.  

Alexander Walther

 

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