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DRESDEN/ Semperoper: 1. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN

Dresden / Semperoper: 1. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN 05.10.2014

 

Bevor das Gedenkjahr nicht nur für Richard Strauss, sondern auch für Carl Philipp Emanuel Bach und einige weitere bedeutende Komponisten zu Ende geht, erinnerten die Musiker (Dresdner Kapellsolisten) der Sächsischen Staatskapelle Dresden mit der wunderbaren Geigerin Susanne Branny am 1. Pult, zusammen mit Jobst Schneiderrat, Solorepetitor der Semperoper und musikalischer Assistent der Bayreuther und Salzburger Festspiele, im 1. Kammerabend noch einmal an den zweitältesten (überlebenden) Sohn des großen Johann Sebastian, dessen Geburtstag sich am 8. März dieses Jahres zum 300. Male jährte.

 Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten zwischen Barock und Wiener Klassik und war zu Lebzeiten berühmter als sein Vater. J. Haydn meinte: „Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe“. W. A. Mozart meinte: „Er ist der Vater; wir sind die Bubn. Wer von uns was Rechts kann, hats von ihm gelernt“ und L. v. Beethoven schrieb in einem Brief an seinen Verleger: „Von Emanuel Bachs Klavierwerken habe ich nur einige Sachen, und doch müssen einige jedem wahren Künstler gewiß nicht allein zum hohen Genuß, sondern auch zum Studium dienen“.

Von diesem vielgerühmten Bach-Sohn, der der Klassik den Weg bereitete und dessen Ruhm bald von dieser überstrahlt wurde und fast in Vergessenheit oder zumindest Bedeutungslosigkeit geriet, standen drei seiner Werke auf dem Programm, ergänzt durch je eine Komposition seines ältesten Bruders Wilhelm Friedemann Bach und seines jüngsten Halbbruders Johann Christian Bach sowie seines „Kollegen“ am Berliner Hof Friedrichs II., Johann Gottlieb Graun. Es ist gefällige, unterhaltsame Musik auf sehr hohem Niveau, oft für kleinere, intime Räume bestimmt, aber die 4 – 5 Streicher in wechselnder Besetzung und Schneiderrat am Hammerklavier füllten auch den großen Raum der Semperoper klanglich gut aus.

Neben C. Ph. E. Bach schätzte und bewunderte Mozart auch sehr den jüngsten Bach-Sohn, Johann Christian, den Mailänder oder Londoner Bach, den er als Kind in London kennengelernt hatte. In dessen (nur) zweisätzigem Quartett „Quatuor C‑Dur“ für 2 Violinen, Viola und Bass (W B 58), das zu Beginn erklang, klingt bereits die Frühklassik an, die auch für Mozart eine Orientierung war.

 Einen ganz anderen Charakter wies die viersätzige „Sinfonia F‑Dur“ für Streicher und Basso continuo (B.c.) (Fk 67) von Wilhelm Friedemann Bach auf. Seine Musik steht stilistisch „allein auf weiter Flur“. Teils noch den barocken Kompositionsprinzipien seines Vaters verhaftet, der ihn für den genialsten Sohn hielt, und teils seinen eigenen Stil suchend, strahlt seine Musik Dynamik und eine individuelle Klanglichkeit aus, vor allem aber auch verhaltene Genialität. Sie war bei den 5 Musikern in den allerbesten Händen.

 Der Jubilar Carl Philipp Emanuel Bach war mit 3 Kompositionen vertreten. Das „Trio (Triosonate) B‑Dur für 2 Violinen und Basso continuo (B.c.) (Wq 161b), bei dem sich bereits romantische Klänge andeuteten, brachten 5 Musiker ausgewogen und mit bestem musikalischem Empfinden zu Gehör.

 Nach der Pause kamen noch zwei große solistische Überraschungen von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle hinzu. Thomas Grosche brillierte mit der „Sonata g‑Moll für Viola da gamba und Cembalo obligato“ (Wq 88) vom 1. Takt an mit wunderbar singendem Ton. Es war intime Kammermusik, klassisch-romantisch, kräftigen, aber auch sehr zarten, feinen Klängen, ohne Sentimentalität. Viola und Hammerklavier waren völlig homogen. Sie ergänzten sich gegenseitig wie im Duo, wie „Zwillinge“ oder wie 2 zusammengehörige Teile eines Ganzen.

 Den klangvollen Abschluss bildete die „Sinfonia für Streicher G‑Dur“ (Wq 182/1), von 11 Kapellmitgliedern spielfreudig, zügig, lebensbejahend und mit unauffälliger barocker Stufendynamik, die der „Sinfonia“ einen besonderen Reiz verlieh, musiziert.

 Zuvor aber brachte Erik Reike als besonderes Highlight das „Concerto C‑Dur für Fagott, Streicher und B.c.“ (GraunWV XIII:66) von Johann Gottlieb Graun zu einer hinreißenden Aufführung, ein Werk, das zu seiner Entstehungszeit ein Novum darstellte und bei dem schon damals sehr viele Möglichkeiten des Instrumentes ausgereizt wurden. In atemberaubender Virtuosität, Leichtigkeit und Eleganz, auch in den schnellen Läufen, und besonders schönem, warmem, weichem Ton widmete sich Reike diesem „Concerto“ und seinem Instrument, so dass die Zuhörer atemlos lauschten. Er selbst schien trotz aller technischen Schwierigkeiten und Virtuosität nicht außer Atem zu kommen und war nach dieser Glanzleistung noch genauso frisch wie zuvor. Da applaudierten nicht nur die begeisterten Zuhörer, sondern auch seine Musikerkollegen.

 Ingrid Gerk

 

 

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