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DRESDEN/ Palais im großen Garten: KONZERT ZUM 70. GEBURTSTAG VON PETER RÖSEL

02.11.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/Palais im Großen Garten: „KONZERT ZUM 70. GEBURTSTAG VON PETER RÖSEL – 31.10.2015

Eigentlich war es ein Mehrfach-Geburtstag, der mit Musik von W. A. Mozart gefeiert wurde. An diesem herrlich sonnigen Herbsttag zog es die Musikfreunde in großen Scharen in das, inmitten einer ca. 1,8 ha großen Parkanlage barocken Ursprungs gelegene, Palais im „Großen Garten“, eines der frühesten Barockbauwerke im deutschsprachigen Raum und eines der kunst- und kulturhistorisch wichtigsten Gebäude Dresdens, das im großen Festsaal noch immer die Spuren der Kriegszerstörung aufweist, sich aber dennoch größter Beliebtheit erfreut.

Peter Rösel, der international gefragte Konzertpianist, der sich nicht nur in seiner Heimatstadt Dresden und deren Umgebung größter Wertschätzung erfreut, sondern auch in den USA, China und ganz besonders in Japan, feierte bereits im Februar dieses Jahres seinen 70. Geburtstag. Jetzt trat er jugendfrisch und voller Energie noch einmal aus diesem Anlass mit den Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny auf, mit denen er gegenwärtig für das japanische Label Kings Records sämtliche Klavierkonzerte Mozarts aufnimmt.

Mit diesem Konzert feierte auch der „Förderverein Palais Großer Garten“ sein 15jähriges Bestehen. Dieser Verein aus kulturell interessierten und engagierten Bürgern konnte mit seinem Einsatz verhindern, dass das Palais als Museum für Ur- und Frühgeschichte umgebaut wird und dafür sorgen, dass es jetzt und künftig als idealer Veranstaltungsort der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Last but not least feierte auch ein Nachwuchstalent seinen Geburtstag. Nicolas Branny, der Sohn des Leiters der Dresdner Kapellsolisten und der 1. Konzertmeisterin dieses Ensembles machte bereits bei internationalen Musik-Wettbewerben für die Jugend auf sich aufmerksam.

Die Kapellsolisten, ein Kammerorchester aus Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dessen guter Ruf einer mitreißenden Interpretation voller Leidenschaft, Fachkenntnis und Musikalität sich seit seiner Gründung im Jahre 1994 sehr schnell verbreitete und zu einer regen Konzerttätigkeit in allen wichtigen Musikzentren Deutschlands sowie Süd- und Osteuropas, Japans und Südkoreas führte, eröffneten das Festkonzert, in dem ausschließlich Werke von Mozart erklangen, mit der „Sinfonie A‑Dur“ (KV 201), heiter und beschwingt, in zügigem, aber durchaus angemessenem Tempo, schöner Klarheit, guter Diktion, auffallend schöner Phrasierung und sehr viel Einfühlungsvermögen, was die Sinfonie frisch und gefällig und unmittelbar ansprechend erscheinen ließ. Die Musiker spielten auf ihren relativ modernen Instrumenten mit viel Stilgefühl und klanglicher Schönheit und drangen tief in das geistige Klima der Entstehungszeit ein (mehr als manches Ensemble mit alten Instrumenten bzw. Kopien dieser Instrumente und „historischer Aufführungspraxis“).

Zusammen mit den Dresdner Kapellsolisten brachte Peter Rösel in seiner unnachahmlichen Art die beiden „Konzerte für Klavier und Orchester C‑Dur“ (KV 467) und „d‑Moll“ (KV 466) von Mozart, die er kürzlich zusammen mit den Kapellsolisten in Japan aufgenommen hat, „live“ zu Gehör und vermittelte einen unvergesslichen Eindruck, der auch auf den hochwertigen Aufnahmen gespeichert ist. In einem besonders guten Einvernehmen und Zusammenwirken von Pianist und Orchester bildeten alle Beteiligten eine untrennbare musikalische Einheit, nahmen gegenseitig ihre musikalischen Intentionen auf und ergänzen sich in schönster Weise.

Nicht umsonst erfreut sich Rösel größter Beliebtheit beim Publikum in aller Welt. Allein sein brillanter, „perlender“ Anschlag und ein gesundes Maß an Virtuosität, aber auch Feingefühl ganz im Dienste des Werkes, seine vielfältige Farb- und Ausdruckspalette, werkgerechte, nicht vordergründige, sondern ausgewogene, ausgeglichene Akzentuierung und sein Sinn für die Ursprünglichkeit eines Werkes beeindrucken immer wieder. Ob mit oder ohne Orchester ist in seinem Spiel eine komplexe musikalische Welt in ihrer Vielseitigkeit eingeschlossen, nicht zuletzt auch in den von ihm einfach brillant gespielten Kadenzen von Robert Casadesus („Konzert C‑Dur“ – KV 467) sowie nach Johann Nepomuk Hummel und Johannes Brahms („Konzert d‑Moll“ – KV 466) mit ihrer enormen Virtuosität und Klangfülle, nicht nur eine historische Entdeckung, sondern vor allem ein vergeistigtes Klangerlebnis, gepaart mit Virtuosität. Rösel spielt völlig unveräußerlich, auch virtuos, aber nie vordergründig, sondern aus eigenem innerem Empfinden, was sich dem Hörer unmittelbar mitteilt. Das Besondere seines Klavierspiels liegt wohl im richtigen Maß des Zusammenwirkens aller Faktoren und der Ehrlichkeit seiner musikalischen Empfindungen.

Sehr zur Freude des Publikums wurde der langsame Satz des d‑Moll-Konzertes noch einmal als Zugabe in seiner Klangschönheit wiederholt.

 Ingrid Gerk

 

 

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