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DRESDEN/ Kulturpalast: DIE „EUROVISIONS-MELODIE“ UND ANDERE „OHRWÜRMER“ VOM HOF LUDWIGS XIV. MIT DEM PHILHARMONISCHEN CHOR DRESDEN UND DER CAPELLA SAGITTARIANA

16.10.2021 | Konzert/Liederabende

, Dresden / Kulturpalast: DIE „EUROVISIONS-MELODIE“ UND ANDERE „OHRWÜRMER“ VOM HOF LUDWIGS XIV. MIT DEM PHILHARMONISCHEN CHOR DRESDEN UND DER CAPELLA SAGITTARIANA – 15.10.2021

Jeder kennt sie, jeder mag sie – die mitreißende „Eurovisions-Melodie“, die jedes neue Jahr in Deutschland bei Funk und Fernsehen einleitet, aber die wenigsten ahnen, woher sie stammt. Sie klingt so gut und gegenwärtig, dass man nicht glauben möchte, dass sie aus dem 17. Jahrhundert stammt. Sie bildet den Anfang des, 1692 komponierten, „Te deums“ von Marc Antoine Charpentier (1643-1704), der für Ludwig XIV., König von Frankreich, komponierte, ohne eine Anstellung bei Hofe zu erhalten.

In diesem Konzert war nicht nur dieses „Te deum“ zu hören, sondern in einem ambitionierten Programm auch eine weitere Komposition dieses genialen Altmeisters, die Suite pour quatre parties de violons“, und weitere Werke von anderen Komponisten, deren Musik am Hof von Louis XIV bevorzugt aufgeführt wurde und vorrangig für Glanz und Glamour sorgte, elegant und gefällig, anders als die Musik Bachs, Händels und anderer deutscher Meister der Barockzeit, weniger ernsthaft, aber angenehm anzuhören, eingängig und unbeschwert, denn sie diente vorrangig der Unterhaltung, aber auch religiösen Zwecken.

Schwerpunkt des Konzertes waren das „Magnificat anima mea“  aus „Motete pour la Chapelle du Roy“ von Henry Du Mont (1610-1684) und das Werk, weswegen die meisten Konzertbesucher gekommen waren, Charpentiers „Te deum“, bei denen der Philharmonische Chor Dresden mit seiner hohen Gesangskultur und Stilsicherheit den „Löwenanteil“ an Erfolg und Ausstrahlung dieses Konzertes hatte, obwohl sein eigentliches Haupt-Aufgabengebiet die Musik der Klassik, Romantik und Moderne ist. Der Chor wurde 1967 auf Anregung von Kurt Masur, dem damaligen Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie, gegründet und lebt vom Engagement musikbegeisterter Laien, die hier erneut ihre hohe Qualität bewiesen.

Den instrumentalen Teil hatte die Capella Sagittariana übernommen, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat. 1993 als Instrumentalensemble für Alte Musik aus Musikern der Dresdner Philharmonie und anderer Orchester sowie freischaffenden Musikern als Ensemble für Alte Musik gegründet, vereinigte sie sich 2006 mit der, in den 1970er Jahren von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle gegründeten Capella Sagittariana zum Ensemble unter gleichem Namen als Reminiszenz an Heinrich Schütz, den Sagittarius.

Das Orchester ist spezialisiert auf Musik der Renaissance und des Frühbarock, insbesondere des vielfältigen mitteldeutschen und sächsischen Musiklebens (16./(17. Jahrhundert) auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschungen des Musikwissenschaftlers Wolfram Steude und Norbert Schuster, dem jetzigen Leiter der Capella und Kontrabassist der Dresdner Philharmonie, dem auch die Leitung an diesem Abend oblag.

Obwohl das Verhältnis von großem Chor und mittlerem Orchester für Alte Musik ungewöhnlich proportioniert erschien, gab es doch keinerlei Klangdifferenzen oder Verschiebungen des klanglichen Gleichgewichts. Im Gegenteil, es wirkte alles ausgeglichen und ausgewogen, auch mit den, in Alter Musik erfahrenen, Gesangssolisten Heidi-Maria Taubert und Nora Steuerwald, Sopran, Beat Duddeck, Alt, Falk Hoffmann, Tenor, Clemens Heidrich, Bariton, und Felix Schwandtke, Bass, die mit ansprechenden Stimmen und Stilgefühl ihre Partien gestalteten, insbesondere Felix Schwanke, der mit sehr klarer Diktion in einem sehr guten Maß an Ausdrucksfähigkeit und Eingliederung in das Gesamtgefüge des Aufführungsapparates seine Partie aus- und eindrucksvoll gestaltete.

Eröffnet wurde das Konzert mit der „Deuxième Fantasie ou Caprice que le Roi demandoit souvent“ von Michel-Richard Delalande (1657-1726), den Ludwig XIV. persönlich für seine Kapelle favorisierte, in mittlerer Orchesterbesetzung mit Streichern und Bläsern. Es folgten zwei weitere, rein instrumentale Werke vom Hof des „Sonnenkönigs“, die „Suite pour quatre violons“ von Charperntier in kleiner Orchesterbesetzung ohne Dirigent, aber mit einschmeichelndem Ton der führenden Violine musiziert, und die vitale, aufmunternde Musik aus „Le Bourgeois gentilhomme“, wieder mit größerem Orchester und Dirigent, von Jean-Baptiste Lully, dem Favorit-Komponisten am Hofe des Sonnenkönigs“, trotz oder gerade wegen der alten Instrumente, auch ungewöhnlichen Geräuschinstrumenten, und gut unterstreichender Pauke mit schöner Klarheit und Klangfülle, eben lieblichem, einschmeichelndem Wohlklang, aufgeführt.

 Es war ein gelungener Ausflug von Mitgliedern der Dresdner Philharmonie und des Philharmonischen Chores in eine einst glanzvolle Vergangenheit, an die, zu neuem Leben erweckt, erinnert wurde.

Ingrid Gerk

 

 

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