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DRESDEN/ Kulturpalast: ANNE-SOPHIE MUTTER IM "PALASTKONZERT" DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE

13.11.2017 | Konzert/Liederabende
Dresden/Kulturpalast: ANNE-SOPHIE MUTTER IM „PALASTKONZERT“ DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE – 12.11.2017
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Um den neuen Konzertsaal im Kulturpalast mit Gastspielen von Künstlern und Orchestern aus aller Welt international zu etablieren, wurde im Auftrag der Stadt Dresden eine Reihe von acht „Palastkonzerten“ von den Dresdner Musikfestspielen ins Leben gerufen, bei denen bereits das Gewandhausorchester unter Herbert Blomstedt, die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim und Simone Kermes zu Gast waren und die Wiener Sängerknaben (01.12.), das Jazz at Lincoln Center Orchestra mit Wynton Marsalis (08.02.), Martha Argerich und Lilya Zilberstein (01.03.) sowie David Garrett (11.03.) noch kommen werden.
Im 4. Palastkonzert war Anne-Sophie Mutter mit einem Violinrezital zu erleben. In ihrer Vielseitigkeit überraschte sie mit einem neuen, ungewöhnlichen Programm. Zusammen mit ihrem langjährigen Partner am Klavier, Lambert Orkis und dem slowakischen Kontrabassisten Roman Patkoló, einst Stipendiat der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung und jetzt ihr Duo-Partner, gestaltete sie einen vielseitigen Kammermusik-Abend.
Mit Orkis als kongenialem Klavierbegleiter begann sie mit dem „Scherzo für Violine und Klavier c-Moll“ (WoO2)“, das Johannes Brahms als 3. Teil einer Überraschungskomposition, der „F-A-E-Sonate“ für den berühmten Geiger Joseph Joachim zusammen mit Robert Schumann und dessen Schüler Albert Dietrich verfasste, wobei „F A E“ auf die Lebensmaxime Joachims: „frei, aber einsam“ anspielt. Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis verstanden sich als eingespieltes Team auch hier ohne große Gesten, einfach im gemeinsamen Musizieren.
Zusammen mit Patkoló spielte Anne-Sophie Mutter „das beiden gewidmete „Duo concertante“ für Violine und Kontrabass“ ihres Freundes  (*1933) in schöner Übereinstimmung und sehr guter Gestaltung, obwohl es problematisch erscheint, zwei in ihrer Tonhöhe so unterschiedliche Instrumente zu vereinen.
Mittel- und Höhepunkt des Abends war die „Partita für Violine solo Nr. 2 d-Moll“ (BWV 1004) von Johann Sebastian Bach, bei der Anne-Sophie Mutter dem Charakter und jeweiligen Tanzrhythmus von „Allemanda“, „Corrente“, „Sarabanda“ und „Giga“ mit besonderem Charme, Einfühlungsvermögen und Werkverständnis gerecht wurde. Souverän, mit weichem, bei Bedarf aber auch „kernigem“ Strich, feinstem Pianissimo, bei dem man die berühmte Stecknadel im Saal hätte zu Boden fallen hören können, und ohne größere Pausen zwischen den einzelnen Sätzen brachte sie die Partita mit allen Feinheiten der polyphonen Linienführung ineinandergreifender Melodien und doch wie selbstverständlich und gegenwärtig, ohne gekünstelt zu wirken, zu Gehör, so liebevoll und feinsinnig musiziert, dass das Publikum schon nach der „Giga“ begeistert applaudierte und sie sich mit den Worten „lassen sie mich noch die „Ciacona“ spielen“ diesem gigantischen Meisterwerk meisterhaft und klangschön widmete, bei dem sich mit einem einzigen Instrument das polyphone Klanggefüge als eine „ganze Welt der tiefsten Gedanken und gewaltigen Empfindungen“, wie Brahms an Clara Schumann schrieb, scheinbar mühelos , aber umso intensiver erschloss.
Eigentlich konnte nach dieser faszinierenden Interpretation nichts mehr kommen, aber bei ihrer Meisterschaft und ihrem Charme war man wieder aufgeschlossen für die, ihr von Pendereckis gewidmete, „Sonate für Violine und Klavier Nr. 2„, die sie gemeinsam mit Lambert Orkis in musikalischer und geistiger Übereinstimmung interpretierte. Sie spielte auch hier sensibel, zuweilen fast „zerbrechlich“ und mit Einfühlungsvermögen und schloss auch das experimentierfreudige Element mit dem Charme einer anmutigen Frau mit ein auch bei Penderecki lotete sie alle Feinheiten aus. Orkis übernahm als kongenialer Mitstreiter den kraftvollen Gegenpart und „haute“ manchmal, von Penderecki so gewollt, als kämpferischer Gegenpart „auf die Tasten“, um die zarte Stimmung zu zerstören, da die Welt nun einmal nicht nur schön und gut ist.
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Um das Programm in seiner Vielseitigkeit abzurunden, folgten noch drei wie sie sich ganz in die Spezifik der Bachschen Tanzsätze vertieft hatte, widmete sie sich jetzt diesen virtuosen „Kleinigkeiten“ mit vehementem Temperament, raschem Tempo, besonders feinem Strich und besonders feiner Lesart, auch ein bisschen kokett, um die Stimmung aufzulockern und der ungarischen Feierfreude Ausdruck zu verleihen. Hier folgte verständlicherweise nach jedem mitreißend gespielten Satz ebenso temperamentvoller Applaus. Hier konnte sich das Publikum einfach nicht zurückhalten.
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Dafür bedankten sich Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis mit zwei Zugaben, der „Lieblingszugabe von Jascha Haifez und uns beiden“, wie sie ankündigte, der „Melodie“ von P. I. Tschaikowsky und der temperamentgeladenen „Jamaican-Rumba“ von Arthur Benjamin.
Dieser Abend bot alles von Barock bis Moderne, von großer Ernsthaftigkeit bis ausgelassener Lebensfreude. Die Klammer um das Ganze aber war ihre technisch-virtuose Meisterschaft, verbunden mit tiefem Werkverständnis und ihrer Leidenschaft für die Musik und nicht zuletzt ihrem weiblichen Charme.

Ingrid Gerk

 

 

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