Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Kulturpalast: 5. PALASTKONZERT DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE MIT GIL SHAHAM, JAN VOGLER UND MARTIN STADTFELD

14.03.2019 | Konzert/Liederabende

Dresden/Kulturpalast: 5. PALASTKONZERT DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE MIT GIL SHAHAM, JAN VOGLER UND MARTIN STADTFELD 13.3.2019

Das gibt es tatsächlich noch – einen bis in den letzten Rang gefüllten neuen Konzertsaal im Dresdner Kulturpalast mit seinen  knapp 1800 Plätzen beim 5. und letzten Palastkonzert der Reihe, die bereits im Vorfeld auf die Dresdner Musikfestspiele einstimmen soll, mit einem Publikum aller Altersstufen, darunter erfreulich viele Jugendliche, die am Ende ganz begeistert waren, und das bei einem Konzert mit ausschließlich Kammermusikwerken für zwei bis drei Instrumente!

Zunächst wurde das Konzert geheimnisvoll als „Carte Blanche“ angekündigt, im November 2018 aber dann das Geheimnis gelüftet. Festspielintendant Jan Vogler hatte sich zwei Stargäste und Freunde eingeladen, Gil Shaham und Martin Stadtfeld, die gemeinsam mit ihm einen hochkarätigen Kammermusikabend im Zeichen musikalischer Freundschaften – auch der Komponisten – versprachen, der in der Realität alle Erwartungen noch übertraf.

Alle drei Ausführenden, Könner ihres Faches und versierte Solisten, konnten sich auch bei der intimeren Form der Kammermusik gut aufeinander einstellen. Zunächst brachten Jan Vogler, Violoncello mit leicht singendem Ton und Martin Stadtfeld, Klavier mit differenzierendem, klangvollem Anschlag die leidenschaftliche, im Ringen um Clara Schumanns Zuneigung entstandene „Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e‑Moll“ (op. 38) von Johannes Brahms zu Gehör, beide mit ihren solistischen Qualitäten, aber auch in gutem Zusammenspiel.

Es folgte die mitunter in Klang und Ausdruck an seinen Förderer und Freund Johannes Brahms erinnernde „Sonate für Violine und Klavier F‑Dur“ (op. 57) von Antonín Dvořák mit Gil Shaham und Martin Stadtfeld. Shaham ist nicht nur ein Meister des geschmeidigen, klangvollen Tones und des feinsten Pianissimo. Sein Violinspiel hat etwas Sphärisches, fast Überirdisches, und doch ist er immer der nette unkomplizierte, bescheidene Musiker geblieben, der er schon als ganz junger meisterlicher Geiger war. Man fühlt sich von seinem Violinspiel getragen, entführt in geistige Höhen, in die man ihm gern folgt. Stadtfeld nahm diese Intentionen auf und folgte ihm in schöner Gemeinsamkeit.

Alle drei Künstler, die hier erstmalig als Trio zu erlebenden waren, bekrönten den Abend mit Dvořáks „Klaviertrio Nr. 3 f‑Moll“ (op. 65), einem kammermusikalischen Meisterwerk von beinahe sinfonischer Dichte, mit „singender“ Violine, „singendem“ Cello und eingeschworenem Klavier.

Man war überrascht, wie gut der Konzertsaal, der noch vor Tagen die überlauten Klänge der konzertanten Aufführung von „IL tabarro“ und „Cavalleria rusticana“ kompensiert hatte, für Kammermusik geeignet ist. Es ging kein Ton verloren, auch nicht die feinsten, leisesten Töne (ppp) der Violine. Unterstrichen durch geschickte Beleuchtung, wurde die Aufmerksamkeit ganz auf die Musiker und ihr konzentriertes Musizieren gerichtet.

Nach dieser meisterhaft interpretierten Kammermusik wollte das Publikum noch nicht nach Hause gehen und wurde für seinen stürmischen Applaus mit einer Zugabe erfreut, dem 2. Satz „Adagio“ aus dem „Trio B-Dur“ (op. 11) für Klarinette (oder Violine), Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven, dem sogenannten „Gassenhauer-Trio“, in dem Beethoven im Finalsatz einen „Gassenhauer“ des um 1800 populärsten Wiener Opernkomponisten (Joseph Weigl) variiert hat. Die ausdrucksstarke Melodik im 2. Satz, die zu den schönsten Einfällen des frühen Beethoven gehört, wurde hier in idealer Weise zum Klingen gebracht, jedes Instrument mit seinem individuellen Klang und doch als Teil eines gemeinsamen Ganzen.

Ingrid Gerk

 

Diese Seite drucken