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DRESDEN / Kreuzkirche: EIN DEUTSCHES REQUIEM“ VON JOHANNES BRAHMS MIT DEM DRESDNER KREUZCHOR

16.11.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/Kreuzkirche: „EIN DEUTSCHES REQUIEM“ VON JOHANNES BRAHMS MIT DEM DRESDNER KREUZCHOR 15.11.2015

Traditionsgemäß führt der Dresdner Kreuzchor „Ein Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms am Ewigkeitssonntag auf. In diesem Jahr fand es (vermutlich aus terminlichen Gründen) bereits eine Woche früher, am Volkstrauertag statt, aber der Gesamteindruck war nicht weniger intensiv, u. a. auch beeinflusst durch die erschütternden Ereignisse in Paris, zu denen eingangs Kreuzkantor Roderich Kreile berührende Worte fand und die Hörergemeinde zu einem stillen Innehalten und Gedenken vor dem Konzert aufforderte, bevor er zum Dirigentenpult ging, um die Aufführung zu leiten.

In jahrzehntelanger Tradition bildete auch in diesem Jahr die Dresdner Philharmonie das immer zuverlässige und klangschöne Fundament. Die Musiker sind aufeinander eingestimmt. Sie hören aufeinander und musizieren in einem gemeinsamen Konsens. Sie erleben das Requiem emotional mit und stimmen sich in stillem Einvernehmen ab. Eine Instrumentengruppe nimmt die Intentionen der anderen auf, führt die musikalische Linie weiter und übergibt sie an die anderen Musiker. Alle Details kommen so, wie man sie sich nicht schöner wünschen kann. Damit hatten die Musiker einen großen Anteil an dieser eindrucksvollen Aufführung.

Der Dresdner Kreuzchor, sehr gut vorbereitet von Peter Kopp und unterstützt von dessen Vocal Concert Dresden, einem, für seine Qualitäten bekannten, (gemischten) Kammerchor, beeindruckte durch schöne Stimmen und exakte Ausführung. Der Chor sang sehr ansprechend, gewissenhaft und differenziert, sowohl in den lyrisch-beschaulichen Teilen, als auch expressiven, dramatischen. Überhaupt stand bei dieser Aufführung sehr das bewegende, dramatische Moment im Vordergrund, bis zur gewaltigen Lautstärke der Pauke.

Der gefürchtete Wiener Musikkritiker und Brahms-Freund Eduard Hanslick, der seinerzeit eine Aufführung dieses Requiem durchaus positiv rezensierte, bemängelte damals, dass der Paukist beim langen Orgelpunkt der Schlussfuge („Der Gerechten Seelen“) viel zu laut spielte. Bei dieser Aufführung war die Pauke auch laut, aber sie entsprach der auf höchste Dramatik orientierten Gesamtkonzeption und entstand folgerichtig aus den „aufgewühlten“ Gefühlen, denen damit Ausdruck verliehen wurde.

Heidi Elisabeth Meier bewältigte das Sopransolo in all seinen Anforderungen mit gut klingender Stimme, wenn auch die intensive Gestaltung, die man an dieser Stelle schon so oft erlebt hat, (noch) nicht im Vordergrund stand. Möglicherweise versinnbildlicht Brahms mit dieser Sopranstimme die Erscheinung seiner verstorbenen Mutter, nach deren Tod er die unvollendete „Requiem„-Komposition wieder aufnahm, in einem großen, leise beginnenden, längeren Crescendo, mit dem diese Stimme aus dem Jenseits „heranschwebt“, einige Zeit zu dem Menschen, dargestellt durch die beiden Bariton-Soli, spricht (vermutlich Brahms selbst, symbolisch für die Menschen in ähnlicher Situation), und in einem großen Decrecendo wieder entschwindet.

Die Bariton-Soli lagen bei Andreas Scheibner, der zu den idealen Interpreten dieser Partie gehört, in den allerbesten Händen. Eindrucksvoller kann man sich die Stimme des zurückbleibenden Menschen kaum vorstellen. Gut bei Stimme, mit sehr guter Artikulation, bester Phrasierung und gerade richtiger, im gesamten großen Kirchenraum sehr gut verständlicher Intensität der Lautstärke, wunderbaren Piano-Tönen und entsprechendem Ausdruck vermittelte er die Worte als von Brahms in Musik gesetzte Gedanken und Gefühle so, dass sie auch bei wiederholtem Hören immer wieder tief „unter die Haut gehen“.

Alles wirkte bei dieser Aufführung gut aufeinander abgestimmt. Es war eine bewegende, stark beeindruckende, Aufführung mit dramatischem Akzent dieses, von Brahms nicht als Trauermusik, sondern als Trost für die Lebenden, „die da Leid tragen“ gestalteten „Requiems“.

Ingrid Gerk

 

 

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