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DRESDEN/ Konzertsaal der Hochschule für Musik: „LIEDERABEND ZUM GEDENKEN AN PETER SCHREIER“  MIT PATRICK GRAHL & HELMUT DEUTSCH

02.11.2020 | Konzert/Liederabende

Dresden / Konzertsaal der Hochschule für Musik: „LIEDERABEND ZUM GEDENKEN AN PETER SCHREIER“  MIT PATRICK GRAHL & HELMUT DEUTSCH – 1.11.2020  

 

„Einen Tag für Peter Schreier“ gestalteten Vertreter der Hochschule für Musik Dresden und Gäste mit Vorträgen, Buchpräsentation und einem Liederabend im Rahmen der Reihe „Das Lied in Dresden“. Unter anderem beteiligten sich Brigitte Fassbaender, die für einen Meisterkurs (2.-4.11.) an der Hochschule vorgesehen war, und Helmut Deutsch, der einen Workshop Liedinterpretation (31.10.) an der Hochschule gab. Im Gedenken an den, im Dezember 2019 verstorbenen Peter Schreier, der Dresden und Sachsen als seine Heimat betrachtete, im Dresdner Kreuzchor und an der Dresdner Musikhochschule seine musikalische Ausbildung erhielt und in aller Welt als Opernsänger, Liedinterpret und Oratorientenor Maßstäbe setzte, war es allen Beteiligten und den zahlreich herbeigeströmten Musikfreunden, die wegen der „Corona“-Vorschriften nicht alle Platz finden konnten, eine Herzensangelegenheit.

Vor allem im Oratorienfach versuchen jetzt viele junge Tenöre mit einigem Erfolg, Schreier als Evangelist nachzueifern, der gerade nicht wollte, „imitiert“ zu werden, auch nicht in großer Verehrung, da es doch eine große Palette an Interpretationsmöglichkeiten gibt. Einer, der jüngeren Tenöre, die das beherzigen und, obwohl er Schreier als sein großes Vorbild sieht, im Oratorienfach und Liedgesang sehr erfolgreich eigene Wege geht, die überzeugen, ist der Leipziger Patrick Grahl, dem man auch im lyrischen Opernfach eine entsprechende Karriere voraussagt.

Zwei Jahre vor der Wende in Leipzig geboren, war er Mitglied des Thomanerchores, studierte an der dortigen Musikhochschule und schloss sein Studium mit dem Meisterklassenexamen mit Auszeichnung ab, absolvierte Meisterkurse bei Peter Schreier, Gotthold Schwarz, Ileana Cotrubas und anderen Gesangs-Spezialisten und trat noch während seines Studiums als Alfred (Strauß: “Die Fledermaus“), Tamino (Mozart: Zauberflöte) und Albert (Britten: Albert Hering) auf, war an der Opéra National de Lyon ein Junger Diener in Richard Strauss` „Elektra“ und Stimme eines jungen Seemanns in „Tristan und Isolde sowie Don Ottavio (Mozart: Don Giovanni) am Teatro La Fenice in Venedig.

Neben anderen Preisen und Auszeichnungen gewann er 2016 den 1. Preis beim XX. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig und ist seitdem ein viel gefragter Oratorien- und Konzertsänger und nach wie vor auch dem Thomanerchor und dem Dresdner Kreuzchor eng verbunden. Wenn ihn der Lockdown nicht allzu sehr ausbremst, hat er interessante Projekte mit bedeutenden Orchestern unter namhaften Dirigenten in Deutschland, Belgien, der Schweiz und Frankreich im Terminkalender. Neben seinen zahlreichen Engagements auf der Konzert- und Opernbühne legt er auch großen Wert auf kammermusikalische Projekte und Liederabende, wie diesen zu Ehren von Peter Schreier.

Bestechend klar, intelligent, mit hoher Gesangskultur und dem renommierten und sehr erfahrenen Helmut Deutsch am Klavier, der ihm eine sehr sichere mitgestaltende Grundlage und Partnerschaft bot, gestaltete Patrick Grahl diesen Liederabend sehr überzeugend, beginnend mit Ludwig van Beethovens sehr berührendem, sehr persönlichem Liederzyklus „An die ferne Geliebte (op. 98), bei dem er mit seiner flexiblen, in allen Tonlagen sehr sicheren Stimme der einschmeichelnden Melodik folgte.

Nach J. S. Bach, gilt seine zweite große Liebe, vor allem Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann, deren Lieder auch Bestandteil des Programmes waren. Von Mendelssohn sang er „Herbstlied“ (op. 84,2) sehr besonnen, „Schilflied“ (op. 71,4) mit Anteilnahme und „Reiselied“ (op. 34,6) mit Verve und innerer Bewegung bei aufwühlender Klavierbegleitung von Helmut Deutsch. Von Robert Schumann bildete die „Dichterliebe“ (op. 48) den krönenden Abschluss.

Dazwischen erklangen vier Lieder von Wilhelm Weismann (1900 – 1980), einem Leipziger Komponisten: „Das Fischerliedchen“, „Kanzon“, „Brünnlein im Wald“ und „Klage“, die Grahl mit seinen stimmlichen Qualitäten und entsprechendem Engagement darbot.

Für die „Dichterliebe“ setzte er vor allem seine wohlklingende, in allen Facetten geschmeidige, mühelos und sehr sicher erscheinende Stimme für eine sehr innige und tief Anteil nehmende Gestaltung ein, weniger dramatisch als vielmehr auf ein inneres Erleben konzentriert.

Für das begeisterte Publikum hatte er noch zwei Zugaben bereit, „Der Kuss“ („Ich war bei Cloen ganz allein“) (op. 128) von Ludwig van Beethoven und „Nachtlied“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (op. 71,6), bei dem er ganz aus sich herausging.

Nun ist erst einmal endgültig Schluss mit Oper und Konzert, und man kann nur hoffen, dass der Lockdown nicht noch länger dauert als angekündigt. Die Opern- und Konzerthäuser haben mit sehr großer Wahrscheinlichkeit keinen Anteil an der Zunahme der „Corona“-Infektionen, denn abgesehen von dem sehr disziplinierten Publikum, werden nirgends die Hygienevorschriften und Abstände so exakt eingehalten und überwacht wie gerade hier! Es ist auch nicht bekannt, dass sich gerade hier jemand angesteckt hätte oder gar eine Infektionskette entstanden wäre!

Ingrid Gerk

 

 

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