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DRESDEN/ Hochschule für Musik: VIOLIN-RECITAL LISA BATIASHVILI

Dresden / Hochschule für Musik: VIOLIN-RECITAL LISA BATIASHVILI – 25.02.2013


Lisa Bathiashvili

 Die in aller Welt gefragte und zu Recht gefeierte georgische Ausnahmegeigerin Lisa Bathiashvili ist in dieser Saison Capell-Virtuosin der Sächsischen Staatskapelle Dresden und in Dresden keine Unbekannte mehr. Bereits 2007 musizierte sie erstmalig mit der Kapelle in der Semperoper und im Dezember 2012 in der Dresdner Frauenkirche unter Christian Thielemann im ZDF-Adventskonzert. In wenigen Wochen wird sie unter Thielemann im Rahmen seines Brahms-Zyklus das Violinkonzert von Brahms spielen (10. Symphoniekonzert am 7., 8. und 9.4), das sie bereits mit der Staatskapelle unter Thielemann eingespielt hat.

 Gemeinsam mit Paul Lewis, dem einstigen Meisterschüler Alfred Brendels und herausragenden Pianisten seiner Generation, am Klavier, widmete sie sich zunächst Franz Schuberts „Sonate für Violine und Klavier A Dur“ D 574, virtuos und mit jugendlicher Frische, wenn auch weniger auf die besondere Mentalität Schuberts eingehend. Bei seinem „Rondo für Violine und Klavier h Moll“ D 895 „Rondo brillant“ kam die Spezifik Schubertscher Musik dann schon eher zum Tragen. Beide spielten in beachtlichem Tempo, schwungvoll und expressiv, in der gegenwärtigen Auffassung junger Musiker, mitunter aber auch mit leichten Härten und noch nicht mit dieser wunderbaren Harmonie, die dann bei der Beethoven-Sonate zu einem einmaligen Klangerlebnis wurde.

Als Pianist solo trat Lewis mit Franz Liszt auf. In den beiden Stücken „Schlaflos! Frage und Antwort„, Nocturne für Klavier solo nach einem Gedicht von Toni Raab (W 203) und „Unstern“ Sinistre, disastro“ für Klavier solo, orientierte er vor allem – wie seinerzeit Liszt – auf Virtuosentum und Technik, mitunter mit relativ hartem Anschlag, aber auch sanfteren, leisen Tönen, wobei die Musikalität, die Liszts Kompositionen unterschwellig auch eigen ist, weniger zur Geltung kam.

Lisa Batiashvili brillierte solo bei der Wiedergabe von G. P. Telemanns „Fantasia Nr. 4 D Dur für Violine solo“ TWV 40:17. In ihrem Spiel war alles enthalten, was man sich nur wünschen kann, eine fabelhafte, traumwandlerisch sichere Technik, durchsichtige Führung der polyphonen Linien, Musikalität und eine wunderbar geschmeidige, klangschöne Tongebung. In ihrem auffallend flüssigen Spiel reihte sie wie selbstverständlich „nahtlos“ schwierige Passage an schwierige Passage, durch und durch musikantisch, sehr melodiös und mit ihrem ganz speziellen, unverwechselbaren Geigenton zwischen jugendlicher Frische, Eleganz, Herzenswärme und Aufrichtigkeit, den man in seiner Schönheit nicht beschreiben, sondern nur erleben kann.

Dieser Eindruck verstärkte sich noch bei L. v. Beethovens „Sonate für Klavier und Violine G Dur Op. 96″, wo sich beide Künstler souverän und sehr gut aufeinander abgestimmt, wunderbar ergänzten, gegenseitig Gestaltungsfreiraum ließen und wie im „Gleichklang der Seelen“ sich gemeinsam in Beethovens musikalischen Geist vertieften. Hier stimmte einfach alles. Der Pianist fügte sich mit feinem, klingendem Anschlag ein. Es war Qualität und Harmonie vom Feinsten auf beiden Seiten. Im „Adagio espressivo“ entfalteten beide eine wunderbare Klangschönheit und Ausdrucksfähigkeit und trotz rasantem Tempo im „Presto“ eine ideale Klarheit und Musizierfreude. Die ausgeglichene, ausgewogene Interpretation ließ keine Wünsche offen, außer dem einen, beiden Künstlern in dieser glänzenden Verfassung bald wieder zu begegnen.

Mit zwei, sehr gegensätzlichen Zugaben bedankten sich beide Künstler für den überaus herzlichen Applaus. Der in atemberaubendem Tempo und mit elegantem Schwung dargebotene „Ungarische Tanz“ von J. Brahms gestaltete sich zu einem wahren Feuerwerk aus höchster Virtuosität, überschäumendem Temperament, traumwandlerischer Sicherheit und Wohlklang.

Um den Abend dann beruhigend, quasi mit einem „Schlummerstück“ ausklingen zu lassen und das Publikum an die Nachtruhe zu erinnern, boten beide sehr feinsinnig und mit lyrischem Schmelz „Bonjour“ von Claude Debussy und entließen das Publikum überglücklich.

Ingrid Gerk

 

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