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DRESDEN/ Hochschule für Musik: LIEDERABEND CAMILLA NYLUND MIT WAGNER& STRAUSS

Dresden/Hochschule für Musik: WAGNER UND STRAUSS IM LIEDERABEND MIT CAMILLA NYLUND – 21. 4. 2013


Camilla Nylund

 Camilla Nylund singt jetzt an allen großen Opernhäusern Europas, aber, obwohl sie jetzt in Dresden zu Hause ist, vermisst man sie sehnlichst in der Semperoper, und sie liebt dieses Haus …

 Ihrem Dresdner Publikum ist sie aber treu geblieben. In der renommierten Kammermusikreihe „Das Lied in Dresden“, die einst u. a. auch auf Anraten von Peter Schreier gegründet wurde, trat sie anlässlich des 100. Liederabends in dem vor einigen Jahren in moderner Architektur erbauten Konzertsaal der Hochschule für Musik auf und begeisterte das ihr treu ergebene Publikum. Durch die terrassierte Form anstelle des üblichen Rechtecks hat der Saal eine ausgezeichnete Akustik.

 Als Schwedin im finnischen Vaasa geboren, hatte sie, was nahe liegt, Lieder aus ihrer früheren Heimat mitgebracht, 5 Lieder von Frühling und Herbst, Norden und Echo-Feen von Jan Sibelius und 5 Liedern seines Schwagers Armas Järnefelt (1859-1958), einem finnischen Dirigenten und Komponist der romantischen Tradition, der in seinen Kompositionen nationalfinnische Elemente verarbeitete und als einer der Ersten finnische Texte vertonte. Bahnbrechend für Finnland führte er 1904 bis 1906 Opern von Richard Wagner im Finnischen Nationaltheater auf.

 Mit ihrer kraftvollen, ausdrucksstarken Stimme brachte Camilla Nylund diese etwas herben, von der nordischen Landschaft, die sich auch in der Seele der dort lebenden Menschen wiederspiegelt, geprägten, mitunter auch etwas wehmütigen Lieder sehr kultiviert zu Gehör.

 Ganz in ihrem Element war sie dann aber bei den „Wesendonck-Liedern“ von Richard Wagner nach Texten der von ihm so sehr geliebten und verehrten Mathilde Wesendonck. Sie tragen seine ganz persönlichen, emotionalen Züge. Hier konnte sie sich ganz entfalten. Was tut es da schon, wenn durch die intensive Konzentration ein Einsatz mal ein wenig zu zeitig kommt. Im Gegenteil, solch kleine, allzu menschlichen „Ausrutscher“ sorgen meist für ein anschließend sehr aufgelockertes Verhältnis zwischen Künstler und Publikum. Die Anspannung fällt ab, es wird alles lockerer und gelöster, und so war es auch an diesem Abend. Nach dem dritten Lied „Im Treibhaus“, das sie mit besonderes feinen, leisen Tönen berührend ausklingen ließ, steigerte sie sich von Lied zu Lied immer mehr in die emotionale Tiefe von Wagners unerfüllter Liebe hinein und ließ diese Lieder zu einem exzellenten musikalischen Höhepunkt werden.

 Nach diesem Höhepunkt folgte noch ein weiterer: 5 Lieder von Richard Strauss. Im Gegensatz zu Wagner hat Strauss zahlreiche Lieder geschrieben, von denen Camilla Nylund „Morgen“, „Die Nacht“, „Die Georgine“, „Befreit“ und „Cäcilie“ ausgewählt hatte.

 „Und Morgen wird die Sonnen wieder Scheinen“ ließ sie mit schöner, zurückgenommener Stimme hoffen und sanft mit gleitendem Decrescendo besonders fein nuanciert ausklingen. Sie widmete sich all diesen Liedern in ihrer Spezifik mit viel Hingabe und Einfühlungsvermögen und gestaltete sie sehr eindrucksvoll. Bei Wagner und Strauss ist sie unverkennbar in ihrem Element und ließ diesen Abend zu einem nachhaltigen Ereignis werden.

 Jobst Schneiderrat von der Semperoper, ein sehr versierter und bei vielen namhaften Sängerinnen und Sängern sehr gefragter Liedbegleiter, der seit der „Ring“-Einstudierung 2000 unter Giuseppe Sinopoli als musikalischer Assistent bei den Bayreuther Festspielen und seit 2002 auch bei den Salzburger Festspielen tätig ist, war ihr ein sehr einfühlsamer und mitgestaltender Begleiter am Klavier. Sie verstanden sich „auf gleicher Wellenlänge“ über die Musik.

 Dem Jubel und vielen Bravos des Publikums widmete sie noch 3 Zugaben: „Wer rief dich denn, wer hat dich herbestellt“ aus dem „Italienischen Liederbuch“ von Hugo Wolf, von Jan Sibelius „Es war ein Traum“ und das hinreißend schön gesungene „Ja, du weist es, liebe Seele“ von Richard Strauss.

 Ingrid Gerk

 

 

 

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