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DRESDEN/ Frauenkirche: SELTENES VON FRANZ SCHUBERT UND BELIEBTES VON J. S. BACH MIT MATTHIAS GÖRNE UND DEN DRESDNER KAPELLSOLISTEN

Dresden/Frauenkirche: SELTENES VON FRANZ SCHUBERT UND BELIEBTES VON J. S. BACH MIT MATTHIAS GÖRNE UND DEN DRESDNER KAPELLSOLISTEN – 13.9.2014

 Zurzeit wird auf dem Gebiet der Musik viel experimentiert, transponiert, transkribiert und instrumentiert. Ein Novum dürfte allerdings bei Liedern von Franz Schuberts die Bearbeitung der Klavierbegleitung für Orchester sein. Abgesehen von Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“ für Gesangsstimme, Klarinette und Klavier (Originalfassung) und einem Liederabend, bei dem Peter Schreier für Schuberts „Winterreise“ die Begleitung mit einem Streichquartett wählte, ist eine orchestrale Begleitung bei Schubert (bisher noch) ungewöhnlich, denn die meisten Sänger bleiben bei der Originalfassung mit Klavier.

 Matthias Görne stellte nun 6 Schubert-Lieder: „Des Fischers Liebesglück“ (D 933), „Das Heimweh“ (D 851), „Ganymed“ (D 544), „Abendstern“ (D 806), „Pilgerweise“ (D 789) und „Alinde“ (D 904) in einem sehr eindrucksvollen Arrangement von Alexander Schmalcz vor. Schmalcz, selbst ein prominenter Liedbegleiter, u. a. von Edita Gruberova, Matthias Görne, Peter Schreier, Daniel Behle, und auch Kammermusiker, schuf eigens für diese Lieder eine sehr einfühlsame, den Inhalt unterstreichende, sehr stimmungsvolle Instrumentierung der ursprünglichen Klavierbegleitung, die mitunter – ganz in der Art Schuberts – an den instrumentalen Part vom „Hirt auf dem Felsen“ erinnert.

Die Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny begleiteten äußerst dezent und einfühlsam, mit viel Gespür für die Mentalität Schuberts. In sehr feiner, dezenter Art, mit wunderbarer Oboe, Flöte und Fagott und schönen Streichern nahmen sie nicht nur Rücksicht auf den Gesang, sondern bildeten eine eindrucksvolle „Klangkulisse“, in der sich die Singstimme entfalten konnte. Görne sang mit inniger betörender Leichtigkeit, mit weicher, sanft klingender Stimme in den höheren Lagen und mit dramatischer Wucht bis zum kraftvollen Fortissimo in den tieferen Lagen. Seine Art, Lieder zu singen, weicht von der üblichen, gewohnten Weise ab, indem er oft auch dramatisiert. Mit schwingenden Bewegungen nahm er die Schwingungen der Musikinstrumente auf, um sie im Gesang fortzuführen.

Schubert hat seinerzeit das Liedschaffen revolutioniert, indem er Gesang und Begleitung, die wesentlichen Anteil an der ausdrucksmäßigen Behandlung des Textes hat und die Handlung einleitet sowie am Ende weiterführt, gleichberechtigt auf eine Stufe hob. In diesem Sinne behandelte Schmalcz seine Orchestrierung. Hier ging nichts von Schuberts Intensität oder der Dichtung verloren. Im Gegenteil, er verstand es, sich in die musikalische Welt Schuberts zu vertiefen, und die enge Verflechtung der Stimmen noch zu intensivieren, was durch die reine Intonation und Klangschönheit der Dresdner Kapellsolisten besonders gut zur Geltung kam.

Die Kapellsolisten waren es auch, die diese interessanten Liedbearbeitungen umrahmten. Passend dazu widmeten sie sich einleitend den sehr selten zu hörenden „Fünf Menuetten mit sechs Trios“ für Streichorchester (D 89) von Franz Schubert – leicht und zart wie diese kleinen, kunstvollen Gebilde.

 Nach J. S. Bachs „Brandenburgischem Konzert“ Nr. 3 wurde das „Doppelkonzert“ d‑Moll (BWV 1043) mit den beiden Geigern der Sächsischen Staatskapelle Susanne Branny, die auch die 1. Konzertmeisterin der Kapellsolisten ist, und Jörg Kettmann zu einem Höhepunkt des Abends. Insbesondere durch ein ideales Tempo, bei dem trotz aller Vitalität die Musik ausschwingen konnte und mit dem ausdrucksvoll und klangschwelgerisch musizierten 2. Satz und dem vitalen 3. Satz trugen sie „zündende“ Klänge und Emotionen ins Publikum. Hier passte einfach alles zusammen, die beiden untereinander korrespondierenden Solisten, die sich gegenseitig ergänzten und ihrerseits wieder mit dem Orchester wunderbar harmonierten, und die „goldene“ Klangpracht, die, kernig, und doch leicht, fast schwebend zu einem „Fest“ aus Glanz und Klang wurde. Diese Klangqualität seigerten sie bis zu einer Zugabe, dem besonders feinsinnig musizierten „Air“ aus Bachs „3. Orchestersuite“.

 

Ingrid Gerk

 

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