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DRESDEN/Frauenkirche: „MOZART !“ – EIN BEKENNTNIS VON SEBASTIAN KNAUER UND DEM ZÜRCHER KAMMERORCHESTER UNTER ROGER NORRINGTON

09.03.2019 | Konzert/Liederabende

Dresden/Frauenkirche: „MOZART !“ – EIN BEKENNTNIS VON SEBASTIAN KNAUER UND DEM ZÜRCHER KAMMERORCHESTER UNTER ROGER NORRINGTON – 8.3.2019

 „Mozart !“ – ein kurzer Titel, mit dem sich Pianist Sebastian Knauer und das Zürcher Kammerorchester (ZKO), eines der gegenwärtig führenden Kammerorchester, unter Roger Norrington zu Wolfgang Amadeus Mozart bekannten, der wegen seiner technisch weniger großen Schwierigkeiten langsam immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, trotz seiner klassischen Klarheit, spielerischen Lebensfreude und hohen kompositorischen und ästhetischen Ansprüche. Sie hatten ihr Konzert in der Dresdner Frauenkirche ganz diesem Genie gewidmet, dessen Musik immer wieder fasziniert, so oft man sie auch hört. Das ZKO versteht es, diese vor über zwei Jahrhunderten entstandene Musik historisch präzise und gleichzeitig gegenwärtig frisch und ansprechend aufzuführen.

Seit September 2016 wird das Orchester von Daniel Hope, dem Artistic Director der Dresdner Frauenkirche geleitet. Für diesen besonderen Abend überließ er jedoch die Führung seinem Vorgänger, dem verdienstvollen, mittlerweile 85-jährigen Roger Norrington, der sich gleich beim ersten Werk, dem „Divertimento D‑Dur“ (KV 251), dem „Nannerl Septett“, wahrscheinlich zum 25. Namenstag von Mozarts Schwester Maria Anna, dem Nannerl, für kammermusikalische Besetzung mit sieben Instrumenten – Oboe, zwei Hörner und Streicher – komponiert, auf Vehemenz und Temperament verlegte, wobei Mozarts unterhaltsame Leichtigkeit eines heiteren Divertimento mit tanzartigem Charakter eher verschwand, auch wenn es die Violinen zuweilen „leicht und locker“ nahmen, fast „hüpfend“, und die Bläser weitgehend sauber und mit schönem Ton spielten.

Norrington ließ das Orchester mitunter auch allein spielen und wandte sich schon mal in Richtung Publikum. Er konnte sich auf das, akustisch äußerst günstig aufgestellte, diszipliniert spielende Orchester ganz und gar verlassen.

Zum Mittel- und Höhepunkt gestaltete sich das “Klavierkonzert Nr. 23 A‑Dur (KV 488). Hier gab Sebastian Knauer vom mittig wie zu Mozarts Zeiten und akustisch äußerst günstig an der Stelle des Dirigentenpodestes aufgestellten, Klavier aus den Ton an. Er brillierte nicht nur mit schöner, „perlender“ Kadenz voller Wohlklang, deren Stimmung und Enthusiasmus auch die Orchestermusiker beflügelte, die danach ebenso klangschön und mit entsprechender Leichtigkeit weitermusizierten, sondern gab mit seinem innigen Klavierspiel Mozart, der gegenwärtig sehr schnell als „leicht und tändelnd“ abgetan wird, seine „Würde“ wieder.

Der 2. Satz wurde als klangvolles „Adagio“ von Klavier und Orchester mit schönen Bläsern und Streichern, die die Intentionen des Pianisten aufnahmen, genussreich ausmusiziert. Knauer ließ mit sehr feinem, klingendem Anschlag Mozarts Musik aufblühen und vermittelte unbekümmerte Heiterkeit und Ernsthaftigkeit gleichermaßen in schönem Miteinander mit dem Orchester. Ja, so sollte Mozart immer klingen! Das sind jene beglückenden Momente, die aus der Musikalität entspringen und leider immer seltener werden. Bei Mozart ist nicht nur die technische Seite entscheidend, da liegt viel „zwischen den Tönen“. „Das Herz adelt“ nicht nur „den Menschen“ wie Mozart äußerte, sondern spielt auch bei seiner Musik eine wesentliche Rolle.

Norrington hatte wenig zu tun und hielt sich zurück. Er saß inmitten des Orchesters wie in geselliger Runde und dirigierte dezent mit oder genoss sichtlich, in Tönen schwelgend, die schöne Übereinstimmung von Solist und Orchester, die auch das Publikum begeisterte und das für seinen herzlichen Applaus von Knauer mit einer Zugabe beschenkt wurde, die er mit dem schlichten, aber passenden Wort „Mozart!“ ankündigte und damit sein Bekenntnis unterstrich.

Als drittes und letztes Werk Mozarts erklang die etwa 45minütige „Serenade Nr. 9 D‑Dur“ (KV 320), die „Posthorn-Serenade“ mit ihren 7 Sätzen, die Mozart als letzte Serenade in seiner Heimatstadt Salzburg schrieb, eine sogenannte „Finalmusik“, die den Studenten der Salzburger Universität zur Feier ihres Studienabschlusses gewidmet ist, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten.

Hier brachte sich Norrington wieder mit Vehemenz ein, unterstrichen von durchdringender Pauke, die diesem Divertimento zunächst eher etwas Martialisches statt “Serenaden-Charakter“ verlieh, aber es gab wieder schöne, heitere Bläser in solistischem Wechselspiel, weshalb es (oder aus Unkenntnis) vom Publikum schon nach den ersten Sätzen voreiligen Applaus gab, in den Norrington einstimmte, vielleicht als Anerkennung für die sauber gespielten Soli von Flöte und Oboe im „Concertante“ (3. Satz) und „Rondeau“ (4. Satz).

Für die Piccoloflöte über den Streichern im ersten „Trio“ des zweiten „Menuettos“ (6. Satz) und den Musiker, der im Renaissance-Outfit von der Chorempore das „Posthorn“, das der Serenade den Namen gab, blies, gab es erst nach dem trotz Schnelligkeit klar und klangvoll gespielten 7. Satz („Finale/Presto“) den verdienten Applaus als Reminiszenz an das Lebenswerk des verdienstvollen Dirigenten Roger Norrington, für den Pianisten Sebastian Knauer und das Zürcher Kammerorchester – und nicht zuletzt auch für Mozart und seine ewig „junge“ Musik.

 

Ingrid Gerk

 

 

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