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DRESDEN/ Frauenkirche: MAGALI MOSNIER UND DIE MUSICI DI ROMA

Dresden/Frauenkirche: MAGALI MOSNIER UND DIE MUSICI DI ROMA – 9.8.2014

 In der Reihe „Junge Klassik: Stars der neuen Generation“ war jetzt zu Gast in der Dresdner Frauenkirche Magali Mosnier, die in allen großen Musikzentren Europas erfolgreich konzertierende Soloflötistin des Orchestre Philharmonique de Radio France. Zusammen mit I Musici di Roma spielte sie A. Vivaldi und J. S. Bach.

 Sie studierte u. a. bei Jean-Pierre Rampal (1922 – 2000), dem bedeutendsten Flötisten des 20. Jh., der maßgeblich an der Akzeptanz der Flöte als Soloinstrument im internationalen Konzertbetrieb und bei der Wiederentdeckung barocker und frühklassischer Literatur für dieses Instrument beteiligt war. Unverkennbar war es sein weicher, ausdrucks- und sehr klangvoller Ton, der auch das Spiel von Magalie Mosnier prägt und bei ihr weiterlebt.

 In den beiden „Concerti für Flöte und Basso continuo (B.c.)“ in „D‑Dur op. 10 Nr. 3“ (RV 428) „Il gardellino“ und „F‑Dur op. 10 Nr. 1 (RV 433) „La tempesta di mare“ bestach sie, jeweils neben den beiden, sehr exakt und mit Ausdruck gespielten, schnellen Außensätzen, mit ihrer nuancenreichen Ausdruckspalette und Farbigkeit ganz besonders in den getragenen Mittelsätzen („Siciliano“ bzw. „Largo“). Sie schien die Musik, die sie spielte, zu durchleben.

 Im Gegensatz zu manch anderen Kammerorchestern für Alte Musik, denen es nicht mehr wichtig erscheint, die langsamen Sätze – entsprechend ihrer ursprünglichen Bestimmung – mit Verve und Gefühl sinnreich auszugestalten, sind offenbar gerade diese getragenen Sätze Ihre besondere „Spezialität“, denen sie sich neben den schnellen Außensätzen mit besonderer Hingabe und Musikverständnis widmet, um sie sehr intensiv, mit viel Klangsinn und Empfindung, sozusagen „in Klangseligkeit schwelgend“, auszumusizieren.

 In Bachs „Brandenburgischem Konzert“ Nr. 5 D‑Dur (BWV 1050) teilte sie sich den solistischen Anteil mit den Orchestersolisten Antonio Anselmi, Violine, der äußerlich beinahe Paganini ähnelt und nach altem italienischem Musizierstil auch die Leitung des Kammerorchesters innehatte‚ und Francesco Buccarella, Cembalo, als gleichberechtigte Partner, führend, aber nicht vordergründig, ganz im Sinne der höfischen, schöngeistig unterhaltenden Musizierweise im 18. Jh. Die 3 Solisten verfügten über die gleiche Auffassung und spielfreudige Musizierweise. Trotz aller Kunstfertigkeit wirkte das Konzert sehr natürlich.

 Seinen italienischen Landsleuten scheint Vivaldi in die Wiege gelegt worden zu sein. I Musici di Roma, das älteste bestehende Kammerensemble, das seit nunmehr 62 Jahren einem internationalen Publikum u. a. die italienische Musik des 17. und 18. Jh. immer wieder neu erschließt, spielten das „Concerto für Streicher und B.c. D‑Dur (RV 123) und die „Sinfonia h‑Moll für Streicher und B.c.“ (RV 169) „Al santo sepolcro“ sowie das „Concerto grosso für 2 Violinen, Violoncello, Streicher und B.c. d‑Moll op. 3 Nr. 11 (RV 565) dieses venezianischen Meisters sehr feinsinnig, verinnerlicht und mit echt italienischem Esprit. In letzterem Konzert traten Marco Serino und Ettore Pellegrino, Violinen und Vito Paternoster, Violoncello solistisch mit Verve und echt italienischem Klangsinn hervor.

 In Anbetracht der herzhaft-kernigen barocken Klangfülle des als Abschluss und Höhepunkt gebotenen „Concerto groso Nr. 12 d‑moll“, „La follia“ (Thema e variazioni) von Francesco Geminiani (1687 – 1762), dem Geigenvirtuosen und Komponisten, der in Neapel, Lucca, London (zusammen mit G. F. Händel) und Dublin wirkte, erscheint es unverständlich, warum Kompositionen dieses barocken Klangmagiers relativ selten aufgeführt werden.

 Für den begeisterten Applaus bedankten sich I Musici di Roma mit einer Zugabe, einem sehr locker und zügig gespielten „Allegro“ von Vivaldi.

 Ingrid Gerk

 

 

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